T Tierlexikon.net
← Lexikon

Welsumer

W

Rassen > Hühnerrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Welsum, Niederlande
  • Rassestandard: Anerkannt durch den BDRG (Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter) und den Entente Européenne d'Aviculture et de Cuniculture (EE)
  • Größe: Mittelgroßes Huhn; Hahn ca. 50–55 cm, Henne ca. 42–47 cm
  • Gewicht: Hahn 2,5–3,5 kg, Henne 2,0–2,5 kg
  • Lebenserwartung: 6–9 Jahre bei artgerechter Haltung
  • Gefieder/Farben: Rost-Rebhuhnfarbig (Hauptfarbschlag), Orangefarbig; dichtes, fest anliegendes Gefieder
  • Eierfarbe: Dunkelbraun bis rotbraun, teils mit dunkler Sprenkelung
  • Legeleistung: Ca. 160–180 Eier pro Jahr, Eigewicht ca. 63–70 g

Herkunft & Geschichte

Das Welsumer Huhn hat seinen Ursprung in der kleinen niederländischen Ortschaft Welsum an der IJssel in der Provinz Overijssel. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen dort Bauern und Züchter, die regional vorhandenen Landhühner systematisch zu veredeln. Ziel war es, ein robustes Zweinutzungshuhn zu schaffen, das sowohl eine gute Legeleistung als auch einen ansprechenden Fleischansatz mitbringt – und vor allem Eier mit einer besonders dunklen Schalenfarbe legt.

In die Abstammung des Welsumers flossen verschiedene Rassen ein: Cochin, Wyandotten, Rhodeländer, Barnevelder und einheimische Partridge-Leghorn wurden eingekreuzt. Diese gezielte Zuchtarbeit verlieh der Rasse ihre charakteristische rost-rebhuhnfarbige Zeichnung und die begehrte dunkelbraune Eierfarbe. Im Jahr 1924 wurde das Welsumer Huhn erstmals auf Ausstellungen in den Niederlanden gezeigt, und kurz darauf erfolgte die offizielle Anerkennung als eigenständige Rasse. In Deutschland wurde der Rassestandard wenig später durch den BDRG übernommen. Seitdem erfreut sich das Welsumer sowohl bei Ausstellungszüchtern als auch bei Selbstversorgern und Hobbyhaltern großer Beliebtheit. Es existiert darüber hinaus eine Zwergform, das Zwerg-Welsumer, das ebenfalls als eigenständige Rasse anerkannt ist.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Welsumer ist ein kräftiges, gut proportioniertes Huhn mit aufrechter, stolzer Haltung. Der Körperbau ist walzenförmig und breit, die Brust voll und gut gerundet. Der Rücken verläuft leicht abfallend zum Schwanz hin. Das Gefieder liegt fest und glatt am Körper an, was dem Welsumer ein elegantes, gepflegtes Erscheinungsbild verleiht.

Der Hauptfarbschlag ist rost-rebhuhnfarbig. Beim Hahn zeigt sich ein prachtvolles Farbenspiel: Kopf und Halsbehang glänzen goldrot bis orangerot, der Sattel ist leuchtend rotbraun, während Brust und Schenkel schwarz mit braunem Saum gezeichnet sind. Der Schwanz schimmert in tiefem Schwarz mit grünlichem Glanz. Die Henne ist dezenter gezeichnet mit rotbraunem Grundton und feiner, dunkler Rieselung auf dem Rücken und den Flügeln.

Der Kopf trägt einen mittelgroßen, aufrecht stehenden Einfachkamm mit gleichmäßigen Zacken. Die Kehllappen sind mittellang und rot, die Ohrscheiben sind ebenfalls rot. Die Augen sind orangerot, der Schnabel hornfarbig. Die Läufe sind gelb und unbefiedert. Laut Rassestandard gelten weiße Ohrscheiben, Federfüße oder ein stark hängender Kamm als Zuchtausschluss.

Charakter & Wesen

Welsumer gelten als ausgesprochen zutraulich, ruhig und ausgeglichen. Sie zeigen wenig Scheu gegenüber Menschen und lassen sich bei regelmäßigem Kontakt schnell an ihre Halter gewöhnen. Das macht sie besonders geeignet für Familien mit Kindern. Innerhalb der Gruppe verhalten sie sich friedlich und fügen sich harmonisch in bestehende Herden ein. Aggressives Verhalten ist bei dieser Rasse selten.

Trotz ihrer Gelassenheit sind Welsumer durchaus lebhaft und aktiv. Sie durchsuchen ausdauernd den Auslauf nach Futter, scharren und picken mit großer Ausdauer und zeigen ein natürliches, wachsames Verhalten gegenüber Greifvögeln und anderen Gefahren. Die Hähne sind aufmerksame Wächter der Herde, ohne dabei übermäßig laut oder aggressiv zu sein. Der Bruttrieb ist bei Welsumer-Hennen eher schwach ausgeprägt, weshalb für die Naturbrut eine Ammenglucke oder ein Brutapparat empfehlenswert ist.

Haltung & Pflege

Das Welsumer Huhn ist ein unkomplizierter Selbstversorger, der sich in verschiedenen Haltungsformen wohlfühlt. Ideal ist ein großzügiger Auslauf mit Wiese, Büschen und Bäumen, da die Tiere leidenschaftlich gerne scharren und auf Futtersuche gehen. Ein Freilauf von mindestens 10 Quadratmetern pro Tier sollte eingeplant werden. Welsumer sind gute Futtersucher und nehmen bei ausreichend Grünauslauf einen beträchtlichen Teil ihrer Nahrung selbst auf.

Der Stall sollte trocken, zugfrei und gut belüftet sein. Pro Tier werden mindestens 0,5 Quadratmeter Stallfläche empfohlen. Ausreichend Sitzstangen in unterschiedlichen Höhen und gut zugängliche Legenester gehören zur Grundausstattung. Welsumer sind winterhart und vertragen auch tiefe Temperaturen gut, allerdings sollte der Kamm bei starkem Frost mit Vaseline geschützt werden, um Erfrierungen vorzubeugen.

Die Gefiederpflege erledigen Welsumer weitgehend selbstständig. Ein trockenes Sandbad im Auslauf oder Stall ist wichtig, damit die Tiere ihr Gefieder sauber halten und Parasiten vorbeugen können. Eine regelmäßige Kontrolle auf Milben, Federlinge und andere Ektoparasiten sollte dennoch stattfinden.

Ernährung