Wellhornschnecke
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Buccinum undatum (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Neuschnecken (Neogastropoda)
- Familie: Hornschnecken (Buccinidae)
- Gattung: Buccinum
- Lebensraum: Sandige, schlickige und felsige Meeresböden des Nordatlantiks, bevorzugt in Tiefen von 5 bis 200 Metern
- Größe: Gehäuse bis 12 cm Höhe, in Ausnahmefällen bis 16 cm
- Gewicht: 20–80 g (je nach Gehäusegröße)
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre, vereinzelt über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Wellhornschnecke trägt ein kräftiges, rechtsgewundenes Gehäuse mit fünf bis acht Umgängen. Die namensgebenden wellenförmigen Rippen verlaufen parallel zur Wachstumsrichtung und geben der Schale ihre charakteristische Oberflächenstruktur. Die Gehäusefarbe variiert zwischen gelblich-braun, graubraun und rötlich-braun; ältere Exemplare sind häufig mit Algen, Seepocken oder Röhrenwürmern bewachsen. Die Mündung des Gehäuses ist oval und endet in einem kurzen, nach links geneigten Siphonalkanal – einer rinnenförmigen Verlängerung, durch die das Atemrohr (Sipho) nach außen ragt.
Der Weichkörper ist cremefarben bis gelblich, durchsetzt von dunklen Flecken. Der muskulöse Fuß dient der Fortbewegung auf dem Meeresgrund. Wie alle Vorderkiemerschnecken (Prosobranchia) besitzt die Wellhornschnecke eine einzelne Kieme in der Mantelhöhle. Ein horniges Operculum – ein Deckel am hinteren Teil des Fußes – verschließt die Gehäuseöffnung, wenn sich das Tier zurückzieht, und bietet Schutz vor Fressfeinden und Austrocknung bei Ebbe.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wellhornschnecke erstreckt sich über den gesamten nordöstlichen Atlantik – von der Küste Nordnorwegens und Islands südwärts bis in die Biskaya. In der Nordsee und dem westlichen Teil der Ostsee gehört sie zu den häufigsten großen Meeresschnecken. Auch an den Küsten Großbritanniens, Irlands sowie im nordwestlichen Atlantik vor Neufundland und Neuengland ist sie verbreitet.
Als Habitat bevorzugt Buccinum undatum sublitorale Weichböden aus Sand, Schlick oder Kies. In der Nordsee kommt sie typischerweise in Tiefen von 10 bis 100 Metern vor, kann aber bis in 1.200 Meter Tiefe vordringen. Entscheidend für die Besiedlung eines Biotops sind Wassertemperaturen zwischen 2 und 15 °C – die Art ist kälteliebend und meidet warme Gewässer. Steigende Meerestemperaturen verschieben daher ihr Verbreitungsgebiet tendenziell nach Norden.
Ernährung
Die Wellhornschnecke ist ein Allesfresser mit deutlicher Neigung zu tierischer Kost. Sie ernährt sich sowohl räuberisch als auch als Aasfresser. Lebende Beute – vor allem Muscheln, Polychaeten (Vielborster) und andere Wirbellose – wird mit der Radula, einer für Schnecken typischen Raspelzunge, aufgebrochen oder angefressen. Bei Muscheln umklammert die Schnecke die Schale mit dem Fuß und wartet geduldig, bis sich die Muschel öffnet, um dann den Rüssel einzuführen.
Als Aasfresser spielt sie eine ökologisch bedeutende Rolle bei der Verwertung toter Fische, Krebstiere und anderer organischer Reste am Meeresboden. Dieser Hang zu Aas wird in der Fischerei genutzt: Wellhornschnecken gehen bereitwillig in beköderte Reusen. Ihr hochentwickeltes Osphradium – ein Chemorezeptor in der Mantelhöhle – ermöglicht es ihr, Nahrungsquellen über größere Entfernungen wahrzunehmen.
Verhalten & Lebensweise
Wellhornschnecken sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber graben sie sich teilweise in den Boden ein oder verharren reglos zwischen Steinen. Die Fortbewegung erfolgt kriechend auf der breiten Fußsohle; bei günstigen Strömungsverhältnissen kann die Schnecke auch kurze Strecken über den Boden gleiten. Obwohl sie keine Reviere im engeren Sinne besetzt, nutzt sie bevorzugte Aufenthaltsbereiche wiederholt.
Ein ausgeprägtes Sozialverhalten fehlt. Allerdings versammeln sich mitunter zahlreiche Individuen an einer Nahrungsquelle, etwa an einem verendeten Fisch. Zu den natürlichen Fressfeinden gehören Seesterne, Taschenkrebse, Hummer und verschiedene Grundfische wie Kabeljau und Scholle.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Wellhornschnecke ist getrenntgeschlechtlich. Die Paarung findet im Herbst und Winter statt: Das Männchen überträgt mithilfe eines Penis ein Spermienpaket direkt in die weibliche Geschlechtsöffnung. Nach der inneren Befruchtung legt das Weibchen im Winter bis Frühjahr einen auffälligen Eiballen ab. Dieser besteht aus Dutzenden bis über hundert einzelnen, pergamentartigen Eikapseln, die traubenförmig aneinanderhaften und an Steinen, Muschelschalen oder anderen festen Substraten befestigt werden. Jede Kapsel enthält mehrere hundert bis über tausend Eier, von denen sich allerdings nur wenige entwickeln – die Mehrzahl dient als Nähreier für die heranwachsenden Larven.
Anders als viele marine Schnecken durchläuft die Wellhornschnecke keine frei schwimmende Larvenstufe. Die Jungtiere entwickeln sich vollständig innerhalb der Eikapseln und schlüpfen nach etwa drei bis neun Monaten als fertige Miniaturschnecken mit einer Gehäusegröße von rund 2 bis 3 mm. Diese direkte Entwicklung schränkt die Ausbreitungsfähigkeit ein, verringert aber die Larvensterb