Wasserspitzmaus
WTierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Neomys fodiens
- Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
- Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
- Gattung: Wasserspitzmäuse (Neomys)
- Lebensraum: Ufer von Bächen, Flüssen, Seen und Teichen mit dichter Vegetation
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 7–10 cm, Schwanzlänge 5–7 cm
- Gewicht: 10–20 g
- Lebenserwartung: 14–19 Monate in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Wasserspitzmaus ist die größte heimische Spitzmausart und unterscheidet sich durch mehrere Anpassungen an das Leben im Wasser deutlich von ihren landlebenden Verwandten. Das Fell ist auf der Oberseite samtig schwarz bis dunkelbraun gefärbt, die Unterseite kontrastiert scharf mit einem weißlichen bis silbergrauen Ton. Diese zweifarbige Zeichnung – im Fachjargon als dorsoventraler Kontrast bezeichnet – ist ein gutes Bestimmungsmerkmal gegenüber der nahe verwandten Sumpfspitzmaus (Neomys anomalus), bei der der Übergang weniger scharf ausfällt.
An Händen und Füßen trägt die Wasserspitzmaus steife Borstenhaare, sogenannte Schwimmborsten, die als Ruderleisten wirken und die Fortbewegung im Wasser erleichtern. Auch der Schwanz ist auf der Unterseite mit einem deutlichen Borstenkiel versehen, der als Steuerruder dient. Das dichte Fell schließt beim Tauchen eine isolierende Luftschicht ein, sodass das Tier unter Wasser silbrig glänzt und selbst in kaltem Wasser kaum auskühlt. Die Augen sind klein, die Ohrmuscheln weitgehend im Fell verborgen – beides typisch für grabende und tauchende Kleinsäuger.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wasserspitzmaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis: von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel ostwärts durch Europa und das gemäßigte Asien bis nach Sibirien, Korea und China. In Mitteleuropa ist sie von der Tiefebene bis in Höhenlagen von rund 2.500 Metern in den Alpen nachgewiesen.
Ihr bevorzugtes Habitat sind saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer mit bewachsenen Ufern, Unterspülungen und Wurzelwerk, das Deckung und Nistmöglichkeiten bietet. Daneben besiedelt sie auch stehende Gewässer wie Teiche, Weiher und moorige Gräben, sofern die Ufervegetation ausreichend strukturiert ist. Gelegentlich werden Wasserspitzmäuse auch in gewässerfernen Biotopen wie Hecken, Gärten oder Waldflächen gefangen – vermutlich handelt es sich dabei um wandernde Jungtiere auf der Suche nach einem eigenen Revier.
Da die Art auf sauberes Wasser und naturnahe Uferstrukturen angewiesen ist, gilt ihr Vorkommen als Indikator für eine gute Gewässerqualität.
Ernährung
Die Wasserspitzmaus ernährt sich überwiegend von aquatischen und semiaquatischen Wirbellosen. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven, Flohkrebse (Gammarus), Wasserasseln, Schnecken und Regenwürmer. Gelegentlich erbeutet sie auch kleine Fische, Froschlurche und deren Laich sowie Kaulquappen. An Land nimmt sie Insekten, Spinnen und andere Gliederfüßer zu sich.
Der Stoffwechsel von Spitzmäusen ist extrem hoch. Die Wasserspitzmaus muss täglich eine Nahrungsmenge aufnehmen, die annähernd ihrem eigenen Körpergewicht entspricht. Bereits wenige Stunden ohne Nahrung können für das Tier lebensbedrohlich werden. Die Beute wird vorwiegend durch Tasten mit den empfindlichen Schnurrhaaren (Vibrissen) aufgespürt, sowohl unter Wasser als auch am Gewässergrund.
Eine Besonderheit unter den europäischen Säugetieren: Der Speichel der Wasserspitzmaus enthält toxische Substanzen, die eine leicht lähmende Wirkung auf kleine Beutetiere haben. Dieses Gift reicht nicht aus, um Menschen zu schädigen, erleichtert der Spitzmaus jedoch das Überwältigen relativ großer Beutetiere wie Frösche.
Verhalten & Lebensweise
Wasserspitzmäuse leben einzelgängerisch und verteidigen ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Die Reviere beider Geschlechter erstrecken sich entlang von Gewässerufern über Strecken von 50 bis 200 Metern. Die Tiere sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen jedoch auch tagsüber Aktivitätsphasen – besonders in den Wintermonaten, wenn der Energiebedarf hoch und die Nächte lang sind.
Der Bau wird in Uferböschungen gegraben oder in bestehenden Hohlräumen unter Wurzeln und Steinen angelegt. Der Eingang liegt häufig knapp über oder direkt an der Wasserlinie. Beim Tauchen bleibt die eingeschlossene Luftschicht im Fell erhalten, was den Auftrieb erhöht – die Wasserspitzmaus muss aktiv gegen diesen Auftrieb anschwimmen, um unter Wasser zu bleiben. Tauchgänge dauern in der Regel nur wenige Sekunden, selten länger als 20 Sekunden.
Wie alle Spitzmäuse kommuniziert auch die Wasserspitzmaus über hochfrequente Lautäußerungen und Duftmarkierungen aus Flankendrüsen. Es gibt Hinweise darauf, dass sie eine einfache Form der Echoortung nutzt, ähnlich wie bei der Hausspitzmaus (Crocidura russula), doch dies ist noch nicht abschließend belegt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von April bis September. In dieser Zeit kann ein Weibchen zwei bis drei Würfe mit jeweils drei bis acht Jungtieren zur Welt bringen. Die Tragzeit beträgt etwa 20 bis 24 Tage. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen nur rund ein Gramm.
Die Jungen werden im Nest