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Wanderstör

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Acipenser sturio
  • Ordnung: Störartige (Acipenseriformes)
  • Familie: Störe (Acipenseridae)
  • Gattung: Acipenser
  • Lebensraum: Küstengewässer, Ästuare und große Flüsse Europas; anadrome Lebensweise
  • Größe: bis 3,5 Meter (historisch bis 6 Meter)
  • Gewicht: bis 300 kg (historisch bis über 400 kg)
  • Lebenserwartung: 50–100 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Wanderstör, auch Europäischer Stör oder Gemeiner Stör genannt, gehört zu den größten Süßwasserfischen Europas. Sein Körperbau ist langgestreckt und spindelförmig, mit einer deutlich abgeflachten Schnauze (Rostrum), die nach vorn spitz zuläuft. Die Oberseite des Körpers ist graubraun bis olivgrün gefärbt, die Flanken heller, der Bauch weißlich bis gelblich. Wie alle Störe besitzt der Wanderstör keine typischen Schuppen, sondern fünf Längsreihen aus großen, knöchernen Schilden (Knochenplatten), die als Scuta bezeichnet werden: eine Reihe auf dem Rücken, zwei an den Flanken und zwei am Bauch. Zwischen diesen Schildreihen ist die Haut weitgehend nackt oder mit winzigen Hautdentikeln besetzt.

Am Kopf befinden sich vier Barteln (Barbeln) auf der Unterseite der Schnauze, die als Tastorgane zur Nahrungssuche am Gewässergrund dienen. Das Maul ist unterständig, vorstülpbar und zahnlos – eine Anpassung an das Aufnehmen von Bodenorganismen. Die Schwanzflosse ist heterocerk, das heißt, der obere Lobus ist deutlich länger als der untere, was an die stammesgeschichtliche Nähe zu urtümlichen Knochenfischen erinnert. Das Skelett besteht überwiegend aus Knorpel, nur teilweise aus Knochen – ein weiteres archaisches Merkmal.

Lebensraum & Verbreitung

Der Wanderstör ist eine anadrome Art: Er verbringt den größten Teil seines Lebens im Meer oder in küstennahen Brackwasserzonen und steigt zur Fortpflanzung in große Flüsse auf. Historisch erstreckte sich sein Verbreitungsgebiet von der Ostsee und Nordsee über den Nordostatlantik bis ins Mittelmeer und das Schwarze Meer. In Mitteleuropa war er in Flüssen wie Rhein, Elbe, Weser, Oder und Donau heimisch. Die Tiere hielten sich bevorzugt in tiefen Flussabschnitten mit kiesigem oder sandigem Substrat auf.

Heute ist das Verbreitungsgebiet auf einen winzigen Rest geschrumpft. Die letzte natürlich reproduzierende Population findet sich in der Gironde, einem Ästuar im Südwesten Frankreichs, und dem angeschlossenen Flusssystem von Garonne und Dordogne. In deutschen Gewässern gilt die Art als ausgestorben; der letzte gesicherte Fang in der Nordsee datiert aus den 1960er-Jahren. Seit einigen Jahren laufen jedoch Wiederansiedlungsprojekte, insbesondere an der Elbe und Oder, bei denen aus Nachzucht stammende Jungfische ausgesetzt werden.

Ernährung

Der Wanderstör ist ein Bodenfresser (benthivor). Im Meer ernährt er sich vorwiegend von wirbellosen Tieren wie Krebstieren, Muscheln, Schnecken, Borstenwürmern und kleinen bodenlebenden Fischen. Bei der Nahrungssuche tastet er mit seinen Barteln den Gewässergrund ab und stülpt das Maul vor, um Beute aus dem Sediment aufzusaugen. In Flüssen nehmen die Tiere ebenfalls wirbellose Organismen auf, darunter Insektenlarven und Kleinkrebse. Während der Laichwanderung selbst fressen erwachsene Störe wenig oder gar nicht.

Verhalten & Lebensweise

Der Wanderstör ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hält er sich bevorzugt in tieferen Gewässerabschnitten auf und wird erst in den Abendstunden bei der Nahrungssuche aktiver. Adulte Tiere leben im Meer meist einzelgängerisch oder in lockeren Verbänden. Eine Revierbildung im engeren Sinne ist nicht bekannt.

Die namensgebenden Wanderungen gehören zu den längsten unter den europäischen Süßwasserfischen. Laichreife Tiere legen auf ihrem Aufstieg vom Meer in die Flüsse Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück. Diese Wanderungen erfolgen stromaufwärts und sind energetisch äußerst aufwendig. Die Tiere orientieren sich dabei vermutlich über Geruchsstoffe (olfaktorische Prägung auf den Heimatfluss) sowie über Strömung und Temperaturgradienten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Wanderstöre erreichen die Geschlechtsreife sehr spät: Männchen werden mit etwa 8–12 Jahren, Weibchen erst mit 12–18 Jahren fortpflanzungsfähig. Die Laichzeit fällt in die Monate Mai bis Juli. Die Laichwanderung beginnt im Frühjahr; die Tiere suchen kiesige, gut durchströmte Flussabschnitte mit einer Wassertiefe von etwa 2–8 Metern als Laichhabitat auf.

Ein Weibchen kann je nach Körpergröße zwischen 300.000 und über zwei Millionen Eier abgeben. Die kleinen, dunkelbraunen bis schwarzen Eier sind klebrig und haften am Kiessubstrat. Die Embryonalentwicklung dauert bei Wassertemperaturen um 15–20 °C etwa drei bis sieben Tage. Die geschlüpften Larven bleiben zunächst im Interstitial des Kieses und ernähren sich vom Dottersack. Nach wenigen Wochen beginnen die Jungfische, aktiv zu fressen, und driften allmählich stromabwärts in Richtung Ästuar und Meer. Die Jugendstadien verbringen ein bis drei Jahre in Brackwasserbereichen, bevor sie ins offene Meer abwandern.

Weibchen laichen nicht jedes Jahr, sondern in Intervallen von zwei bis vier Jahren. Zusammen mit der späten Geschlechtsreife ergibt sich daraus ein sehr geringes Reproduktionspotenzial, was die Art besonders empfindlich gegenüber Bestandsverlusten macht.