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Weinbergschnecke

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Helix pomatia
  • Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
  • Familie: Helicidae (Schnirkelschnecken)
  • Gattung: Helix
  • Lebensraum: Lichte Laubwälder, Hecken, Gärten, Weinberge, kalkreiche Böden
  • Gehäusedurchmesser: 30–50 mm
  • Gewicht: 25–45 g (ausgewachsen)
  • Lebenserwartung: 5–8 Jahre in freier Natur, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Weinbergschnecke ist die größte heimische Landlungenschnecke Mitteleuropas. Ihr Gehäuse ist kugelig-kegelförmig, rechtsgewunden und besteht aus etwa fünf Windungen. Die Schale weist eine gelblich-braune bis hellbraune Grundfärbung auf, häufig durchzogen von dunkleren Längsbändern, die jedoch nicht bei allen Individuen gleich stark ausgeprägt sind. Die Oberfläche des Gehäuses zeigt feine Anwachsstreifen, die den periodischen Schalenzuwachs dokumentieren.

Der weiche Körper, der sogenannte Fuß, ist graubraun bis cremefarben und mit einer feuchten Schleimschicht überzogen. Der Schleim dient der Fortbewegung, dem Feuchtigkeitsschutz und der Abwehr von Fressfeinden. Am Kopf befinden sich zwei Paar Tentakel: Die oberen, längeren tragen die Augen, die untere, kürzere Paar dient als Tastorgan. Die Mundöffnung enthält eine Raspelzunge (Radula), die mit mehreren Tausend winzigen Zähnchen besetzt ist.

Das Gehäuse besteht hauptsächlich aus Calciumcarbonat und wird vom Mantel – einer Hautfalte, die den Eingeweidesack umschließt – gebildet. Kleine Beschädigungen der Schale kann die Schnecke selbst reparieren, sofern der Mantelrand intakt ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Helix pomatia erstreckt sich über weite Teile Mittel- und Südosteuropas. Von Frankreich über Deutschland, Österreich und die Schweiz reicht das Areal bis nach Polen, Tschechien, Ungarn und in den westlichen Balkan. In Südskandinavien und auf den Britischen Inseln existieren eingebürgerte Populationen, die vermutlich auf römische Kultivierung zurückgehen.

Die Weinbergschnecke bevorzugt als Habitat kalkreiche Böden, da sie für den Aufbau und die Erhaltung ihres Gehäuses auf eine ausreichende Calciumversorgung angewiesen ist. Typische Biotope sind lichte Laubmischwälder, Waldränder, Hecken, Gebüsche, extensiv genutzte Wiesen, Streuobstwiesen und naturnahe Gärten. Wie ihr deutscher Name andeutet, kommt sie auch in Weinbergen vor, die ihr durch den oft kalkhaltigen Boden und die offene, wärmeexponierte Lage geeignete Bedingungen bieten. In höheren Lagen ist sie bis etwa 2.000 Meter anzutreffen, sofern das Substrat kalkhaltig genug ist.

Ernährung

Die Weinbergschnecke ernährt sich überwiegend herbivor. Ihr Nahrungsspektrum umfasst frische und welkende Pflanzenteile, Blätter, Stängel, Blüten und Früchte. Besonders gerne frisst sie weiche Blätter von Brennnesseln, Löwenzahn, Klee und verschiedenen Küchenkräutern. Daneben nimmt sie auch abgestorbenes Pflanzenmaterial, Algenbeläge und gelegentlich Pilze auf.

Eine wichtige Rolle in der Ernährung spielt die Aufnahme von Kalk. Die Tiere raspeln gezielt an kalkhaltigen Gesteinen, an Mörtel oder an leeren Schneckengehäusern, um ihren Mineralstoffbedarf zu decken. Die Nahrungsaufnahme erfolgt mithilfe der Radula, die das Futter in feinen Partikeln abraspelt und in den Verdauungstrakt befördert.

Verhalten & Lebensweise

Weinbergschnecken sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Bei feuchter Witterung – insbesondere nach Regenfällen – zeigen sie sich auch tagsüber. Bei Trockenheit und Hitze ziehen sie sich in ihr Gehäuse zurück und verschließen die Mündung mit einer dünnen Schleimhaut (Epiphragma), um den Wasserverlust zu minimieren.

Zur Überwinterung graben sich die Tiere ab Oktober in den lockeren Boden ein, oft bis zu 10 cm tief. Die Gehäusemündung wird mit einem festen Kalkdeckel (Epiphragma) verschlossen, der eine minimale Gasaustauschfunktion behält. In dieser Winterstarre (Hibernation) senken sie ihren Stoffwechsel drastisch ab. Im Frühjahr, ab etwa April, wird der Deckel abgestoßen, und die Aktivitätsphase beginnt erneut.

Weinbergschnecken sind Einzelgänger und zeigen kein Territorialverhalten. Ihre Fortbewegungsgeschwindigkeit beträgt maximal rund 7 Meter pro Stunde. Die Orientierung erfolgt hauptsächlich über den Geruchssinn und den Tastsinn der Tentakel.

Fortpflanzung & Aufzucht

Weinbergschnecken sind Zwitter (Hermaphroditen): Jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Fortpflanzung bedarf es dennoch eines Partners, da eine Selbstbefruchtung in der Regel nicht stattfindet. Die Paarungszeit erstreckt sich von Mai bis Juli.

Dem eigentlichen Begattungsakt geht ein ausgedehntes Paarungsvorspiel voraus, das mehrere Stunden dauern kann. Die beiden Partner nähern sich, richten sich auf ihren Fußsohlen auf und berühren sich mit den Tentakeln. Ein charakteristisches Element dieses Vorspiels ist der sogenannte Liebespfeil – ein kalkhaltiges, spitzes Gebilde, das in das Körpergewebe des Partners gestoßen wird. Der Liebespfeil überträgt ein hormonähnliches Sekret, das die Aufnahme der Spermien durch den Partner begünstigt. Die Kopulation selbst, bei der beide Tiere wechselseitig Spermatophoren austauschen, dauert mehrere Stunden.