T Tierlexikon.net
← Lexikon

Wüstenspringmaus

W

Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Jaculus jaculus
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Springmäuse (Dipodidae)
  • Unterfamilie: Eigentliche Springmäuse (Dipodinae)
  • Gattung: Jaculus
  • Lebensraum: Wüsten und Halbwüsten Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 9,5–16 cm, Schwanzlänge 15–25 cm
  • Gewicht: 40–80 g
  • Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, bis 6 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Die Wüstenspringmaus ist ein kleines Nagetier mit einem auffällig an die bipede Fortbewegung angepassten Körperbau. Die Hinterbeine sind im Verhältnis zum Rumpf stark verlängert und machen etwa das Vierfache der Vorderbeininlänge aus. Die drei mittleren Mittelfußknochen (Metatarsalia) sind zu einem einzigen Knochen verwachsen – eine Anpassung, die den Hinterbeinen bei Sprüngen zusätzliche Stabilität verleiht. Die Vorderpfoten sind deutlich kleiner und dienen vorwiegend der Nahrungsmanipulation und dem Graben.

Das Fell ist auf der Oberseite sandfarben bis gelblich-braun und passt sich damit hervorragend an die Farbe des Wüstenbodens an. Die Bauchseite ist reinweiß, was eine typische Gegenzeichnung (Konterschattierung) darstellt. Hinter den Ohren befindet sich häufig ein heller Fleck. Die Ohren sind lang und schmal, erreichen jedoch nicht die Größe der Ohren verwandter Arten wie der Großen Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis). Die großen, dunklen Augen weisen auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise hin.

Der lange Schwanz endet in einer schwarz-weißen Quaste, die als Balancierhilfe bei schnellen Richtungswechseln und weiten Sprüngen dient. Im Sprung können die Tiere Weiten von bis zu drei Metern und Höhen von einem Meter erreichen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wüstenspringmaus erstreckt sich von Marokko und Mauretanien über die Sahara, die Arabische Halbinsel und den Iran bis in Teile Zentralasiens. Innerhalb dieses großen Areals bewohnt die Art bevorzugt sandige und kiesige Wüstenhabitate mit spärlicher Vegetation. Steinwüsten und reine Felsgebiete werden gemieden, da die Tiere auf grabfähiges Substrat angewiesen sind.

Die Wüstenspringmaus gräbt einfache, aber effektive Erdbaue, die als Tagesquartier, Schutz vor Fressfeinden und als klimatisches Refugium dienen. Die Baue werden in der Regel in einer Tiefe von 30–60 cm angelegt und besitzen einen oder mehrere Eingänge. Den Haupteingang verschließen die Tiere tagsüber häufig mit einem Erdpfropfen, um die Feuchtigkeit im Inneren zu halten und die Temperatur zu regulieren. In der Tiefe des Baus herrschen selbst bei extremer Tageshitze moderate Temperaturen um 20–25 °C.

Ernährung

Die Wüstenspringmaus ernährt sich omnivor, wobei pflanzliche Kost den Hauptanteil der Nahrung ausmacht. Auf dem Speiseplan stehen Samen, Wurzeln, Knollen, Gräser und andere Pflanzenteile, die in der kargen Wüstenlandschaft verfügbar sind. Ergänzend fressen die Tiere Insekten, Larven und andere wirbellose Tiere, insbesondere während der Fortpflanzungszeit, wenn der Proteinbedarf steigt.

Eine physiologische Besonderheit liegt im Wasserhaushalt: Die Wüstenspringmaus kann ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung decken und ist nicht auf freies Trinkwasser angewiesen. Die Nieren sind hocheffizient und produzieren einen extrem konzentrierten Urin, wodurch der Wasserverlust auf ein Minimum reduziert wird. Zusätzlich gewinnt der Stoffwechsel sogenanntes Oxidationswasser aus der Verstoffwechselung fettreicher Samen.

Verhalten & Lebensweise

Die Wüstenspringmaus ist strikt nachtaktiv. Mit Einbruch der Dämmerung verlässt sie ihren Bau und begibt sich auf Nahrungssuche. Die nächtliche Aktivität reduziert den Wasserverlust durch Verdunstung erheblich und senkt das Risiko, tagaktiven Greifvögeln zum Opfer zu fallen. Zu den wichtigsten Fressfeinden zählen Wüstenfüchse (Fenneks), Schleiereulen, Wüstenuhus, Schlangen und wildlebende Katzen.

Die Fortbewegung erfolgt primär bipedalin auf den Hinterbeinen – entweder in schnellen, känguruhartigen Sprüngen oder in einem gemächlichen Hüpfen. Bei Gefahr können die Tiere in unvorhersehbaren Zickzackmustern fliehen, wobei der lange Schwanz als Steuerruder fungiert. Die Sprungbewegung macht es Prädatoren schwer, die Flugbahn des Tieres vorherzusagen.

Wüstenspringmäuse leben überwiegend einzelgängerisch. Jedes Individuum unterhält ein eigenes Revier, das mit Duftmarken aus Drüsensekreten gekennzeichnet wird. Gelegentlich teilen sich mehrere Tiere ein lockeres Netz benachbarter Baue, ohne dass jedoch eine soziale Gruppenstruktur im engeren Sinne besteht. In kalten Winternächten können die Tiere in einen Torpor – eine kurzzeitige Starreperiode mit abgesenkter Körpertemperatur – verfallen, um Energie zu sparen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungszeit variiert je nach Region und klimatischen Bedingungen. In Nordafrika fällt die Paarungszeit vorwiegend in die Monate März bis Juli. Die Weibchen bringen nach einer Tragzeit von etwa 25–35 Tagen durchschnittlich zwei bis sechs Jungtiere zur Welt. Pro Jahr sind bis zu drei Würfe möglich, sofern die