T Tierlexikon.net
← Lexikon

Wespe

W

Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Vespinae (Echte Wespen, Unterfamilie); bekannteste Art: Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und Deutsche Wespe (Vespula germanica)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Faltenwespen (Vespidae)
  • Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Siedlungsgebiete – nahezu alle terrestrischen Habitate
  • Größe: Arbeiterinnen 11–16 mm, Königinnen bis 20 mm (je nach Art)
  • Gewicht: Arbeiterinnen ca. 50–80 mg, Königinnen bis 150 mg
  • Lebenserwartung: Arbeiterinnen wenige Wochen bis Monate; Königinnen ca. 12 Monate

Aussehen & Merkmale

Wespen besitzen den für Hautflügler typischen dreigliedrigen Körperbau aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Zwischen Thorax und Abdomen sitzt die charakteristische, stark verengte Wespentaille – fachsprachlich als Petiolus bezeichnet –, die dem Tier eine hohe Beweglichkeit des Hinterleibs verleiht. Die Körperoberfläche ist weitgehend glatt und nur spärlich behaart, was Wespen deutlich von den dichter behaarten Bienen unterscheidet.

Die auffällige schwarz-gelbe Warnfärbung (Aposematismus) signalisiert potenziellen Fressfeinden die Wehrhaftigkeit des Insekts. Das Muster variiert artspezifisch: Bei der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) findet sich auf dem Kopfschild (Clypeus) eine ankerförmige schwarze Zeichnung, während die Deutsche Wespe (Vespula germanica) dort ein bis drei schwarze Punkte trägt. Diese Unterschiede dienen der Artbestimmung im Feld.

Wespen verfügen über zwei Paar häutige, durchsichtige Flügel. Die Vorderflügel sind deutlich größer als die Hinterflügel und im Ruhezustand der Länge nach gefaltet – ein Merkmal, das der Familie Vespidae ihren deutschen Namen „Faltenwespen" eingebracht hat. Die Facettenaugen sind nierenförmig, dazu kommen drei Punktaugen (Ocelli) auf dem Scheitel. Der Stachel am Hinterleibsende ist ein modifizierter Legebohrer (Ovipositor) und kann – anders als bei der Honigbiene – mehrfach eingesetzt werden, da er keine Widerhaken besitzt.

Lebensraum & Verbreitung

Die Echten Wespen (Vespinae) sind mit rund 70 Arten vor allem in der Holarktis verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, Nordasien und Nordamerika. In Mitteleuropa kommen etwa elf Arten vor, darunter neben Gemeiner und Deutscher Wespe auch die Hornisse (Vespa crabro), die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) und die Mittlere Wespe (Dolichovespula media).

Als Nistplatz nutzen die verschiedenen Arten unterschiedliche Biotope. Erdnister wie die Gemeine Wespe legen ihre Nester bevorzugt in verlassenen Mäusebauten, Hohlräumen im Boden oder unter Wurzeln an. Freibauer wie die Sächsische Wespe hängen ihre Nester an Äste, Dachvorsprünge oder in Schuppen. Die Deutsche Wespe besiedelt häufig menschliche Strukturen – Rollladenkästen, Dachböden und Wandhohlräume gehören zu ihren bevorzugten Nistplätzen, weshalb sie in Siedlungsgebieten besonders häufig in Erscheinung tritt.

Ernährung

Wespen sind Allesfresser (Omnivoren) mit einer klaren Aufgabenteilung in der Ernährung. Adulte Tiere ernähren sich überwiegend von kohlenhydratreichen Nahrungsquellen: Blütennektar, Honigtau, reifes Obst und andere zuckerhaltige Flüssigkeiten decken ihren Energiebedarf. Die Larven dagegen benötigen proteinreiche Kost. Arbeiterinnen jagen deshalb aktiv andere Insekten – Fliegen, Raupen, Blattläuse und Spinnen werden erbeutet, zerkaut und als Fleischbrei an die Brut verfüttert.

Dieser Proteinbedarf der Larven macht Wespen zu bedeutenden Nützlingen in Ökosystemen: Ein großes Volk der Deutschen Wespe vertilgt in einer Saison schätzungsweise mehrere Kilogramm Insekten. Im Gegenzug produzieren die Larven einen zuckerhaltigen Sekrettropfen, den die Arbeiterinnen aufnehmen – eine Form der trophischen Wechselbeziehung (Trophallaxis) innerhalb des Volkes.

Verhalten & Lebensweise

Echte Wespen leben in einjährigen Staaten mit einer streng eusozial organisierten Arbeitsteilung. Ein Volk besteht aus einer Königin, sterilen Arbeiterinnen und – gegen Ende des Sommers – Drohnen (Männchen) sowie Jungköniginnen. Die Arbeiterinnen übernehmen Nestbau, Brutpflege, Nahrungsbeschaffung und Verteidigung. Die Aktivität ist tagaktiv; bei Dunkelheit ruhen die Tiere im Nest.

Das Nest selbst besteht aus einer papierartigen Masse, die Wespen durch Zerkauen von morschem Holz und Vermischen mit Speichel herstellen. Diese Papierwaben sind von einer isolierenden Hülle umgeben. Nester der Deutschen Wespe können im Hochsommer bis zu 10.000 Individuen beherbergen.

Das Revier eines Wespenvolkes erstreckt sich über den Bereich, den die Arbeiterinnen bei der Nahrungssuche abfliegen – typischerweise in einem Radius von einigen hundert Metern um das Nest. Gegenüber wahrgenommenen Bedrohungen reagieren Wespen mit Alarmverhalten: Durch Pheromone werden weitere Arbeiterinnen zur Verteidigung mobilisiert. Stiche erfolgen in der Regel nur zur Nestverteidigung oder bei direkter Bedrohung des Einzeltieres.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Lebenszyklus eines Wespenvolkes beginnt im Frühjahr, wenn eine begattete Jungkönigin aus der Winterstarre (Diap