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Weißknievogelspinne

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Tierart – Spinnentiere > Vogelspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Acanthoscurria geniculata
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
  • Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
  • Unterfamilie: Theraphosinae
  • Gattung: Acanthoscurria
  • Lebensraum: Tropischer Regenwald, Savannenränder in Brasilien
  • Körperlänge: 8–10 cm (ohne Beinspannweite), Beinspannweite bis 22 cm
  • Gewicht: ca. 50–80 g (adulte Weibchen)
  • Lebenserwartung: Weibchen bis 20 Jahre, Männchen 4–6 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Weißknievogelspinne zählt zu den größeren Vertretern der Familie Theraphosidae. Ihr Prosoma (Vorderkörper) ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt und von einer samtigen Behaarung bedeckt, die bei seitlichem Lichteinfall einen leicht rötlichen Schimmer zeigt. Das Opisthosoma (Hinterkörper) ist ebenfalls dunkel und dicht mit Brennhaaren besetzt, die als Verteidigungsmechanismus dienen.

Das namensgebende Merkmal sind die auffälligen weißen bis cremefarbenen Bänder an den Gelenken (Patella-Tibia-Gelenk) der acht kräftigen Laufbeine. Diese kontrastreich abgesetzten Zeichnungen machen Acanthoscurria geniculata unverwechselbar und unterscheiden sie deutlich von verwandten Arten der Gattung wie Acanthoscurria brocklehursti oder Acanthoscurria musculosa. Die Beine selbst sind robust gebaut, dunkelbraun bis schwarz und mit langen Tasthaaren (Trichobothrien) versehen, die feinste Luftbewegungen und Vibrationen wahrnehmen.

Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig entwickelt und tragen nach unten gerichtete Giftklauen, typisch für Vogelspinnenartige (Mygalomorphae). Die vier Paar Spinnwarzen am hinteren Ende des Opisthosomas produzieren Seide, die jedoch nicht zum Netzbau, sondern zur Auskleidung der Wohnröhre und zum Bau von Eierkokons verwendet wird.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Acanthoscurria geniculata erstreckt sich über die nördlichen und zentralen Regionen Brasiliens, insbesondere über die Bundesstaaten Pará, Maranhão und Mato Grosso. Ihr bevorzugtes Habitat sind die Böden tropischer und subtropischer Regenwälder sowie die Übergangszonen zwischen dichtem Wald und offener Cerrado-Vegetation.

Die Art lebt überwiegend terrestrisch und bewohnt selbst gegrabene Erdröhren, verlassene Nagerbauten oder natürliche Hohlräume unter Wurzeln, Steinen und Totholz. Die Eingänge dieser Wohnröhren werden häufig mit Spinnseide ausgekleidet und mit einem lockeren Gespinst versehen, das als Stolperfaden-System funktioniert und Beutetiere sowie potenzielle Feinde frühzeitig meldet. Das Biotop zeichnet sich durch eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit von 70–85 % und Temperaturen zwischen 24 und 30 °C aus.

Ernährung

Acanthoscurria geniculata ist ein opportunistischer Lauerjäger. Sie baut keine Fangnetze, sondern wartet in oder nahe dem Eingang ihrer Wohnröhre auf vorbeikommende Beute. Sobald die Trichobothrien Vibrationen registrieren, stößt die Spinne blitzschnell vor und überwältigt die Beute mit einem Giftbiss.

Die Nahrung besteht überwiegend aus Wirbellosen wie Grillen, Schaben, Heuschrecken, Käfern und anderen Gliederfüßern. Größere adulte Exemplare erbeuten gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen, Frösche oder nestjunge Mäuse. Die Verdauung erfolgt extraintestinal: Die Spinne injiziert Verdauungsenzyme in die Beute und saugt anschließend die verflüssigte Nahrung auf. Nicht verwertbare Reste bleiben als sogenanntes Bolusmaterial zurück und werden aus der Wohnröhre entfernt.

Verhalten & Lebensweise

Die Weißknievogelspinne ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil des Tages in ihrer Wohnröhre. Erst mit Einbruch der Dämmerung wird sie aktiver und positioniert sich am Röhreneingang oder unternimmt kurze Streifzüge in unmittelbarer Umgebung. Die Art ist solitär und verteidigt ihr Revier gegenüber Artgenossen; Begegnungen außerhalb der Paarungszeit enden häufig mit aggressivem Verhalten oder Kannibalismus.

Als Verteidigungsstrategie setzt A. geniculata in erster Linie auf das Abstreifen von Brennhaaren (Urticating Hairs) vom Opisthosoma. Mit den Hinterbeinen streift sie diese feinen, mit Widerhaken versehenen Haare gezielt in Richtung des Angreifers. Bei Hautkontakt oder Einatmen verursachen diese Haare starken Juckreiz, Entzündungen und bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen. Zusätzlich kann die Spinne eine Drohstellung einnehmen, bei der sie den Vorderkörper aufrichtet und die Cheliceren spreizt. Ein tatsächlicher Verteidigungsbiss erfolgt nur im äußersten Fall. Das Gift ist für gesunde erwachsene Menschen nicht lebensbedrohlich, vergleichbar mit einem Wespenstich, kann aber lokale Schmerzen und Schwellungen hervorrufen.

Wie alle Gliederfüßer muss sich die Weißknievogelspinne regelmäßig häuten (Ecdysis), um zu wachsen. Jungtiere häuten sich mehrmals im Jahr, adulte Weibchen etwa einmal jährlich. Vor der Häutung stellt die Spinne die Nahrungsaufnahme ein und zieht sich zurück. Der Häutungsvorgang selbst dauert mehrere Stunden und ist ein kritischer Moment, da die Spinne dabei besonders verwundbar ist.