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Vogelspinnenkrabbe

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Tierart – Wirbellose > Krebstiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Neolithodes grimaldii
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
  • Familie: Königskrabben (Lithodidae)
  • Gattung: Neolithodes
  • Lebensraum: Tiefsee, Atlantischer und Pazifischer Ozean, in Tiefen von 200 bis über 2.000 Metern
  • Größe: Carapaxbreite bis ca. 10–17 cm; Beinspannweite bis über 50 cm
  • Gewicht: ca. 0,5–2 kg (je nach Art und Individuum)
  • Lebenserwartung: geschätzt 15–30 Jahre (gesicherte Daten fehlen aufgrund des schwer zugänglichen Habitats)

Aussehen & Merkmale

Die Vogelspinnenkrabbe verdankt ihren Namen dem auffälligen Erscheinungsbild ihrer langen, dünnen Laufbeine, die an die Extremitäten großer Vogelspinnen erinnern. Der Carapax – also der Rückenschild des Cephalothorax – ist annähernd dreieckig bis rundlich geformt und mit zahlreichen spitzen Dornen und Tuberkeln besetzt. Diese Stachelstrukturen dienen dem mechanischen Schutz vor Fressfeinden und verleihen dem Tier ein geradezu bizarres Äußeres.

Wie bei allen Vertretern der Familie Lithodidae ist das fünfte Beinpaar stark reduziert und unter dem Carapax verborgen, sodass äußerlich nur vier Beinpaare sichtbar sind. Die Scheren (Chelipeden) sind kräftig, aber im Vergleich zu den Laufbeinen eher kurz. Die Körperoberfläche ist meist orangerot bis dunkelrot gefärbt; bei Tiefsee-Exemplaren können auch blasse, gelbliche Farbtöne vorkommen. Der Panzer besteht aus einer kalzifizierten Chitinschicht, die regelmäßig im Zuge der Häutung (Ecdysis) erneuert wird.

Im Unterschied zu den echten Krabben (Brachyura) gehört die Vogelspinnenkrabbe systematisch zu den Mittelkrebsen (Anomura). Ihr Abdomen ist asymmetrisch und weich, was auf die stammesgeschichtliche Verwandtschaft mit den Einsiedlerkrebsen (Paguroidea) hinweist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Vogelspinnenkrabbe erstreckt sich über weite Teile der Tiefsee im Atlantik – von den Gewässern vor Westafrika und den Kanarischen Inseln bis in den Nordwestatlantik vor der Küste Nordamerikas. Weitere Nachweise existieren aus dem südlichen Pazifik und dem Indischen Ozean. Die Tiere besiedeln bevorzugt schlammige bis sandige Tiefseebiotope auf dem Kontinentalschelf und den oberen Abschnitten des Kontinentalhangs.

Das typische Habitat liegt in Tiefen zwischen 200 und 2.000 Metern, wobei einzelne Individuen auch jenseits der 2.500-Meter-Marke dokumentiert wurden. In diesen Zonen herrschen Temperaturen zwischen 2 und 6 °C, hoher hydrostatischer Druck und weitgehende Dunkelheit. Die Vogelspinnenkrabbe ist an diese extremen Bedingungen hervorragend angepasst.

Ernährung

Die Vogelspinnenkrabbe ernährt sich omnivor und opportunistisch. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören sessile Wirbellose wie Schwämme, Hydrozoen und Bryozoen sowie kleine Polychaeten, Muscheln und andere Krebstiere. Auch organisches Sediment (Detritus) und Aas stehen auf dem Speiseplan. Mit ihren Scheren zerkleinert sie hartschalige Beute oder kratzt Aufwuchs von Felsen und Korallenskeletten.

In der nahrungsarmen Tiefsee ist ein breites Ernährungsspektrum ein entscheidender Überlebensvorteil. Mageninhalt-Analysen von Schleppnetzfängen zeigen, dass die relative Zusammensetzung der Nahrung je nach Tiefe und Region erheblich variiert.

Verhalten & Lebensweise

Über das Verhalten der Vogelspinnenkrabbe ist aufgrund ihres schwer zugänglichen Lebensraums vergleichsweise wenig bekannt. Beobachtungen mit Tiefsee-Tauchbooten und ROVs (ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge) deuten darauf hin, dass die Tiere überwiegend einzelgängerisch leben. Sie bewegen sich langsam über den Meeresboden und nutzen ihre langen Beine, um sich auf weichem Substrat fortzubewegen, ohne einzusinken.

Eine ausgeprägte Tag-Nacht-Rhythmik ist in der lichtlosen Tiefsee nicht zu erwarten, sodass die Aktivitätsphasen vermutlich nicht an einen circadianen Rhythmus gebunden sind. Die Tiere reagieren auf mechanische und chemische Reize; Nahrungsquellen wie Walkadaver können größere Ansammlungen anlocken, was gelegentlich zu temporären Aggregationen führt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Vogelspinnenkrabbe folgt dem bei Lithodiden üblichen Muster. Das Weibchen trägt die befruchteten Eier an den Pleopoden (Schwimmbeinen) unter dem Abdomen. Die Brutzeit kann in der kalten Tiefsee über ein Jahr dauern. Die Eizahl pro Gelege ist im Vergleich zu Flachwasserkrabben gering, dafür sind die einzelnen Eier relativ groß und dotterreich.

Aus den Eiern schlüpfen Zoëa-Larven, die eine planktonische Phase durchlaufen, bevor sie sich als Megalopa-Larven am Boden ansiedeln und zur benthischen Lebensweise übergehen. Details zur Larvalentwicklung von Neolithodes grimaldii sind allerdings lückenhaft, da die Aufzucht unter Laborbedingungen bei den erforderlichen Druckverhältnissen äußerst schwierig ist.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Vogelspinnenkrabbe wird von der IUCN derzeit nicht in einer eigenen Gefährdungskategorie geführt – die Datenlage reicht für eine fundierte Einstufung nicht aus (Data Deficient bzw. nicht bewertet). Direkte fischereiliche Nutzung findet kaum statt, da die Art kommerziell unbedeutend ist. Allerdings geraten Exemplare gelegentlich als Beifang in Grundschleppnetze der Ti