Wildbiene
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anthophila (Untergruppe innerhalb der Überfamilie Apoidea)
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familien: u. a. Andrenidae (Sandbienen), Megachilidae (Blattschneiderbienen), Colletidae (Seidenbienen), Halictidae (Furchenbienen), Melittidae (Sägehornbienen)
- Lebensraum: Trockenrasen, Waldränder, Steilwände, Totholz, Gärten, städtische Ruderalflächen
- Größe: 3–30 mm (je nach Art)
- Gewicht: ca. 0,005–0,15 g
- Lebenserwartung: wenige Wochen bis ca. 12 Monate (artabhängig); Königinnen sozialer Arten bis zu mehreren Jahren
Aussehen & Merkmale
Als Wildbienen werden alle Bienenarten bezeichnet, die nicht der domestizierten Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) angehören. Allein in Deutschland sind rund 600 Arten nachgewiesen, weltweit über 20.000. Die äußere Erscheinung variiert entsprechend stark. Gemeinsam ist allen Arten der für Hautflügler typische Körperbau: ein dreigeteilter Körper aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen), zwei Paar häutige Flügel sowie drei Beinpaare. Im Unterschied zu Wespen besitzen Bienen gefiederte oder verzweigte Körperhaare, die der Pollenaufnahme dienen. Diese Sammelhaare – die sogenannte Scopa – befinden sich je nach Familie an den Hinterbeinen, an der Bauchseite des Hinterleibs oder am Thorax.
Die kleinste mitteleuropäische Art, die Steppenbiene (Nomioides minutissimus), erreicht nur etwa 3 mm Körperlänge. Die Blaue Holzbiene (Xylocopa violacea) zählt mit bis zu 28 mm zu den größten heimischen Vertretern. Viele Wildbienenarten sind unscheinbar dunkelbraun oder schwarz gefärbt; andere tragen auffällige gelbe, rote oder metallisch glänzende Zeichnungen. Die Gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta) etwa zeigen einen rotbraunen Hinterleib und eine dichte schwarze Thoraxbehaarung.
Lebensraum & Verbreitung
Wildbienen besiedeln nahezu alle terrestrischen Lebensräume von den Tropen bis in subarktische Regionen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. In Mitteleuropa kommen sie in einer Vielzahl von Biotopen vor: auf Magerwiesen und Trockenrasen, an sonnenbeschienenen Böschungen, in lichten Wäldern und an Waldrändern, in Streuobstwiesen sowie zunehmend auch in urbanen Habitaten wie Parkanlagen, Brachflächen und Gärten.
Die Wahl des Nistplatzes hängt eng mit der jeweiligen Art zusammen. Rund 75 Prozent der mitteleuropäischen Arten nisten im Boden – sie graben Hohlräume in sandigen oder lehmigen Untergrund. Andere Arten nutzen vorhandene Hohlräume in Totholz, morschem Mauerwerk, hohlen Pflanzenstängeln oder leeren Schneckenhäusern. Die Verfügbarkeit geeigneter Niststrukturen ist ein entscheidender Faktor für das Vorkommen einer Art.
Ernährung
Alle Wildbienenarten ernähren sich von Pollen und Nektar. Adulte Tiere decken ihren Energiebedarf überwiegend durch Nektar, während der proteinreiche Pollen vor allem als Larvenfutter dient. Hinsichtlich des Blütenspektrums lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Polylektische Arten sammeln Pollen auf Blütenpflanzen verschiedener Familien und gelten als Generalisten. Oligolektische Arten dagegen sind auf Pollen bestimmter Pflanzenfamilien oder -gattungen spezialisiert. Die Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) sammelt beispielsweise ausschließlich an Natternkopf (Echium). Diese enge Bindung macht spezialisierte Arten besonders anfällig gegenüber dem Rückgang ihrer Wirtspflanzen.
Verhalten & Lebensweise
Die weitaus meisten Wildbienenarten leben solitär – jedes Weibchen baut und versorgt sein Nest eigenständig, ohne Arbeitsteilung oder Kastensystem. Es gibt keine Arbeiterinnen im Sinne der Honigbiene. Das Weibchen legt in jede Brutzelle ein Ei, deponiert einen Vorrat aus Pollen und Nektar (den sogenannten Pollenkuchen) und verschließt die Zelle. Die Larve entwickelt sich ohne weitere mütterliche Fürsorge.
Einige Arten zeigen Übergangsstufen zur Sozialität. Bei vielen Furchenbienen (Halictus, Lasioglossum) lebt ein Weibchen mit seinen Töchtern in einem gemeinsamen Nest, wobei die Mutter als Wächterin fungiert – man spricht von primitiv-eusozialer Lebensweise. Ein weiteres Phänomen ist der Brutparasitismus: Kuckucksbienen, etwa Wespenbienen (Nomada) oder Trauerbienen (Melecta), legen ihre Eier in die Nester anderer Bienenarten. Die Kuckucksbienenlarve frisst den Pollenvorrat und häufig auch das Wirtsei.
Die Flugzeiten der einzelnen Arten sind streng saisonal. Manche Frühblüher-Spezialisten wie die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) fliegen bereits im März, während andere Arten erst im Hochsommer aktiv werden. Die meisten Wildbienen sind tagaktiv und bevorzugen sonnige, warme Bedingungen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung erfolgt bei den meisten solitären Arten kurz nach dem Schlupf der Adulttiere. Männchen schlüpfen in der Regel einige Tage vor den Weibchen und patrouillieren an Nistplätzen oder Blüten, um auf paarungsbereite Weibchen zu treffen. Nach der Kopulation beginnt das Weibchen mit dem Nestbau. Je nach Art entstehen zwischen drei und dreißig Brutzellen. Die Entwicklung vom Ei über mehrere Larvenstadien und das Puppenstadium bis zum fertigen