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Wiesenschnake

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tipula paludosa
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Mücken (Nematocera)
  • Familie: Schnaken (Tipulidae)
  • Gattung: Tipula
  • Lebensraum: Feuchtwiesen, Weiden, Gärten, Rasenflächen, Moorränder
  • Körperlänge: 14–25 mm (ohne Beine)
  • Flügelspannweite: ca. 30–40 mm
  • Gewicht: unter 1 g
  • Lebenserwartung Imago: ca. 10–15 Tage

Aussehen & Merkmale

Die Wiesenschnake gehört zu den größeren Vertretern der heimischen Mücken. Ihr schlanker, zylindrischer Körper ist graubraun bis olivbraun gefärbt und erreicht eine Länge von etwa 14 bis 25 Millimetern. Auffälligstes Merkmal sind die extrem langen, dünnen Beine, die bei unvorsichtiger Berührung leicht abbrechen – eine passive Schutzstrategie, die es dem Tier ermöglicht, Fressfeinden zu entkommen. Die abgebrochenen Beine regenerieren sich allerdings nicht.

Die Flügel sind schmal, leicht grau getönt und zeigen ein feines Adernetz. Im Ruhezustand werden sie seitlich vom Körper abgespreizt. Wie bei allen Zweiflüglern ist das hintere Flügelpaar zu Schwingkölbchen (Halteren) reduziert, die als Gleichgewichtsorgane dienen. Der Kopf trägt ein Paar fadenförmige, vielgliedrige Antennen. Die Facettenaugen sind relativ groß. Ein Stechrüssel fehlt – die Mundwerkzeuge sind stark zurückgebildet.

Weibchen lassen sich anhand des zugespitzten Hinterleibs, der in einem Legebohrer (Ovipositor) endet, gut von den Männchen unterscheiden. Männchen besitzen ein kolbenförmig verdicktes Hinterleibsende mit den Genitalanhängen (Hypopygium).

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Tipula paludosa erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art kommt in ganz Europa – von Skandinavien bis zum Mittelmeerraum – vor und ist auch in Teilen Westasiens nachgewiesen. Durch menschliche Verschleppung hat sie sich zudem in Nordamerika etabliert, wo sie als invasive Art geführt wird.

Als Habitat bevorzugt die Wiesenschnake feuchte bis mäßig feuchte Grünlandflächen. Wiesen, Weiden, Parkrasen, Gärten und Ackerflächen mit grasreicher Vegetation bieten optimale Bedingungen. Entscheidend für das Vorkommen ist ein ausreichend feuchter Boden, da die Larven auf eine gewisse Bodenfeuchtigkeit angewiesen sind. In trockenen Sandböden oder stark verdichteten Böden siedelt die Art deutlich seltener. Auch Moorränder und Flussauen zählen zu den typischen Biotopen.

Ernährung

Die adulte Wiesenschnake nimmt kaum Nahrung zu sich. Ihre Mundwerkzeuge sind so stark reduziert, dass sie höchstens Wasser oder zuckerhaltige Flüssigkeiten wie Nektar in geringen Mengen aufnehmen kann. Die kurze Lebensspanne des Imagos dient primär der Fortpflanzung, nicht der Nahrungssuche.

Ökologisch weitaus bedeutsamer sind die Larven, die im Volksmund als „Tipula-Larven" oder „Lederjacken" bezeichnet werden. Dieser Name leitet sich von ihrer derben, lederartig zähen Körperhülle ab. Die Larven leben im Boden und ernähren sich von Pflanzenwurzeln, abgestorbenen Pflanzenteilen, Humus und gelegentlich auch von lebenden Stängeln und Blättern bodennah wachsender Pflanzen. Bei hoher Populationsdichte können sie erhebliche Fraßschäden an Grasnarben, Getreide und Gemüsekulturen verursachen, weshalb die Art in der Landwirtschaft und im Gartenbau als Schädling eingestuft wird.

Verhalten & Lebensweise

Adulte Wiesenschnaken sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. An warmen Spätsommerabenden zwischen August und Oktober lassen sie sich häufig in großer Zahl beobachten, wenn sie von künstlichen Lichtquellen angezogen werden und durch offene Fenster in Wohnräume gelangen. Trotz ihres mückenartigen Aussehens sind sie für den Menschen vollkommen harmlos – sie können weder stechen noch beißen.

Der Flug wirkt unbeholfen und taumelnd, was an den langen, nachschleppenden Beinen liegt. Wiesenschnaken sind keine ausdauernden Flieger und halten sich bevorzugt in der bodennahen Vegetationsschicht auf. Bei Störung lassen sie sich häufig einfach fallen, anstatt davonzufliegen.

Die Larven leben unterirdisch und zeigen besonders in feuchten Nächten eine gewisse Oberflächenaktivität. Sie verlassen den Boden dann teilweise, um an bodennahen Pflanzenteilen zu fressen. Bei Trockenheit ziehen sie sich in tiefere Bodenschichten zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Flugzeit der Wiesenschnake erstreckt sich in Mitteleuropa von August bis Oktober, mit einem Schwerpunkt im September. Die Paarung erfolgt meist kurz nach dem Schlüpfen der Imagines. Eine eigentliche Balz findet nicht statt; Männchen und Weibchen finden über Aggregationen an geeigneten Eiablageplätzen zusammen.

Das Weibchen bohrt seinen Ovipositor in den feuchten Boden und legt dort in mehreren Schüben insgesamt 200 bis 300 schwarz gefärbte, ovale Eier ab. Bevorzugte Eiablageplätze sind lückige Grasnarben und feuchte Rasenflächen. Die Eier quellen bei Kontakt mit Bodenfeuchtigkeit auf und die Larven schlüpfen nach etwa zwei Wochen.

Die Larvalentwicklung durchläuft vier Stadien (L1–L4) und erstreckt sich über den Herbst, Winter und das folgende Frühjahr. Die Larven sind grau bis graubraun gefärbt, b