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Wandertaube

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Tierart – Vögel > Tauben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ectopistes migratorius
  • Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
  • Familie: Tauben (Columbidae)
  • Gattung: Ectopistes
  • Lebensraum: Laubwälder und Mischwälder Nordamerikas
  • Größe: 38–41 cm Körperlänge
  • Gewicht: 260–340 g
  • Lebenserwartung: ca. 12–15 Jahre (in Gefangenschaft bis zu 29 Jahre belegt)
  • Schutzstatus: Ausgestorben (IUCN: Extinct, EX) seit 1914

Aussehen & Merkmale

Die Wandertaube war eine schlanke, langgestreckte Taubenart mit auffällig langem, keilförmigem Schwanz, der etwa die Hälfte der Gesamtlänge von bis zu 40 Zentimetern ausmachte. Damit unterschied sie sich deutlich von der gedrungener gebauten Felsentaube (Columba livia), der Stammform unserer Haustaube. Die Flügel waren spitz zulaufend und für schnellen, ausdauernden Flug optimiert.

Das Gefieder der Männchen zeigte eine blaugraue Oberseite mit einzelnen schwarzen Flecken auf den Deckfedern. Brust und Kehle schimmerten in einem warmen Kupferrot bis Weinrot, das zum Bauch hin in Weiß überging. An den Halsseiten zeigten sich je nach Lichteinfall metallisch irisierende Bereiche in Grün und Violett. Die Weibchen waren insgesamt matter gefärbt: Die Oberseite wirkte bräunlicher, die Brust blasser rötlich. Die Iris war orangerot, der Schnabel schwarz und die Beine leuchtend rot.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wandertaube erstreckte sich über den östlichen Teil Nordamerikas, von den südlichen Provinzen Kanadas bis in die Südstaaten der USA. Ihr bevorzugtes Habitat waren ausgedehnte Laubwälder und Mischwälder, insbesondere Bestände mit Eichen, Buchen, Kastanien und Hickorybäumen. Diese Baumarten lieferten die Mast – also die Früchte und Nüsse –, von der sich die Art vorrangig ernährte.

Die Wandertaube war ein ausgesprochener Zugvogel, was ihr den deutschen wie auch den englischen Namen (Passenger Pigeon) einbrachte. Die Schwärme zogen je nach Nahrungsangebot zwischen den nördlichen Brutgebieten und den südlicheren Überwinterungsarealen hin und her. Anders als viele Zugvögel folgten die Wandertauben keiner festen Route, sondern orientierten sich nomadisch am jeweiligen Fruchtangebot der Wälder.

Ernährung

Die Wandertaube ernährte sich überwiegend pflanzlich. Eicheln, Bucheckern, Kastanien und die Nüsse verschiedener Hickoryarten bildeten die Hauptnahrung, ergänzt durch Beeren, Samen von Gräsern und Kräutern sowie Getreide auf landwirtschaftlichen Flächen. Gelegentlich nahmen die Vögel auch Insekten, Würmer und Schnecken zu sich, besonders während der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf für die Jungenaufzucht stieg.

Die Nahrungssuche erfolgte sowohl am Boden als auch in den Baumkronen. Dabei profitierten die Tiere von ihrem dehnbaren Kropf, in dem sie große Mengen an Nahrung zwischenspeichern konnten – bis zu 28 Milliliter an Eicheln wurden in einzelnen Vögeln dokumentiert.

Verhalten & Lebensweise

Die Wandertaube war eine tagaktive Art und lebte in Schwärmen, deren Ausmaße in der Geschichte der Ornithologie ohne Parallele sind. Augenzeugenberichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert beschreiben Zugformationen, die den Himmel über Stunden verdunkelten und sich über Hunderte von Kilometern erstreckten. Der Ornithologe Alexander Wilson schätzte 1806 einen einzelnen Schwarm auf über zwei Milliarden Individuen. John James Audubon berichtete 1813 von einem Schwarm, dessen Durchzug drei Tage dauerte.

Die Gesamtpopulation wurde auf ihrem Höhepunkt auf drei bis fünf Milliarden Individuen geschätzt – damit war die Wandertaube vermutlich die individuenreichste Vogelart der Erde. Die Tiere waren schnelle Flieger und erreichten Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde. Ihre Geselligkeit war extrem ausgeprägt: Brut, Nahrungssuche und Zug erfolgten stets in riesigen Verbänden. Einzeln gehaltene Tiere zeigten deutliche Stresssymptome.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutkolonien der Wandertaube gehörten zu den größten bekannten Vogelansammlungen überhaupt. Einzelne Kolonien konnten sich über Flächen von mehreren hundert Quadratkilometern erstrecken und Millionen von Brutpaaren umfassen. Die Nester bestanden aus lose geschichteten Zweigen und wurden auf horizontalen Ästen in Laubbäumen errichtet, oft so dicht nebeneinander, dass Äste unter dem Gewicht brachen.

Jedes Weibchen legte pro Brut nur ein einzelnes weißes Ei, was für eine Taubenart ungewöhnlich ist – die meisten Columbidae legen zwei Eier. Die Brutzeit betrug etwa 12 bis 14 Tage, wobei sich beide Elterntiere beim Bebrüten abwechselten. Die Nestlinge wurden zunächst mit Kropfmilch gefüttert, einer nährstoffreichen Substanz, die in der Kropfschleimhaut beider Geschlechter gebildet wird. Nach etwa 14 Tagen waren die Jungvögel flügge. Die Balz bestand aus gegenseitigem Schnäbeln, Kopfnicken und kurzen Flugvorführungen der Männchen.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Wandertaube ist seit 1914 ausgestorben. Die IUCN führt sie unter dem Status „Extinct" (EX). Das letzte bekannte Individuum, ein Weibchen namens „Martha", starb am 1. September 1914 im Zoo von Cincinnati, Ohio.

Der Niedergang dieser einstmals überaus häufigen Art vollzog sich in einer erdgeschichtlich verschwindend kurzen Zeitspanne. Mehrere Faktoren wirkten zusammen: Die kommerzielle