Walhai
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rhincodon typus
- Ordnung: Ammenhaiartige (Orectolobiformes)
- Familie: Walhaie (Rhincodontidae)
- Gattung: Rhincodon
- Lebensraum: Tropische und warm-gemäßigte Meere weltweit, pelagisch und küstennah
- Größe: Durchschnittlich 10–12 m, maximal bis etwa 18 m (Einzelberichte bis 20 m)
- Gewicht: Bis zu 34 Tonnen
- Lebenserwartung: Geschätzt 80–130 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Walhai ist der größte rezente Fisch und zugleich der größte lebende nicht-marine Säugetier ausschließende Wirbeltierart der Meere. Sein massiger, torpedoförmiger Körper ist an der Oberseite dunkelgrau bis blaugrau gefärbt und mit einem charakteristischen Muster aus hellen Flecken und vertikalen sowie horizontalen Streifen überzogen. Dieses Muster ist bei jedem Individuum einzigartig – vergleichbar mit einem Fingerabdruck – und wird in der Forschung zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen. Die Unterseite ist weißlich.
Der Kopf ist auffallend breit und stark abgeflacht. Das endständige Maul – im Gegensatz zu den meisten Haiarten nicht unterständig – kann eine Breite von über 1,5 Metern erreichen. Darin befinden sich bis zu 3.000 winzige, nur wenige Millimeter große Zähne, die in über 300 Reihen angeordnet sind und beim Fressen keine funktionale Rolle spielen. Stattdessen dienen fünf große Kiemenspalten pro Seite mit feinmaschigen Filterstrukturen (sogenannten Kiemenreusen) der Nahrungsaufnahme. Die Haut des Walhais ist mit winzigen Placoidschuppen bedeckt und kann eine Dicke von bis zu 15 Zentimetern erreichen – sie zählt damit zu den dicksten Häuten im gesamten Tierreich.
Zwei große Rückenflossen sitzen weit hinten am Körper. Die Schwanzflosse (Caudalflosse) ist heterocerk, wobei der obere Lobus deutlich länger ist als der untere. Die Brustflossen sind kräftig und können eine Spannweite von über zwei Metern erreichen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Walhais umfasst alle tropischen und warm-gemäßigten Ozeane, grob zwischen dem 30. nördlichen und dem 35. südlichen Breitengrad. Hauptverbreitungsgebiete liegen im Indischen Ozean, im westlichen Pazifik, im Golf von Mexiko, vor der Küste Westaustraliens (Ningaloo Reef), rund um die Malediven sowie vor Mosambik, den Philippinen und Mexikos Halbinsel Yucatán.
Der Walhai bewohnt vorwiegend das offene Meer (pelagisches Habitat) und hält sich bevorzugt in Wassertiefen von der Oberfläche bis etwa 200 Metern auf. Satellitentelemetrie hat jedoch gezeigt, dass einzelne Tiere in Tiefen von über 1.900 Metern abtauchen. Küstennahe Gewässer, Korallenriffe und die Bereiche um Flussmündungen werden regelmäßig aufgesucht, besonders wenn dort hohe Planktonkonzentrationen auftreten. Die Art unternimmt ausgedehnte saisonale Wanderungen, die mehrere tausend Kilometer umfassen können und offenbar an das Nahrungsangebot sowie an Wassertemperaturen gekoppelt sind.
Ernährung
Trotz seiner enormen Größe ernährt sich der Walhai ausschließlich von Plankton und kleinen Organismen. Er ist ein Filtrierer, der große Mengen Wasser durch sein Maul aufnimmt und die darin enthaltene Nahrung mithilfe seiner Kiemenreusen herausfiltert. Zum Nahrungsspektrum gehören Krill, Ruderfußkrebse (Copepoden), Fischlaich, kleine Schwarmfische wie Sardinen und Anchovis, Quallen sowie Tintenfischlarven.
Der Walhai nutzt drei verschiedene Filtertechniken: aktives Saugen, bei dem er mit nahezu vertikaler Körperhaltung an der Wasseroberfläche Wasser einzieht; passives Filtern während des Schwimmens mit geöffnetem Maul; und sogenanntes Ram-Filtrieren, bei dem er mit hoher Geschwindigkeit durch Planktonwolken schwimmt. Pro Stunde kann ein ausgewachsener Walhai bis zu 6.000 Liter Wasser filtern.
Verhalten & Lebensweise
Walhaie sind überwiegend Einzelgänger, die sich jedoch an nahrungsreichen Stellen in Gruppen von bis zu mehreren hundert Tieren versammeln können. Solche saisonalen Aggregationen wurden unter anderem vor Yucatán, am Ningaloo Reef und vor Djibouti dokumentiert. Die Tiere sind tagaktiv und verbringen einen Großteil ihrer Zeit in oberflächennahen Wasserschichten, wo die Planktonkonzentration am höchsten ist.
Die Schwimmgeschwindigkeit liegt im Durchschnitt bei etwa 5 km/h, was den Walhai zu einem der langsamsten Haie macht. Gegenüber Tauchern und Schnorchlern zeigt er ein ausgesprochen ruhiges, nicht aggressives Verhalten. Es gibt keinerlei bestätigte Berichte über Angriffe auf Menschen. Die Tiere sind allerdings durchaus in der Lage, kurzzeitig schneller zu schwimmen, wenn sie gestört werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über die Fortpflanzungsbiologie des Walhais ist vergleichsweise wenig bekannt. Die Art ist ovovivipar (aplazental vivipar): Die Weibchen tragen befruchtete Eier im Körper aus, die dort schlüpfen. 1995 wurde vor Taiwan ein trächtiges Weibchen gefangen, in dessen Uterus sich über 300 Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien befanden – die höchste jemals bei einem Hai dokumentierte Embryonenzahl.
Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 40–60 Zentimeter lang. Die Geschlechtsreife wird vermutlich erst im Alter von 25–30 Jahren erreicht, bei einer Körperlänge von etwa 8–9 Metern. Diese späte Geschlechtsreife in Kombination mit der vermutlich niedrigen Reproduktionsrate macht die Art besonders anfällig gegenüber Bestandsrück