Westliche Honigbiene
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Apis mellifera
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Echte Bienen (Apidae)
- Gattung: Honigbienen (Apis)
- Lebensraum: Ursprünglich Europa, Afrika und Vorderasien; heute weltweit verbreitet
- Größe: Arbeiterin 11–14 mm, Drohne 14–18 mm, Königin 18–22 mm
- Gewicht: Arbeiterin ca. 80–100 mg, Königin ca. 180–300 mg
- Lebenserwartung: Arbeiterin 4–6 Wochen (Sommerbienen) bzw. 4–6 Monate (Winterbienen); Königin 3–5 Jahre; Drohne wenige Wochen
Aussehen & Merkmale
Die Westliche Honigbiene besitzt den typischen dreigliedrigen Körperbau der Insekten: Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Der Chitinpanzer ist dicht mit feinen Härchen bedeckt, die beim Pollensammeln eine zentrale Rolle spielen. Die Grundfärbung variiert je nach Unterart erheblich – von dunkelbraun bis nahezu schwarz bei der Dunklen Europäischen Biene (Apis mellifera mellifera) bis hin zu gelblich-orange gestreiften Formen wie der Italienischen Biene (Apis mellifera ligustica). Der Hinterleib zeigt in der Regel helle Binden auf dunklem Grund.
Arbeiterinnen verfügen über einen modifizierten Legestachel, der als Wehrstachel dient und mit Widerhaken versehen ist. Die Facettenaugen bestehen aus etwa 5.000 Einzelaugen (Ommatidien) und ermöglichen die Wahrnehmung von ultraviolettem Licht. Drei Punktaugen (Ocellen) auf der Kopfoberseite dienen der Lichtintensitätsmessung. An den Hinterbeinen der Arbeiterinnen befinden sich sogenannte Körbchen (Corbiculae), glatte, von Haaren umrahmte Flächen, in denen Pollenhöschen transportiert werden. Drohnen sind deutlich größer als Arbeiterinnen und besitzen auffällig große Komplexaugen, die fast die gesamte Kopfoberfläche einnehmen. Ihnen fehlt ein Stachel.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Apis mellifera erstreckt sich über Europa, Afrika und den westlichen Teil Asiens. Es umfasst Habitate von den borealen Wäldern Skandinaviens über die mediterranen Trockenzonen bis zu den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas. Durch die Imkerei wurde die Art in den vergangenen Jahrhunderten auf alle besiedelten Kontinente gebracht, einschließlich Nord- und Südamerika, Australien und Ostasien.
Die Westliche Honigbiene ist in ihrer Biotopwahl anpassungsfähig. In der freien Natur nisten wilde Völker bevorzugt in Baumhöhlen, Felsspalten oder anderen geschützten Hohlräumen. Das optimale Nestvolumen liegt bei etwa 30 bis 40 Litern. In der Kulturlandschaft bewohnen die meisten Völker vom Menschen bereitgestellte Beuten. Sie benötigen ein ausreichendes Blütenangebot im Umkreis ihres Flugradius von bis zu fünf Kilometern.
Ernährung
Honigbienen ernähren sich ausschließlich pflanzlich. Nektar liefert als kohlenhydratreiche Energiequelle den Treibstoff für den Flug und die Wärmeregulation im Stock. Pollen dient als Eiweißquelle und ist für die Aufzucht der Brut unverzichtbar. Arbeiterinnen sammeln zusätzlich Propolis, ein harziges Kittharz von Baumknospen, das zur Desinfektion und Abdichtung des Stockinneren verwendet wird. Wasser wird zur Temperaturregulation und zur Verdünnung des eingelagerten Honigs benötigt.
Im Stock wird der Nektar durch Enzyme im Honigmagen der Bienen und durch wiederholtes Umtragen zwischen Arbeiterinnen in Honig umgewandelt. Der Wassergehalt wird dabei von anfänglich rund 70 Prozent auf unter 20 Prozent reduziert. Ein starkes Volk kann pro Jahr zwischen 20 und 30 Kilogramm Honig als Wintervorrat einlagern – Imker entnehmen einen Teil davon und füttern gegebenenfalls mit Zuckerlösung zu.
Verhalten & Lebensweise
Die Westliche Honigbiene lebt in hochorganisierten, staatenbildenden Völkern mit strikter Arbeitsteilung. Ein Volk umfasst im Sommer 40.000 bis 80.000 Individuen. Es besteht aus einer einzigen Königin, einigen hundert bis tausend Drohnen in der Fortpflanzungszeit und der großen Masse der Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen durchlaufen eine altersabhängige Abfolge von Aufgaben: Zunächst Putzen sie Zellen, dann füttern sie Larven (als Ammenbienen), anschließend bauen sie Waben aus Bienenwachs, bewachen den Stockeingang und fliegen schließlich als Sammelbienen aus.
Eine herausragende Leistung der Honigbiene ist die Kommunikation über Tänze. Der von Karl von Frisch beschriebene Schwänzeltanz codiert Richtung und Entfernung einer Futterquelle relativ zum Sonnenstand. Der Rundtanz signalisiert nahegelegene Quellen. Darüber hinaus kommunizieren Bienen über Pheromone: Die Königin verbreitet die sogenannte Königinnensubstanz, ein Pheromongemisch, das die Eierstockentwicklung der Arbeiterinnen unterdrückt und den Zusammenhalt des Volkes sichert.
Honigbienen sind tagaktiv und fliegen bei Temperaturen ab etwa 10 °C aus. Im Winter bildet das Volk eine dicht zusammengedrängte Traube und erzeugt durch Muskelzittern Wärme. Die Kerntemperatur wird dabei konstant bei rund 35 °C gehalten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Königin ist das einzige fortpflanzungsfähige Weibchen im Volk. Nach dem Schlüpfen unternimmt sie einen oder mehrere Hochzeitsflüge, bei denen sie sich mit bis zu 20 Drohnen paart. Die Spermien werden in der Samenblase (Spermatheca) gespeichert und reichen für die gesamte Lebensdauer