Wyandotte
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Steckbrief
- Herkunft: USA (Bundesstaat New York), ca. 1870er Jahre
- Rassestandard: Anerkannt durch den BDRG (Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter), American Poultry Association (APA) seit 1883; in Europa nach dem Europäischen Rassegeflügelstandard
- Gewichtsklasse: Schweres Huhn
- Gewicht Hahn: 3,4–3,8 kg
- Gewicht Henne: 2,5–3,0 kg
- Legeleistung: ca. 180–200 Eier pro Jahr
- Eigewicht: ca. 55–60 g
- Eierfarbe: Gelbbraun bis cremig
- Lebenserwartung: 7–12 Jahre bei guter Haltung
- Gefieder/Farbschläge: Über 30 anerkannte Farbschläge, darunter silber-schwarzgesäumt, gold-schwarzgesäumt, weiß, schwarz, blau, rebhuhnfarbig-gebändert, gelb-schwarzcolumbia und viele mehr
Herkunft & Geschichte
Die Wyandotte gehört zu den ältesten amerikanischen Hühnerrassen und entstand in den 1870er Jahren im Bundesstaat New York. Benannt wurde sie nach dem nordamerikanischen Indianervolk der Wyandot (Huronen). Die Abstammung der Rasse ist komplex und umfasst Kreuzungen aus Silber-Sebrights, Cochins, Brahmas und Hamburger Hühnern. Ziel der frühen Züchter war ein robustes, wirtschaftliches Zweinutzungshuhn, das sowohl eine gute Fleischqualität als auch eine zuverlässige Legeleistung bieten sollte.
Der erste anerkannte Farbschlag war der silber-schwarzgesäumte (Silver Laced), der 1883 von der American Poultry Association in den Standard aufgenommen wurde. In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Farbschläge, die jeweils eigene Anerkennungsverfahren durchliefen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gelangte die Wyandotte nach Europa und fand insbesondere in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien begeisterte Züchter. Der BDRG führt die Rasse seit über hundert Jahren im deutschen Rassegeflügelstandard, und bis heute zählt sie zu den beliebtesten Ausstellungsrassen in der organisierten Rassegeflügelzucht. Neben der Großrasse existiert seit etwa 1900 auch die Zwerg-Wyandotte, die in Europa sogar noch verbreiteter ist als die Großform.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Wyandotte besticht durch ihre breite, gedrungene und kugelförmige Körperform. Der Rumpf ist tief und breit, die Brust voll gerundet, der Rücken relativ kurz. Charakteristisch ist die sogenannte „Kugelform" – betrachtet man das Huhn von der Seite, ergibt sich ein nahezu kreisrunder Umriss. Das reichlich vorhandene, anliegende Gefieder betont diese Silhouette zusätzlich und verleiht der Rasse ein kompaktes, massiges Erscheinungsbild.
Eines der auffälligsten Rassemerkmale ist der Rosenkamm, der flach und fest am Kopf anliegt, gleichmäßig geperlt ist und in einen nach hinten gerichteten Dorn ausläuft. Dieser Kammtyp ist nicht nur ästhetisch markant, sondern macht die Wyandotte deutlich unempfindlicher gegenüber Frost als Rassen mit stehendem Einfachkamm. Kehllappen und Ohrscheiben sind mittelgroß und leuchtend rot. Die Läufe sind kräftig, unbefiedert und je nach Farbschlag gelb bis hornfarbig.
Die enorme Vielfalt an Farbschlägen macht die Wyandotte zu einer der farbenreichsten Hühnerrassen überhaupt. Besonders beliebt und optisch eindrucksvoll sind die gesäumten Varianten, bei denen jede einzelne Feder eine kontrastierende Randeinfassung trägt. Diese Zeichnung korrekt herauszuzüchten, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Rassegeflügelzucht und erfordert jahrelange Erfahrung und ein geschultes Auge für Farbgenetik.
Charakter & Wesen
Die Wyandotte gilt als ausgesprochen ruhig, freundlich und zutraulich. Sie zeigt ein ausgeglichenes Temperament, ohne dabei träge zu wirken. Gegenüber ihrem Halter wird sie schnell zahm, lässt sich oft bereitwillig auf den Arm nehmen und zeigt kaum Scheu. Besonders Hennen entwickeln eine bemerkenswerte Bindung an ihre Bezugsperson – viele Halter beschreiben sie als regelrecht anhänglich und treu.
Im Gruppenverhalten erweist sich die Wyandotte als sozialverträglich und wenig streitsüchtig. Aggressionen unter Hennen kommen selten vor, was die Rasse hervorragend für gemischte Herden mit anderen friedlichen Rassen geeignet macht. Hähne sind in der Regel wachsam, aber nicht übermäßig laut oder angriffslustig. Wyandotten zeigen durchaus eine gewisse Neugier und Lebhaftigkeit, sind aber weit weniger nervös oder flugfreudig als leichte Landhuhnrassen. Die Hennen besitzen einen ausgeprägten Bruttrieb und erweisen sich als fürsorgliche, zuverlässige Glucken – ein Vorteil für Züchter, die auf Naturbrut setzen.
Haltung & Pflege
Die Wyandotte stellt keine besonders hohen Anforderungen an die Haltung, was sie für Einsteiger wie erfahrene Geflügelhalter gleichermaßen attraktiv macht. Dank ihres Rosenkamms und des dichten Gefieders ist sie sehr winterhart und kommt auch in kalten Regionen Mitteleuropas problemlos zurecht. Ein trockener, zugluftfreier Stall mit ausreichend Sitzstangen genügt als Unterkunft. Die Sitzstangen sollten aufgrund des höheren Körpergewichts nicht zu hoch angebracht werden, um Fußprobleme beim Abspringen zu vermeiden.
Auslauf wird gerne angenommen, muss aber nicht riesig dimensioniert sein. Wyandotten sind keine ausgeprägten Flieger, weshalb ein Zaun von etwa 1,20 Meter Höhe in der Regel ausreicht. Sie eignen sich daher auch für mittelgroße Gärten. Die Gefiederpflege beschränkt sich auf regelmäßige Kontrollen auf Parasiten wie Milben und Federlinge.