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Weißer-wiener

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Rassen > Kaninchenrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Österreich (Wien)
  • Rassestandard: ZDRK-Standard, Abteilung III – Mittelgroße Rassen
  • Zuchtverband: Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK), Österreichischer Kaninchenzuchtverband
  • Gewicht: 3,5–4,75 kg (Idealgewicht ca. 4,0–4,5 kg)
  • Körperlänge: ca. 40–45 cm
  • Lebenserwartung: 8–12 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Fell: Dicht, mittellang, gleichmäßig weiß mit feiner Unterwolle
  • Farbe: Reinweiß mit blauen Augen (Leuzismus, kein Albinismus)

Herkunft & Geschichte

Der Weiße Wiener gehört zu den traditionsreichsten Kaninchenrassen Europas. Seine Abstammung geht auf gezielte Zuchtbemühungen im Wien des späten 19. Jahrhunderts zurück. Der Wiener Eisenbahnbeamte Wilhelm Mucke begann um 1907 mit der systematischen Zucht reinweißer, blauäugiger Kaninchen, indem er Holländerkaninchen mit Flandern-Riesen und dem bereits etablierten Blauen Wiener kreuzte. Sein Ziel war ein mittelgroßes, robustes Wirtschaftskaninchen mit reinem Weiß und dem charakteristischen blauen Auge – ein Merkmal, das den Weißen Wiener bis heute klar vom rotäugigen Weißen Neuseeländer unterscheidet.

Die Rasse wurde 1910 erstmals auf einer Wiener Ausstellung vorgestellt und fand schnell Anhänger in ganz Mitteleuropa. Bereits in den 1920er-Jahren war der Weiße Wiener im deutschsprachigen Raum als Wirtschafts- und Ausstellungsrasse fest etabliert. Im Rassestandard des ZDRK ist er in der Abteilung der mittelgroßen Rassen gelistet und wird bis heute auf Zuchtschauen regelmäßig in hoher Qualität gezeigt. Die Rasse gilt als genetisch stabil, und seriöse Zuchtverbände achten streng auf die Einhaltung der Rassekennzeichen.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Weiße Wiener präsentiert sich als kompaktes, gut bemuskeltes Kaninchen mit walzenförmigem Körperbau. Der Rumpf ist leicht gedrungen, die Rückenlinie verläuft gleichmäßig gerundet bis zur gut abgerundeten Hinterpartie. Die kräftige Hinterhand verleiht dem Tier sein typisch harmonisches Erscheinungsbild.

Der Kopf ist kräftig und rundlich, bei Häsinnen etwas feiner als bei Rammlern. Ein leicht ausgeprägter Wammenansatz wird bei weiblichen Tieren toleriert. Die Ohren sind fleischig, gut behaart und stehen mit einer Ideallänge von 11–12 cm aufrecht. Sie sind gut aufgesetzt und leicht nach außen geneigt.

Das Fell ist das eigentliche Markenzeichen: Es ist dicht, griffig, mittellang und gleichmäßig reinweiß ohne jede Gelbfärbung oder Flecken. Die feine, dichte Unterwolle sorgt für den gewünschten Stand des Deckhaars. Besonders auffällig sind die leuchtend blauen Augen, die auf Leuzismus – nicht auf Albinismus – zurückgehen. Anders als beim Albino, der rote Augen hat, besitzt der Weiße Wiener Pigment in der Iris, das durch eine besondere Lichtbrechung den blauen Farbton erzeugt.

Charakter & Wesen

Der Weiße Wiener gilt als ausgeglichen, ruhig und freundlich. Er zeigt ein gutmütiges Wesen und wird bei regelmäßigem, sanftem Umgang schnell zutraulich. Im Vergleich zu kleineren Rassen ist er weniger nervös und reagiert gelassen auf Umgebungsveränderungen. Viele Halter beschreiben ihn als treu und anhänglich – Eigenschaften, die ihn auch als Familientier beliebt machen.

Trotz seiner ruhigen Art ist der Weiße Wiener durchaus neugierig und verspielt, besonders in jüngeren Jahren. Er erkundet gerne seine Umgebung und nimmt Beschäftigungsangebote bereitwillig an. Im Sozialverhalten zeigt er sich verträglich und eignet sich gut für die Gruppenhaltung mit Artgenossen. Eine gewisse Wachsamkeit gegenüber unbekannten Geräuschen oder Eindringlingen ist vorhanden, ohne dass die Tiere dabei schreckhaft wirken.

Haltung & Pflege

Als mittelgroße Rasse benötigt der Weiße Wiener ausreichend Platz. Ein Gehege von mindestens 6 Quadratmetern für zwei Tiere ist das Minimum – mehr Fläche verbessert das Wohlbefinden deutlich. Täglicher Auslauf in einem gesicherten Bereich ist empfehlenswert und fördert die Muskulatur sowie die psychische Gesundheit. Die Haltung in reiner Einzelhaltung ist tierschutzwidrig; mindestens ein Artgenosse sollte immer vorhanden sein.

Die Fellpflege ist beim Weißen Wiener unkompliziert. Das dichte Fell sollte etwa einmal wöchentlich gebürstet werden, um lose Unterwolle zu entfernen und Verfilzungen vorzubeugen. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst ist häufigeres Bürsten ratsam, da sich sonst bei der Selbstreinigung verschlucktes Haar im Magen ansammeln kann. Die Krallen müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, ebenso ist eine Kontrolle der Ohren und Zähne sinnvoll.

Für Beschäftigung sorgen Tunnel, Plattformen, Knabberhölzer und wechselnde Einrichtungselemente im Gehege. Der Weiße Wiener ist sowohl für Außen- als auch für Innenhaltung geeignet, wobei bei Außenhaltung ein wetterfester, isolierter Stall und Schutz vor Zugluft, Nässe und extremer Hitze gewährleistet sein muss.

Ernährung

Die Basis der Ernährung bildet hochwertiges Heu, das in unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen sollte. Es sichert die Rohfaserversorgung und ist entscheidend für eine gesunde Verdauung sowie den natürlichen Zahnabrieb. Ergänzend wird täglich frisches Grünfutter angeboten: