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Waller

W

Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Silurus glanis
  • Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
  • Familie: Echte Welse (Siluridae)
  • Gattung: Silurus
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer – Flüsse, Altarme, Stauseen, tiefe Seen
  • Größe: Durchschnittlich 1,0–1,5 m, in Ausnahmefällen über 2,5 m
  • Gewicht: Adulte Tiere 20–80 kg, Maximalgewichte über 100 kg dokumentiert
  • Lebenserwartung: 30–60 Jahre, in seltenen Fällen bis 80 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Waller – auch als Wels, Europäischer Wels oder Schaidfisch bezeichnet – ist der größte rein in Süßwasser lebende Fisch Europas. Sein Körper ist langgestreckt, seitlich nur leicht abgeflacht und zum Schwanz hin deutlich verjüngt. Die Haut ist schuppenlos und mit einer dicken Schleimschicht überzogen, die den Fisch vor Parasiten und mechanischen Verletzungen schützt. Die Grundfärbung variiert je nach Habitat von dunkeloliv über blaugrau bis schwarzbraun auf der Oberseite; die Flanken zeigen häufig eine unregelmäßige Marmorierung, während die Bauchseite gelblich-weiß bis cremefarben gefärbt ist.

Kennzeichnend ist der breite, stark abgeflachte Kopf mit einem endständigen, weit gespaltenen Maul, das mit zahlreichen kleinen, nach innen gerichteten Zähnen besetzt ist. Am Oberkiefer sitzen zwei auffallend lange Barteln (Bartfäden), die als Tastorgane dienen und bis zu einem Drittel der Körperlänge erreichen können. Vier weitere, deutlich kürzere Barteln befinden sich am Unterkiefer. Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf auffallend klein – ein Hinweis auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise des Wallers. Die Rückenflosse ist sehr kurz, während die Afterflosse extrem lang ausgezogen ist und bis zur gerundeten Schwanzflosse reicht. Die Brustflossen sind kräftig und dienen der Steuerung am Gewässergrund.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Wallers erstreckt sich von Osteuropa über Mitteleuropa bis nach Westasien. Er kommt in großen Flusssystemen wie Donau, Elbe, Oder, Wolga und Dnepr vor. In Deutschland zählt er zu den heimischen Fischarten mit Schwerpunkten in der Donau und ihren Nebenflüssen sowie in Elbe und Oder. Durch gezielte Besatzmaßnahmen hat sich das Verbreitungsgebiet in den letzten Jahrzehnten nach Westen und Süden ausgedehnt – mittlerweile existieren stabile Populationen im Rhein, in der Rhône, im Po, im Ebro und in zahlreichen Stauseen Südeuropas.

Als Habitat bevorzugt der Waller tiefe, strukturreiche Gewässerabschnitte mit weichem Grund. Altarme, Buhnenfelder, unterspülte Uferbereiche, versunkene Baumstämme und tiefe Gumpen dienen als Tagesverstecke. In Stauseen und Seen hält er sich tagsüber häufig in der Tiefe auf und zieht nachts in flachere Bereiche. Entscheidend für ein geeignetes Biotop sind ausreichende Tiefe, warme Sommertemperaturen und ein gutes Nahrungsangebot. Der Waller meidet kalte, schnell fließende und sauerstoffreiche Gebirgsbäche.

Ernährung

Der Waller ist ein opportunistischer Raubfisch mit einem breiten Nahrungsspektrum. Jungfische ernähren sich zunächst von Zooplankton, Insektenlarven und kleinen Krebstieren. Mit zunehmender Größe verschiebt sich das Beutespektrum hin zu Fischen, die den Hauptanteil der Nahrung adulter Tiere ausmachen. Brachsen, Rotaugen, Barsche, Aale und andere Weißfische werden bevorzugt erbeutet. Große Exemplare nehmen gelegentlich auch Frösche, Flusskrebse, Wasservögel wie Blässhühner und Enten sowie kleine Säugetiere auf, die sich im oder am Wasser befinden.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in den Dämmerungs- und Nachtstunden. Der Waller lokalisiert seine Beute primär über die empfindlichen Barteln, die Seitenlinie und sein gut entwickeltes Gehör. Seine Jagdstrategie besteht meist aus kurzem, explosivem Zustoßen aus der Deckung heraus. In südeuropäischen Flüssen wurde beobachtet, dass Waller sich auf Kiesbänke schieben, um dort rastende Tauben zu erbeuten – ein für Süßwasserfische äußerst ungewöhnliches Verhalten.

Verhalten & Lebensweise

Der Waller ist ein überwiegend nachtaktiver Bodenfisch, der den Tag in Verstecken am Gewässergrund verbringt. Er lebt als adultes Tier einzelgängerisch und standorttreu – größere Exemplare besetzen feste Unterstände, die sie über Jahre hinweg nutzen. In der kalten Jahreszeit zieht sich der Waller in tiefere Gewässerbereiche zurück und verfällt in eine Art Winterruhe, während der sein Stoffwechsel stark herabgesetzt ist und die Nahrungsaufnahme nahezu vollständig eingestellt wird. Bei steigenden Wassertemperaturen im Frühjahr nimmt die Aktivität wieder zu.

Jüngere Waller zeigen gelegentlich ein lockeres Gruppenverhalten an günstigen Standplätzen, ohne dass von echtem Schwarmverhalten gesprochen werden kann. Die Art ist ausgesprochen wärmeliebend und erreicht den Höhepunkt ihrer Aktivität bei Wassertemperaturen zwischen 20 und 25 °C.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit des Wallers liegt je nach Region zwischen Mai und Juli und setzt ein, wenn die Wassertemperatur mindestens 18–20 °C erreicht. Die Paarung wird durch ein einfaches Balzverhalten eingeleitet: Das Männchen sucht in flacheren, pflanzenreichen Uferzonen eine geeignete Laichstelle und bereitet dort eine Nestmulde vor, indem es Pflanzenteile zu einer kissenartigen Unterlage zusammenschiebt.