Vorstehhund
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Definition und Überblick
Als Vorstehhund bezeichnet man eine Gruppe von Jagdhunden, die durch ein besonderes, angeborenes Verhalten bei der Arbeit im Feld gekennzeichnet sind: das sogenannte Vorstehen. Dabei verharrt der Hund in einer charakteristischen, angespannten Körperhaltung, sobald er Wild – insbesondere Federwild – gewittert hat. Er zeigt dem Jäger durch sein Erstarren die Position des Wildes an, ohne es aufzuscheuchen. Dieses Verhalten ist genetisch verankert und wird durch gezielte Ausbildung verfeinert. In der Jäger- und Weidmannssprache gehört der Vorstehhund zu den sogenannten Jagdgebrauchshunden und wird der Gruppe der Hühnerhunde zugeordnet, da seine Hauptaufgabe historisch in der Suche nach Rebhühnern, Wachteln und anderem Niederwild lag.
Das Vorstehen – Wesen und Funktion
Das Vorstehen ist eine modifizierte Form des Beutefangverhaltens. In der Verhaltenskette zwischen Wittern, Anschleichen und Zupacken wurde durch jahrhundertelange Zuchtauswahl die Phase des Verharrens verstärkt und verlängert. Der Hund nimmt dabei eine typische Haltung ein: Der Körper ist gestreckt, eine Vorderpfote häufig angehoben, die Rute steif, der Kopf in Richtung der Beute gerichtet. In der Weidmannssprache sagt man, der Hund „steht vor" oder er „macht fest".
Für den Jäger hat dieses Verhalten einen enormen praktischen Nutzen. Der Vorstehhund ermöglicht es, sich in Schussposition zu bringen, bevor das Wild aufsteht. Erst auf ein Kommando oder Zeichen des Führers rückt der Hund vor und bringt das Wild zum Auffliegen – diesen Vorgang nennt man „Einspringen". Der anschließende Schuss auf das flüchtige Federwild wird dadurch kalkulierbar und weidgerecht.
Einteilung der Vorstehhunderassen
Vorstehhunde werden nach ihrem Haarkleid in drei Hauptgruppen unterteilt:
- Kurzhaarige Vorstehhunde: Hierzu zählen der Deutsch Kurzhaar, der Pointer (Englisch), der Magyar Vizsla (Kurzhaar), der Weimaraner und der Perdiguero de Burgos.
- Rauhaarige Vorstehhunde: Zu dieser Gruppe gehören der Deutsch Drahthaar, der Deutsch Stichelhaar, der Griffon Korthals, der Pudelpointer und der Spinone Italiano.
- Langhaarige Vorstehhunde: Vertreter sind der Deutsch Langhaar, der Großer Münsterländer, der Kleiner Münsterländer, der Irish Setter, der English Setter, der Gordon Setter und der Epagneul Breton.
Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt die Vorstehhunde in der Gruppe 7. Innerhalb dieser Gruppe wird zwischen kontinentalen und britischen Vorstehhunden unterschieden. Die kontinentalen Vorstehhunde – darunter die meisten deutschen Rassen – gelten als vielseitige Jagdgebrauchshunde, die neben dem Vorstehen auch Schweißarbeit, Wasserarbeit und das Apportieren beherrschen. Die britischen Vorstehhunde (Pointer und Setter) sind dagegen stärker auf die reine Feldarbeit spezialisiert und arbeiten in der Regel in hohem Tempo mit weiter Suche.
Geschichtliche Entwicklung
Die Ursprünge des Vorstehhundes reichen bis ins Mittelalter zurück. Bereits im 13. Jahrhundert wurden auf der Iberischen Halbinsel Hunde gezüchtet, die Wild durch Verharren anzeigten. Diese sogenannten Bracken oder Hühnerhunde dienten zunächst der Netzjagd (auch Tirassieren genannt), bei der ein Netz über das vorgestandene Federwild geworfen wurde. Mit der Verbreitung von Schusswaffen ab dem 17. Jahrhundert veränderte sich die Jagdmethode grundlegend: Nun war der Schuss auf das flüchtige Wild gefragt, und der Vorstehhund wurde zum unverzichtbaren Partner bei der Flugwildjagd.
In Deutschland begann die systematische Zucht von Vorstehhunden im 19. Jahrhundert. Der Deutsch Kurzhaar, dessen Zuchtbuch 1897 gegründet wurde, geht auf Kreuzungen altspanischer und altdeutscher Hühnerhunde mit dem englischen Pointer zurück. Parallel entstanden der Deutsch Drahthaar und der Deutsch Langhaar als eigenständige Rassen, die den klimatischen und jagdlichen Anforderungen Mitteleuropas angepasst wurden.
Ausbildung und Prüfungswesen
Die Ausbildung eines Vorstehhundes gliedert sich in mehrere Stufen. In der Jugendentwicklung wird die natürliche Veranlagung zum Vorstehen erkannt und gefördert. Die Verbandsjugendprüfung (VJP) und die Herbstzuchtprüfung (HZP) testen die angeborenen Anlagen wie Nasenleistung, Suchenstil, Vorstehen, Führigkeit und Wasserfreude.
Die Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) gilt als die umfassendste Leistungsprüfung für Vorstehhunde in Deutschland. Sie wird vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) organisiert und prüft die Arbeit im Feld, im Wasser und im Wald. Dazu gehören Fächer wie die Feldsuche, das Vorstehen und Nachziehen, die verlorene Suche, die Schlepp- und Schweißarbeit sowie das Bringen auf der Schleppe von Haar- und Federwild.
Zusätzlich gibt es Spezialprüfungen wie die Solms (Prüfung nach dem Schuss), die