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Wasserschwein

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hydrochoerus hydrochaeris
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
  • Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
  • Unterfamilie: Hydrochoerinae
  • Gattung: Hydrochoerus
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Flussufer, Sümpfe und Überschwemmungsebenen Südamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 100–135 cm, Schulterhöhe bis 60 cm
  • Gewicht: 35–65 kg, in Ausnahmefällen über 70 kg
  • Lebenserwartung: 8–12 Jahre in freier Wildbahn, bis 15 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Das Wasserschwein – auch als Capybara bekannt – ist das größte heute lebende Nagetier der Erde. Der Körperbau ist massig und tonnenförmig, die Beine vergleichsweise kurz und kräftig. Der Kopf ist breit mit einer stumpfen, fast rechteckigen Schnauze. Augen, Ohren und Nasenlöcher sitzen weit oben am Schädel, was dem Tier ermöglicht, mit nahezu vollständig untergetauchtem Körper zu atmen und die Umgebung zu beobachten – eine Anpassung an das semiaquatische Leben.

Das Fell ist grob, borstig und relativ dünn. Die Färbung variiert von rötlichbraun über gelbbraun bis hin zu graubraun, wobei die Bauchseite häufig etwas heller ausfällt. Junge Tiere zeigen gelegentlich eine leicht gefleckte Zeichnung, die mit zunehmendem Alter verschwindet. Zwischen den Zehen befinden sich kurze Schwimmhäute, die beim Schwimmen als Antriebsfläche dienen. Der Schwanz ist stark reduziert und äußerlich kaum sichtbar.

Wie alle Nagetiere besitzt das Wasserschwein stetig nachwachsende Schneidezähne. Die Backenzähne sind hochkronig (hypsodont) und an die Verarbeitung harter, kieselsäurehaltiger Gräser angepasst. Geschlechtsreife Männchen tragen auf der Schnauzenoberseite eine auffällige, erhabene Drüse – das sogenannte Morrillo –, die ein öliges Sekret zur Reviermarkierung absondert.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Wasserschweins erstreckt sich über weite Teile Südamerikas östlich der Anden, von Panama und Kolumbien im Norden bis nach Uruguay und das nördliche Argentinien im Süden. Besonders hohe Populationsdichten finden sich in den Llanos Venezuelas und Kolumbiens sowie im brasilianischen Pantanal.

Als Habitat bevorzugt das Wasserschwein stets die Nähe von Gewässern. Typische Biotope sind Flussufer, Seeufer, Sümpfe, Mangroven, saisonale Überschwemmungsflächen und feuchte Savannen. Der Zugang zu offenem Wasser ist überlebenswichtig: Es dient als Fluchtweg vor Fressfeinden, zur Thermoregulation und als Ort der Paarung. Trockene Wälder oder Höhenlagen oberhalb von rund 1.300 Metern werden gemieden.

Eine zweite, kleinere Art der Gattung – das Kleine Wasserschwein (Hydrochoerus isthmius) – besiedelt Teile Panamas, Kolumbiens und Venezuelas. Diese verwandte Art erreicht nur etwa 28 kg Körpergewicht und wird taxonomisch getrennt geführt.

Ernährung

Das Wasserschwein ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Den Hauptanteil der Nahrung bilden Gräser und Wasserpflanzen, insbesondere Schilf, Sauergräser und verschiedene Riedgrasarten. Ergänzend werden Rinden, Früchte, Kräuter und landwirtschaftliche Feldfrüchte wie Reis, Zuckerrohr oder Melonen aufgenommen, sofern diese verfügbar sind.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in den kühleren Morgen- und Abendstunden. Während der Trockenzeit, wenn das Nahrungsangebot knapper wird, zeigen Wasserschweine ein weniger selektives Fressverhalten und nehmen auch hartfaserige Pflanzen an, die sie zu anderen Zeiten meiden. Wie Kaninchen und viele andere Nagetiere praktiziert das Wasserschwein Caecotrophie – die Wiederaufnahme spezieller, vitaminreicher Blinddarmkotballen, um Nährstoffe effizienter zu verwerten.

Verhalten & Lebensweise

Wasserschweine leben in sozialen Gruppen, deren Größe je nach Lebensraum und Jahreszeit stark schwankt. In der Regenzeit bestehen die Gruppen meist aus 10 bis 20 Tieren; während der Trockenzeit, wenn sich die Tiere an den verbliebenen Wasserstellen konzentrieren, können sich Ansammlungen von über 100 Individuen bilden. Eine typische Gruppe setzt sich aus einem dominanten Männchen, mehreren adulten Weibchen, untergeordneten Männchen und Jungtieren zusammen.

Das dominante Männchen verteidigt seine Position durch Drohgebärden, Verfolgungsjagden und gelegentliche Kämpfe. Die Rangordnung wird durch Körpergröße, Aggression und die Ausprägung des Morrillos bestimmt. Zur Kommunikation nutzen Wasserschweine ein breites Repertoire an Lautäußerungen: Klicklaute, Pfiffe, Bellen und ein tiefes Brummen, das der Gruppenkoordination dient.

Die Tiere sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber in Gebieten mit geringem Jagddruck auch tagsüber aktiv sein. Einen großen Teil des Tages verbringen sie ruhend im Wasser oder im Schlamm, was dem Schutz vor Überhitzung und Ektoparasiten dient. Wasserschweine sind ausgezeichnete Schwimmer und können mehrere Minuten unter Wasser bleiben, um Raubtieren zu entkommen.

Zu den wichtigsten Fressfeinden gehören Jaguare, Pumas, Kaimane, Anakondas und Harpyien (letztere vor allem für Jungtiere). In der Nähe menschlicher Siedlungen fallen zudem verwilderte