Wiener
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Steckbrief
- Herkunft: Österreich (Wien)
- Rassestandard: Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK), Europäischer Standard der EE (Entente Européenne d'Aviculture et de Cuniculture)
- Größe: Mittelgroße bis große Kaninchenrasse
- Gewicht: 3,5–5,25 kg (je nach Farbschlag)
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre
- Fell/Farben: Dichtes, weiches Fell mit feiner Unterwolle. Anerkannte Farbschläge: Blau, Schwarz, Weiß (Blau- und Rotaugen), Grau, Blaugrau, Braun
Herkunft & Geschichte
Die Wiener Kaninchen gehören zu den traditionsreichsten Rassen europäischer Zuchtgeschichte. Ihre Abstammung reicht in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als in der österreichischen Hauptstadt Wien begonnen wurde, gezielt mittelgroße Kaninchen mit einheitlicher Fellfarbe und robustem Körperbau zu züchten. Als Begründer der Rasse gilt Johann Constantin Schultz, der ab 1869 durch die Kreuzung von belgischen Landkaninchen mit dem Lothringer Riesenkaninchen die Grundlage für den heute als „Wiener Blau" bekannten Farbschlag legte.
Das Zuchtziel war ein wirtschaftlich nutzbares Kaninchen mit ausgezeichneter Fleischqualität und einem besonders gleichmäßigen, dichten Fell, das in der Pelzverarbeitung Verwendung finden konnte. Bereits 1895 wurde der Wiener Blau als eigenständige Rasse anerkannt. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten Züchter in Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern weitere Farbschläge. Der Wiener Schwarz wurde um 1900 erzüchtet, der Wiener Weiß entstand Anfang des 20. Jahrhunderts durch gezielte Selektion auf Albinismus innerhalb der Zuchtlinien. Später kamen die Farbschläge Grau, Blaugrau und Braun hinzu.
Heute werden die Wiener Kaninchen in zahlreichen Zuchtverbänden geführt und gehören auf Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu den populärsten Rassen. Der ZDRK erkennt die verschiedenen Farbschläge als eigenständige Rassen innerhalb der Wiener-Gruppe an.
Aussehen & Rassemerkmale
Wiener Kaninchen präsentieren sich als kräftige, walzenförmige Tiere mit einem harmonischen, gut proportionierten Körperbau. Der Rumpf ist leicht gestreckt, breit und muskulös. Die Hinterhand ist gut gerundet und steht der Vorderpartie in der Breite nicht nach. Der Kopf sitzt dicht am Körper, wirkt kräftig und ist bei Rammlern deutlich breiter als bei Häsinnen. Die Ohren sind fleischig, gut behaart und erreichen eine Länge von etwa 11 bis 13 Zentimetern. Sie werden aufrecht und in einem leichten V-förmigen Winkel getragen.
Das Fell ist eines der herausragenden Merkmale dieser Rasse. Es ist dicht, weich und gleichmäßig begrannt. Die Unterwolle ist ausgeprägt und verleiht dem Fell seinen typischen, leicht seidigen Glanz. Beim Wiener Blau – dem bekanntesten Farbschlag – zeigt sich ein mittleres, gleichmäßiges Blaugrau ohne jede Scheckung oder Abzeichen. Die Farbe soll bis in die Unterwolle durchgefärbt sein. Beim Wiener Schwarz ist ein tiefes, glänzendes Schwarz gefordert, während der Wiener Weiß ein reines, schneeweißes Fell ohne jede Gelbfärbung aufweisen muss.
Gemäß Rassestandard werden Tiere mit ungleichmäßiger Färbung, weißen Abzeichen bei farbigen Schlägen, zu losem Fell oder fehlender Unterwolldichte bei Bewertungen herabgestuft.
Charakter & Wesen
Wiener Kaninchen gelten als ruhige, ausgeglichene und freundliche Tiere. Ihr Wesen wird von Züchtern und Haltern gleichermaßen geschätzt. Sie sind zutraulich und bauen bei regelmäßigem, liebevollem Umgang schnell eine Bindung zum Menschen auf. Trotz ihrer Gelassenheit sind sie durchaus neugierig und zeigen sich bei ausreichender Beschäftigung verspielt und aktiv.
Die Rasse zeichnet sich durch eine gewisse Gutmütigkeit aus, die sie auch im Umgang mit Kindern verträglich macht. Aggressives Verhalten tritt bei Wienern selten auf, sofern die Tiere artgerecht gehalten werden. Häsinnen zeigen bisweilen ein wachsames Verhalten, insbesondere wenn sie Nachwuchs haben. Rammler sind in der Regel umgänglich, können aber während der Geschlechtsreife territoriales Verhalten entwickeln.
In Gruppenhaltung verhalten sich Wiener meist sozial verträglich, eine Vergesellschaftung gelingt bei korrekter Vorgehensweise in der Regel problemlos.
Haltung & Pflege
Wie alle Kaninchen sind Wiener gesellige Tiere und dürfen niemals einzeln gehalten werden. Eine Haltung in Paaren oder kleinen Gruppen ist Pflicht. Aufgrund ihrer Größe benötigen sie ausreichend Platz. Pro Tier sollten mindestens zwei Quadratmeter Grundfläche im Gehege zur Verfügung stehen, zusätzlich ist täglicher Auslauf in einem gesicherten Bereich empfehlenswert. Sowohl Außen- als auch Innenhaltung ist möglich, wobei die robusten Wiener dank ihres dichten Fells gut für die ganzjährige Außenhaltung geeignet sind, sofern ein wetterfester, isolierter Stall vorhanden ist.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Regelmäßiges Bürsten – einmal wöchentlich – genügt, um lose Haare zu entfernen und die Fellstruktur zu erhalten. Während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst sollte häufiger gebürstet werden, um die Aufnahme von Haaren beim Putzen zu minimieren. Krallen müssen regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden.
Zur artgerechten Beschäftigung eignen sich Tunnel, Plattformen zum Aufspringen, Weidenbrücken und frische Zweige zum Benagen. Wiener Kaninchen schätzen eine strukturierte Umgebung mit Versteckmöglichkeiten.