Winkerkrabbe
WTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Uca (seit 2016 aufgeteilt in mehrere Gattungen, u. a. Gelasimus, Leptuca, Tubuca, Austruca)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Unterordnung: Echte Krabben (Brachyura)
- Familie: Ocypodidae (Rennkrabben)
- Anzahl der Arten: über 100 beschriebene Arten weltweit
- Lebensraum: Gezeitenzonen tropischer und subtropischer Küsten, Mangrovenwälder, Wattflächen, Flussmündungen
- Größe: Carapaxbreite 1–5 cm je nach Art
- Gewicht: meist unter 10 g
- Lebenserwartung: ca. 2–4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Winkerkrabben sind kleine, seitlich leicht abgeflachte Krabben mit einem quer-ovalen bis trapezförmigen Rückenpanzer (Carapax). Das auffälligste Merkmal ist der extreme Sexualdimorphismus der Scheren: Männchen besitzen eine stark vergrößerte Schere – die sogenannte Signalschere – die bis zu halb so viel wiegen kann wie das gesamte Tier. Die zweite Schere bleibt klein und dient der Nahrungsaufnahme. Bei Weibchen sind beide Scheren gleich groß und klein. Welche Seite die vergrößerte Schere trägt, ist artspezifisch nicht festgelegt; es kommen sowohl links- als auch rechtshändige Individuen vor.
Die Augen sitzen auf langen, aufrecht stehenden Stielen, die dem Tier ein weites Gesichtsfeld ermöglichen und bei Gefahr in Augenhöhlen eingezogen werden können. Die Körperfärbung variiert stark zwischen den Arten und reicht von schlammbraun über leuchtend rot und orange bis hin zu intensivem Blau. Manche Arten wie Leptuca pugilator zeigen zudem einen Farbwechsel im Tagesverlauf, gesteuert durch Chromatophoren in der Epidermis.
Der Körper trägt fünf Paar Laufbeine (Pereiopoden), wobei das erste Paar zu den Scheren (Chelipeden) umgebildet ist. Die vier verbleibenden Laufbeinpaare ermöglichen eine schnelle seitwärts gerichtete Fortbewegung über den Schlickboden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Winkerkrabben umfasst tropische und subtropische Küstenregionen aller Kontinente. Die größte Artenvielfalt findet sich im Indopazifik, insbesondere an den Küsten Südostasiens und Ostaustraliens. Weitere Arten bewohnen die Atlantikküsten Amerikas, die westafrikanische Küste und Teile des östlichen Mittelmeerraums.
Das bevorzugte Habitat sind weiche Sedimentböden in der Gezeitenzone: Schlickwatten, Sandstrände, Mangrovengebiete und Brackwasserbereiche von Flussmündungen (Ästuare). Die Tiere graben Wohnröhren in den Boden, die bis zu 60 cm tief reichen können. Diese Bauten dienen als Schutz vor Fressfeinden, Austrocknung und extremen Temperaturen. Bei Flut verschließen die Krabben ihre Röhren mit einem Sedimentpfropfen und überdauern die Überflutung in einer Luftblase.
Ernährung
Winkerkrabben sind Detritusfresser. Sie nehmen mit ihren kleinen Scheren (bei Männchen nur mit der verbliebenen Fressschere) Sediment auf und filtern daraus organische Partikel, Mikroalgen, Bakterienfilme und zersetztes Pflanzenmaterial. Das aussortierte Sediment wird als kleine Kügelchen (Pseudofaeces) neben dem Tier abgelegt – ein typisches Bild in Winkerkrabben-Kolonien. Da Männchen nur eine Fressschere besitzen, benötigen sie etwa doppelt so lange für die Nahrungsaufnahme wie Weibchen. Dieser Nachteil wird offenbar durch die Vorteile der großen Signalschere bei der Partnerwahl und Revierverteidigung aufgewogen.
Verhalten & Lebensweise
Winkerkrabben sind überwiegend tagaktiv und zeigen ihre höchste Aktivität während der Niedrigwasserphase. Sie leben in dichten Kolonien, wobei jedes Individuum ein eigenes Revier um seine Wohnröhre herum verteidigt.
Der namensgebende Winkschlag ist ein rhythmisches Heben und Senken der vergrößerten Schere, das ausschließlich von Männchen ausgeführt wird. Diese Geste hat eine doppelte Funktion: Sie dient der Balz – also der Anlockung paarungsbereiter Weibchen – und gleichzeitig der Abschreckung rivalisierender Männchen. Jede Art besitzt ein artspezifisches Winkmuster, das sich in Geschwindigkeit, Amplitude und Bewegungsbahn unterscheidet. Diese Muster wirken als Fortpflanzungsbarriere zwischen sympatrisch vorkommenden Arten.
Kommt es zwischen Männchen zu Revierkonflikten, greifen die Tiere zu ritualisierten Kämpfen, bei denen sie ihre großen Scheren gegeneinander pressen und schieben. Schwere Verletzungen sind selten; meist gibt der schwächere Kontrahent nach kurzer Zeit auf. Geht die große Schere durch einen Kampf oder Fressfeind verloren, wächst sie auf der gegenüberliegenden Seite nach – die bisherige Fressschere wird dann zur neuen Signalschere umgebildet.
Neben visuellen Signalen kommunizieren Winkerkrabben auch über Vibrationen, die sie durch Trommeln der Schere oder der Beine auf den Boden übertragen. Diese Substratsignale breiten sich im Sediment aus und werden von Artgenossen über Sinnesorgane an den Laufbeinen wahrgenommen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist eng an den Gezeitenzyklus gekoppelt. Während der Balzphase winken die Männchen intensiv, um Weibchen zu ihrer Wohnröhre zu locken. Ein interessiertes Weibchen nähert sich und inspiziert den Bau. Findet es die Röhre geeignet, paart es sich mit dem Männchen im Inneren des Gangs. Anschließend legt das Weibchen die befruchteten Eier an seinen Pleopoden (Hinterleib