Wehrvogel
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chauna torquata (Halsband-Wehrvogel), Chauna chavaria (Weißwangen-Wehrvogel), Anhima cornuta (Hornwehrvogel)
- Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
- Familie: Wehrvögel (Anhimidae)
- Gattungen: Chauna (2 Arten), Anhima (1 Art)
- Lebensraum: Sümpfe, Feuchtgebiete, Überschwemmungsebenen und Flussufer Südamerikas
- Größe: 70–95 cm Körperlänge, Flügelspannweite bis 170 cm
- Gewicht: 2–5 kg, je nach Art
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn etwa 10–15 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Wehrvögel sind große, kräftig gebaute Vögel, die auf den ersten Blick eher an Hühnervögel oder Raubvögel erinnern als an ihre tatsächlichen Verwandten, die Gänse und Enten. Ihr Gefieder ist überwiegend grau bis schwarz gefärbt, bei manchen Arten mit weißlichen Partien an Kopf und Hals. Der Kopf ist relativ klein im Verhältnis zum massigen Körper und trägt bei allen drei Arten eine kurze, leicht nach unten gebogene Schnabelform, die an Hühnervögel erinnert.
Das auffälligste anatomische Merkmal und Namensgeber der Familie sind zwei spitze Hornsporne an den Vorderflügeln, die als Verteidigungswaffen dienen. Diese Knochenfortsätze am Handgelenk des Flügels können bis zu 5 cm lang werden und werden bei Revierkämpfen und zur Feindabwehr eingesetzt. Ein weiteres ungewöhnliches Merkmal ist das Fehlen der bei den meisten Vögeln vorhandenen Federfluren – Wehrvögel besitzen eine gleichmäßig über den gesamten Körper verteilte Befiederung ohne die typischen Federbezirke (Pterylae). Unter der Haut liegt ein ausgedehntes Netz von Luftsäcken, das dem Körper ein leicht aufgeblähtes Erscheinungsbild verleiht und beim Betasten ein knisterndes Geräusch erzeugt.
Der Hornwehrvogel (Anhima cornuta) trägt als einzige Art ein langes, dünnes Horn auf dem Oberkopf, das aus einer keratinartigen Substanz besteht und bis zu 15 cm lang werden kann. Die Funktion dieses Fortsatzes ist nicht abschließend geklärt. Die Beine sind kräftig, die Zehen lang und nur mit rudimentären Schwimmhäuten versehen – ein deutlicher Unterschied zu den übrigen Gänsevögeln.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wehrvögel beschränkt sich auf Südamerika. Der Halsband-Wehrvogel (Chauna torquata) besiedelt das größte Areal und kommt vom südlichen Brasilien über Paraguay, Uruguay und Bolivien bis nach Argentinien vor. Sein bevorzugtes Habitat sind offene Sumpflandschaften, Lagunen und feuchte Grasländer der Pampa und des Gran Chaco.
Der Weißwangen-Wehrvogel (Chauna chavaria) ist auf den Norden Kolumbiens und das nordwestliche Venezuela beschränkt. Er bewohnt tropische Feuchtgebiete und Überschwemmungsebenen entlang großer Flüsse. Der Hornwehrvogel (Anhima cornuta) lebt in den tropischen Tiefland-Sümpfen des Amazonas- und Orinokobeckens, von Kolumbien und Venezuela bis nach Bolivien und Zentralbrasilien.
Alle drei Arten sind an wasserreiche Biotope gebunden, halten sich aber überwiegend am Ufer oder auf Schwimmvegetation auf und meiden offenes, tiefes Wasser. Gelegentlich sind sie auf angrenzenden Weiden und Agrarflächen anzutreffen, sofern diese feucht genug sind.
Ernährung
Wehrvögel ernähren sich vorwiegend pflanzlich. Ihre Nahrung besteht aus Wasserpflanzen, Gräsern, Sämereien, Blättern und Wurzeln. Gelegentlich nehmen sie auch kleine Wirbellose wie Insekten und deren Larven zu sich. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend am Boden oder im Flachwasser, wo die Vögel mit ihrem kurzen, kräftigen Schnabel Pflanzenteile abrupfen oder im Schlamm nach Wurzeln graben. Im Gegensatz zu vielen Entenvögeln zeigen Wehrvögel kein Gründeln oder Seihen.
Verhalten & Lebensweise
Wehrvögel sind tagaktive Vögel, die außerhalb der Brutzeit in kleinen Gruppen oder lockeren Schwärmen von bis zu mehreren Hundert Individuen zusammenleben. Besonders an nahrungsreichen Gewässern bilden sich in der Trockenzeit größere Ansammlungen. Während der Brutzeit ziehen sich die Paare in eigene Reviere zurück, die sie lautstark verteidigen.
Die Rufe der Wehrvögel gehören zu den lautesten unter den südamerikanischen Vögeln. Die Trompetenrufe des Halsband-Wehrvogels sind über mehrere Kilometer hörbar und werden häufig im Duett vorgetragen – beide Partner rufen dabei synchron. Diese Duettrufe dienen der Paarbindung und der Reviermarkierung. Trotz ihres schweren Körperbaus sind Wehrvögel gute Flieger und nutzen Thermik zum Segeln in großen Höhen. Am Boden bewegen sie sich mit bedächtigem Gang.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wehrvögel leben in monogamen Dauerehen. Die Paarbindung ist stark ausgeprägt und hält in der Regel lebenslang. Die Balz umfasst gemeinsame Rufzeremonien, gegenseitiges Putzen des Gefieders und synchrone Bewegungen. Das Nest wird als große, flache Plattform aus Schilfhalmen, Gräsern und anderem Pflanzenmaterial in unmittelbarer Wassernähe oder auf Schwimmvegetation errichtet.
Das Gelege besteht aus 2 bis 7 weißen Eiern, die von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von 42 bis 46