Wasserläufer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gerridae (Familie); häufigste heimische Art: Gerris lacustris (Gemeiner Wasserläufer)
- Ordnung: Wanzen (Hemiptera)
- Unterordnung: Wanzen im engeren Sinne (Heteroptera)
- Familie: Wasserläufer (Gerridae)
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Tümpel, Seen, vereinzelt auch Meeresküsten und offener Ozean
- Größe: 8–17 mm (je nach Art)
- Gewicht: ca. 0,01–0,05 g
- Lebenserwartung: etwa 1 Jahr (einschließlich Überwinterung als Imago)
Aussehen & Merkmale
Wasserläufer besitzen einen schlanken, langgestreckten Körper mit einer dunkelbraunen bis schwarzen Oberseite und einer silbrig-grauen Unterseite. Die Körperoberfläche ist dicht mit feinen, wasserabweisenden Härchen – sogenannten Mikrotrichien – bedeckt, die einen samtigen Glanz erzeugen und den direkten Kontakt zwischen Cuticula und Wasser verhindern.
Das auffälligste Merkmal sind die drei Beinpaare, die jeweils unterschiedliche Funktionen erfüllen. Die kurzen Vorderbeine dienen als Fangbeine zum Ergreifen von Beute. Die stark verlängerten Mittelbeine fungieren als Antrieb: Mit schnellen, ruderartigen Schlägen bewegen sie das Tier über die Wasseroberfläche. Die ebenfalls langen Hinterbeine übernehmen die Steuerung und dienen als Ruder. An den Tarsen – den Fußgliedern – sitzen besonders dichte Büschel hydrophober Haare, die verhindern, dass die Beine die Wasseroberfläche durchbrechen.
Wasserläufer können sowohl geflügelte als auch flügellose Formen ausbilden. Dieser Flügeldimorphismus ist genetisch und umweltbedingt gesteuert: Bei günstigen Bedingungen am Gewässer überwiegen kurzflügelige (brachyptere) Individuen, während bei Habitatverschlechterung vermehrt langflügelige (makroptere) Tiere auftreten, die neue Gewässer besiedeln können.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie der Gerridae umfasst weltweit rund 1.700 beschriebene Arten in etwa 60 Gattungen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. In Mitteleuropa kommen rund zehn Arten vor, darunter der Gemeine Wasserläufer (Gerris lacustris), der Bachläufer (Gerris gibbifer) und der Große Wasserläufer (Gerris rufoscutellatus).
Typische Habitate sind stehende und langsam fließende Binnengewässer: Weiher, Teiche, Altarme, moorige Tümpel und die Uferzonen von Seen. Entscheidend ist eine ruhige, windgeschützte Wasseroberfläche, da starke Wellenbewegung die Fortbewegung erheblich erschwert. Schattige Uferabschnitte mit überhängender Vegetation werden bevorzugt, da sie Schutz vor Fressfeinden bieten.
Eine Sonderstellung nimmt die Gattung Halobates ein, deren etwa 50 Arten als einzige Insekten dauerhaft auf dem offenen Ozean leben. Diese marinen Wasserläufer kommen vor allem in tropischen Meeresgebieten vor.
Ernährung
Wasserläufer sind Prädatoren und ernähren sich von anderen Arthropoden. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, die auf die Wasseroberfläche fallen oder dort zur Eiablage landen – darunter Mücken, kleine Fliegen, Blattläuse und andere Kleinstinsekten. Auch tote oder sterbende Insekten werden als Nahrung akzeptiert.
Die Beuteortung erfolgt über Vibrationssinn: Spezielle Mechanorezeptoren an den Tarsen und Tibien registrieren die Oberflächenwellen, die ein zappelndes Insekt auf der Wasseroberfläche erzeugt. Sobald die Beute lokalisiert ist, gleitet der Wasserläufer mit schnellen Ruderschlägen der Mittelbeine zum Zielobjekt und ergreift es mit den kurzen Vorderbeinen. Anschließend wird die Beute mit dem Stechrüssel (Rostrum) angestochen und ausgesaugt – eine für Wanzen typische extraorale Verdauung.
Verhalten & Lebensweise
Wasserläufer sind überwiegend tagaktiv und leben gesellig. Auf geeigneten Gewässerabschnitten finden sich häufig Ansammlungen von mehreren Dutzend Individuen. Innerhalb dieser Gruppen kommt es regelmäßig zu Rangkämpfen, bei denen Männchen Rivalen durch Körperrammen und Verfolgungsjagden auf der Wasseroberfläche vertreiben.
Die Fortbewegung auf dem Wasser basiert auf dem Prinzip der Oberflächenspannung. Das geringe Körpergewicht, verteilt auf die langen Mittel- und Hinterbeine mit ihren hydrophoben Haarpolstern, verhindert das Durchbrechen der Wasseroberfläche. Die Tiere erzeugen beim Rudern mit den Mittelbeinen kleine Wirbel hinter sich, die sie vorantreiben – ein Mechanismus, der dem Rudern eines Bootes ähnelt.
Zur Überwinterung verlassen Wasserläufer das Gewässer und suchen geschützte Verstecke an Land auf. Unter Laub, Rinde oder Moos verbringen sie in einer Kältestarre die Wintermonate. Im Frühjahr, meist ab April, kehren sie an die Gewässer zurück.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet im Frühjahr und Frühsommer statt. Männchen signalisieren ihre Paarungsbereitschaft durch charakteristische Vibrationen auf der Wasseroberfläche – eine Form der Kommunikation, die gleichzeitig der Balz dient. Bei einigen Arten üben Männchen eine bemerkenswerte Erpressungsstrategie aus: Sie erzeugen durch Trommeln auf der Wasseroberfläche Wellen, die Fressfeinde – etwa Fische von unten – anlocken. Da das Weibchen beim Paarungsversuch unten sitzt und somit stärker gefährdet ist, gibt es