Wasserskorpion
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nepa cinerea
- Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
- Unterordnung: Wanzen (Heteroptera)
- Familie: Wasserskorpione (Nepidae)
- Gattung: Nepa
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Gewässer, Teiche, Tümpel, Gräben
- Größe: 18–22 mm Körperlänge (ohne Atemrohr), mit Atemrohr bis 35 mm
- Gewicht: Wenige Hundert Milligramm
- Lebenserwartung: Etwa 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Wasserskorpion (Nepa cinerea) trägt seinen Namen wegen der auffälligen Fangbeine, die an die Scheren eines Skorpions erinnern. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um einen Skorpion, sondern um eine Wasserwanze aus der Familie der Nepidae. Der flach-ovale Körper ist blattförmig abgeplattet und erreicht eine Länge von etwa 18 bis 22 Millimetern. Die Färbung ist dunkelbraun bis graubraun und dient der Tarnung auf schlammigem Untergrund und zwischen abgestorbenem Pflanzenmaterial.
Das auffälligste Merkmal sind die zu Fangbeinen umgewandelten Vorderbeine. Sie bestehen aus kräftigen, zangenartigen Strukturen, mit denen der Wasserskorpion seine Beute packt und festhält. Am Hinterleib befindet sich ein langes, zweiteiliges Atemrohr (Siphon), das etwa die halbe Körperlänge erreicht. Dieses Rohr wird an die Wasseroberfläche gestreckt, um Luft aufzunehmen – es ist kein Stachel. Unter den Deckflügeln liegen häutige Hinterflügel, die jedoch selten zum Fliegen genutzt werden. Die Augen sind relativ klein, was mit der vorwiegend tastenden und lauernden Jagdweise zusammenhängt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Nepa cinerea erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht ostwärts bis nach Zentralasien. In Mitteleuropa ist die Art weit verbreitet und kommt von der Ebene bis in mittlere Höhenlagen vor.
Als Habitat bevorzugt der Wasserskorpion stehende oder sehr langsam fließende Gewässer mit schlammigem Grund und dichter Ufervegetation. Typische Biotope sind flache Teiche, Weiher, Tümpel, Altwässer, Entwässerungsgräben und die Flachwasserzonen von Seen. Entscheidend ist eine dichte Vegetation aus Wasserpflanzen und eine Schlammschicht am Grund, in der sich das Tier verbergen kann. Der Wasserskorpion hält sich bevorzugt in Ufernähe auf, wo das Wasser nur wenige Zentimeter tief ist, da er sein Atemrohr regelmäßig an die Oberfläche bringen muss.
Ernährung
Der Wasserskorpion ist ein räuberisches Insekt und ernährt sich ausschließlich von anderen Kleintieren. Zur Beute gehören Insektenlarven, kleine Krebstiere, Wasserflöhe, Mückenlarven, Würmer und gelegentlich kleine Kaulquappen oder Fischbrut. Die Jagdstrategie ist die eines Lauerjägers: Der Wasserskorpion liegt reglos auf dem Gewässergrund oder zwischen Pflanzenteilen und wartet, bis ein Beutetier in Reichweite seiner Fangbeine gerät. Nähert sich die Beute, schlagen die zangenartigen Vorderbeine blitzschnell zu und fixieren das Opfer.
Wie alle Wanzen besitzt der Wasserskorpion einen Stechrüssel (Rostrum). Dieser wird in die Beute gestochen, um Verdauungssekrete zu injizieren, die das Körperinnere der Beute vorverdauen. Anschließend saugt der Wasserskorpion die verflüssigte Nahrung auf. Diese extraintestinale Verdauung ist typisch für räuberische Wanzen.
Verhalten & Lebensweise
Der Wasserskorpion ist ein ausgesprochen träges Insekt. Er bewegt sich langsam und bedächtig durch das Wasser und verbringt den Großteil seiner Zeit reglos am Gewässergrund. Dabei klammert er sich mit den mittleren und hinteren Beinpaaren an Pflanzenstängeln oder Detritus fest. Die Fortbewegung geschieht eher kletternd und kriechend als schwimmend – im offenen Wasser ist der Wasserskorpion ein schlechter Schwimmer.
Die Atmung erfolgt über das bereits beschriebene Atemrohr, das aus zwei rinnenförmig zusammengelegten Anhängen am Hinterleibsende besteht. Zusätzlich speichert der Wasserskorpion unter seinen Deckflügeln eine Luftblase, die als kurzfristiger Sauerstoffvorrat dient. Dieses sogenannte physikalische Kiemenprinzip ermöglicht es ihm, eine gewisse Zeit unter Wasser zu verbringen, ohne direkt an der Oberfläche atmen zu müssen.
Der Wasserskorpion ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber auch tagsüber Jagdverhalten, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Einzelgängerisch lebend, beansprucht er kein festes Revier, sondern wechselt seinen Aufenthaltsort je nach Nahrungsangebot und Wasserstand. Bei Gefahr stellt sich das Tier tot (Thanatose) oder versucht, sich tiefer in den Schlamm einzugraben. Ein Stich mit dem Rüssel in einen menschlichen Finger ist zwar möglich und schmerzhaft, aber ungefährlich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in Mitteleuropa auf die Monate April bis Juni. Nach der Kopulation legt das Weibchen die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in abgestorbene Pflanzenstängel oder weiches Pflanzengewebe knapp unter der Wasseroberfläche ab. Jedes Ei trägt am oberen Ende mehrere fadenförmige Fortsätze, die aus dem Pflanzengewebe herausragen und als Atemöffnungen für den sich entwickelnden Embryo dienen.
Die Eientwicklung dauert je nach Wassertemperatur zwei bis vier Wochen. Die schlüpfenden Larven (Nymphen) ähneln bereits den adulten Tieren, sind jedoch kleiner und besitzen noch kein