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Wanderratte

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rattus norvegicus
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
  • Gattung: Ratten (Rattus)
  • Lebensraum: Siedlungen, Kanalisation, Uferböschungen, landwirtschaftliche Betriebe, nahezu weltweit
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 20–27 cm, Schwanzlänge 17–23 cm
  • Gewicht: 200–500 g, einzelne Exemplare bis über 600 g
  • Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 3 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Die Wanderratte ist ein kräftig gebautes Nagetier mit gedrungenem Körper und stumpfer Schnauze. Das Fell ist an der Oberseite graubraun bis bräunlich gefärbt, die Unterseite hellt zu einem schmutzigen Graugelb oder Weiß auf. Die einzelnen Haare sind relativ grob und straff. Der Schwanz ist kürzer als der restliche Körper – ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Hausratte (Rattus rattus), deren Schwanz den Körper deutlich überragt.

Die Ohren der Wanderratte sind klein, rundlich und erreichen, nach vorn geklappt, nicht die Augen. Die Augen selbst sind im Verhältnis zum Kopf eher klein. An den Hinterfüßen befinden sich zwischen den Zehen rudimentäre Schwimmhäute, die auf die enge Bindung der Art an gewässernahe Habitate hinweisen. Die kräftigen, gelblich-orangen Schneidezähne wachsen lebenslang nach – eine Eigenschaft aller Nagetiere.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Wanderratte liegt in den gemäßigten Zonen Ostasiens, vermutlich in der Region um Nordchina und die Mongolei. Von dort breitete sie sich ab dem Mittelalter entlang menschlicher Handelsrouten nach Westen aus. Im 18. Jahrhundert erreichte sie Europa auf dem Landweg und über Schiffe und verdrängte dort weitgehend die zuvor etablierte Hausratte. Heute besiedelt Rattus norvegicus alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis und gilt als eines der erfolgreichsten invasiven Säugetiere der Erde.

Als Kulturfolger lebt die Wanderratte bevorzugt in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen. Typische Biotope sind Kanalisationssysteme, Mülldeponien, Lagerhäuser, Viehställe und Hafenanlagen. In naturnahen Lebensräumen besiedelt sie Uferböschungen von Flüssen und Seen, wo sie in selbst gegrabenen Erdbauen lebt. Diese Baue verfügen oft über mehrere Ein- und Ausgänge sowie separate Kammern für Nestbau und Vorratshaltung. In wärmeren Regionen existieren auch verwilderte Populationen, die weitgehend unabhängig vom Menschen in offenen Habitaten leben.

Ernährung

Die Wanderratte ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore). Ihr Nahrungsspektrum umfasst Getreide, Früchte, Gemüse, Samen, Insekten, Würmer, Fischreste, Vogeleier, Aas und menschliche Nahrungsabfälle. Bei Gelegenheit erbeutet sie auch Jungvögel, Amphibien und kleine Fische. In der Kanalisation ernährt sie sich zu einem erheblichen Teil von organischen Ablagerungen und Speiseresten.

Pro Tag nimmt eine Wanderratte etwa 25–30 Gramm feste Nahrung und 15–30 Milliliter Wasser zu sich. Ein regelmäßiger Zugang zu Trinkwasser ist für die Art überlebenswichtig – ein weiterer Unterschied zur Hausratte, die mit geringerer Wasseraufnahme auskommt. Wanderratten legen Futtervorräte in ihren Bauen an und transportieren Nahrung über beachtliche Strecken.

Verhalten & Lebensweise

Wanderratten sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruhen sie in ihren Bauen oder Verstecken. Sie leben in Gruppen, sogenannten Rudeln oder Clans, die eine soziale Hierarchie ausbilden. Innerhalb eines Rudels dominiert in der Regel ein ranghoher Bock, der bevorzugten Zugang zu Nahrungsquellen und Weibchen hat. Gruppenfremde Tiere werden aggressiv vertrieben – die Reviermarkierung erfolgt über Urin und Sekrete spezieller Drüsen.

Die Wanderratte ist eine ausgezeichnete Schwimmerin und Taucherin. Sie bewegt sich routiniert in Kanalisationsrohren und kann mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Auch das Klettern beherrscht sie, wenngleich weniger geschickt als die Hausratte. Ihre Sinnesleistungen sind stark auf Geruch, Gehör und Tastempfindung über die Vibrissen (Schnurrhaare) ausgerichtet. Das Sehvermögen ist dagegen schwach ausgebildet; die Tiere nehmen ihre Umgebung vorwiegend im Ultraviolett- und Grünbereich wahr.

Wanderratten kommunizieren über ein breites Repertoire an Lautäußerungen, darunter für den Menschen unhörbare Ultraschallrufe, die bei sozialen Interaktionen, Paarung und Alarmierung eine Rolle spielen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsrate der Wanderratte ist außerordentlich hoch. Weibchen sind ab einem Alter von etwa drei Monaten geschlechtsreif und können unter günstigen Bedingungen bis zu zwölf Würfe pro Jahr hervorbringen, wobei sechs bis acht Würfe realistischer sind. Die Tragzeit beträgt 21–24 Tage. Ein Wurf umfasst durchschnittlich sechs bis elf Jungtiere, in Einzelfällen bis zu zwanzig.

Die Jungtiere kommen nackt, blind und taub zur Welt und wiegen bei der Geburt etwa fünf bis sechs Gramm. Sie werden im Nest gesäugt und von der Mutter versorgt. Nach etwa 14–17 Tagen öffnen sich die Augen, und nach drei bis vier Wochen beginnen die Jungen, feste Nahrung aufzunehmen. Die Entwöhnung ist nach etwa fünf Wochen abgeschlossen. Aufgrund dieser hohen Reproduktionsrate kann ein einzelnes Paar theoretisch inner