Weddellrobbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Leptonychotes weddellii
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
- Familie: Hundsrobben (Phocidae)
- Gattung: Leptonychotes
- Lebensraum: Küstengewässer und Packeis der Antarktis
- Größe: 2,5 bis 3,5 Meter (Körperlänge)
- Gewicht: 400 bis 600 kg
- Lebenserwartung: ca. 25 bis 30 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Weddellrobbe gehört zu den größten Vertretern der Hundsrobben (Phocidae). Ihr Körperbau ist massig und spindelförmig, typisch für eine Robbe, die an das Leben in extrem kalten Gewässern angepasst ist. Das kurze, dichte Fell zeigt eine dunkelgraue bis silbergraue Grundfärbung auf der Oberseite, durchsetzt mit helleren, unregelmäßigen Flecken. Die Bauchseite ist deutlich heller und variiert von cremefarben bis hellgrau. Jungtiere tragen nach der Geburt ein weiches, wolliges Lanugofell, das sie innerhalb der ersten Lebenswochen durch das kürzere Erwachsenenfell ersetzen.
Der Kopf der Weddellrobbe wirkt im Verhältnis zum Körper relativ klein. Auffällig sind die großen, runden Augen, die eine hervorragende Anpassung an das Sehen unter Wasser und bei schwachen Lichtverhältnissen darstellen. Die Schnauze ist kurz und breit, die Vibrissen (Tasthaare) kräftig ausgebildet. Sie dienen der Orientierung und dem Aufspüren von Beute in der Dunkelheit unter dem Eis. Die Vorderflossen sind vergleichsweise kurz, die Hinterflossen kräftig und nach hinten gerichtet – ein Merkmal, das alle Hundsrobben von den Ohrenrobben unterscheidet und das die Fortbewegung an Land deutlich einschränkt.
Ein besonderes anatomisches Merkmal betrifft das Gebiss: Die oberen Schneide- und Eckzähne sind nach vorn gerichtet und stark abgenutzt, da die Tiere sie regelmäßig einsetzen, um Atemlöcher im Eis offen zu halten. Diese Abnutzung nimmt mit dem Alter zu und kann die Lebenserwartung der Robbe begrenzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Weddellrobbe erstreckt sich rund um den antarktischen Kontinent. Sie bewohnt die Küstengewässer und das Festeis (Landfast-Eis) der Antarktis und ist damit das am südlichsten vorkommende Säugetier der Welt – abgesehen vom Menschen auf Forschungsstationen. Ihr bevorzugtes Habitat sind Bereiche mit stabilem Festeis, in dem sie Atemlöcher anlegen und pflegen kann. Gelegentlich werden einzelne Individuen auch an den Küsten subantarktischer Inseln wie Südgeorgien, den Falklandinseln oder den Kerguelen gesichtet, doch der Großteil der Population lebt dauerhaft in unmittelbarer Nähe des antarktischen Kontinents.
Die Art ist nach dem britischen Robbenfänger und Seefahrer James Weddell benannt, der die Tiere 1823 im nach ihm benannten Weddellmeer beschrieb. Innerhalb ihres Biotops zeigt die Weddellrobbe eine enge Bindung an bestimmte Küstenabschnitte, kehrt oft zu denselben Stellen zurück und nutzt über Jahre hinweg dieselben Atemlöcher.
Ernährung
Die Weddellrobbe ernährt sich überwiegend von Fischen, Kopffüßern (vor allem Tintenfischen) und Krebstieren. Zu den häufig erbeuteten Fischarten zählen antarktische Silberfische (Pleuragramma antarctica) und verschiedene Eisfischarten. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit. Im Winter, wenn die Lichtverhältnisse eingeschränkt sind, spielen Tintenfische eine größere Rolle im Nahrungsspektrum.
Die Jagd erfolgt häufig in Tiefen zwischen 200 und 400 Metern, wobei einzelne Tauchgänge über 600 Meter Tiefe dokumentiert wurden. Die Tauchzeiten betragen in der Regel 15 bis 20 Minuten, in Extremfällen bis zu 80 Minuten. Diese Leistung wird durch physiologische Anpassungen ermöglicht: ein hohes Blutvolumen, ein erhöhter Myoglobingehalt in der Muskulatur und die Fähigkeit, die Herzfrequenz während des Tauchens drastisch zu senken (Bradykardie).
Verhalten & Lebensweise
Weddellrobben sind keine ausgesprochen geselligen Tiere, leben aber in lockeren Gruppen, die sich an günstigen Atemlöchern oder Eisrissen (Leads) versammeln. Feste soziale Strukturen wie Rudel oder Kolonien im engeren Sinne bilden sie nicht, doch zeigen sie eine gewisse Ortstreue und tolerieren Artgenossen in ihrer Nähe. Außerhalb der Fortpflanzungszeit sind die Tiere wenig territorial.
Die Aktivitätsmuster richten sich stark nach den Lichtverhältnissen. Während des antarktischen Sommers, wenn die Sonne nicht untergeht, jagen Weddellrobben bevorzugt zu Zeiten mit niedrigem Sonnenstand, da ihre Beutetiere dann in geringeren Tiefen anzutreffen sind. Im Winter verlagern sich die Tauchgänge in die Dunkelheit unter dem Eis, wobei die Robben ihre hervorragenden Augen und die empfindlichen Vibrissen zur Beuteortung nutzen.
Unter Wasser kommunizieren Weddellrobben mit einem auffällig vielfältigen Repertoire an Lautäußerungen. Unterwasseraufnahmen haben über 30 verschiedene Ruftypen dokumentiert – von Trillern und Pfeifen bis zu tiefen, pulsierenden Tönen. Diese Rufe dienen der Kommunikation zwischen Artgenossen, insbesondere während der Paarungszeit, und möglicherweise auch der akustischen Orientierung unter dem Eis.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate November bis Dezember, den antarktischen Frühsommer. Die Bullen konkurrieren unter Wasser um den Zugang zu den Weibchen und verteidigen dabei Atemlöcher und Eisspalten gegen