Zehnender
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Definition und Überblick
Als Zehnender (auch: Zehner) bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache einen männlichen Rothirsch, dessen Geweih insgesamt zehn Enden aufweist. Die Zählung erfolgt dabei über beide Geweihstangen zusammen, wobei in der Regel je fünf Enden auf die linke und rechte Stange entfallen. Der Zehnender gilt unter Jägern als ein Hirsch mittlerer bis gehobener Geweihentwicklung und stellt in vielen Rotwildrevieren einen häufig anzutreffenden Geweihtyp dar. Die Bezeichnung gehört zum umfangreichen System der weidmännischen Geweihklassifikation, mit dem Jäger die Stärke und das Alter eines Hirsches auf den ersten Blick einordnen können.
Das Geweih und seine Enden
Das Geweih des Rothirsches (Cervus elaphus) ist ein knöchernes Gebilde, das jährlich abgeworfen und neu gebildet wird. Es besteht aus zwei Stangen, die am sogenannten Rosenstock am Schädel ansetzen. Von jeder Stange zweigen einzelne Sprossen ab, die in der Jägersprache als Enden oder Sprossen bezeichnet werden.
Beim klassischen Zehnender verteilen sich die zehn Enden symmetrisch auf beide Stangen. Jede Stange trägt dabei typischerweise folgende Enden:
- Augsprosse – das unterste Ende, direkt oberhalb der Rose
- Eissprosse – die zweite Sprosse, zwischen Augsprosse und Mittelsprosse
- Mittelsprosse – etwa in der Mitte der Stange
- Krone – am oberen Ende der Stange, beim Zehnender mit zwei Enden (also einer Gabelung)
Die fünf Enden pro Stange setzen sich somit aus Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse und einer zweiendigen Krone zusammen. Dieser Aufbau wird als regelmäßiger oder gerader Zehnender bezeichnet, weil beide Stangen die gleiche Endenzahl tragen.
Gerader und ungerader Zehnender
In der jagdlichen Praxis trägt ein Hirsch nicht immer auf beiden Seiten die gleiche Anzahl an Enden. Weist beispielsweise die eine Stange sechs und die andere vier Enden auf, spricht man von einem ungeraden Zehnender. Die Gesamtzahl bleibt zehn, doch die Verteilung ist asymmetrisch. Bei der weidmännischen Ansprache wird ein solcher Hirsch nach der stärkeren Seite benannt: Ein Hirsch mit sechs Enden links und vier rechts wäre ein „ungerader Zehnender, links ein Sechser".
Der gerade Zehnender mit seiner symmetrischen Verteilung von fünf plus fünf Enden wird dagegen als besonders regelmäßig und ästhetisch angesehen. In der Trophäenbewertung fließt die Regelmäßigkeit des Geweihs als Kriterium ein.
Einordnung in die Geweihklassifikation
Die Benennung von Hirschen nach der Endenzahl ihres Geweihs folgt einem festen System. Die gebräuchlichsten Bezeichnungen lauten:
- Sechsender (Sechser) – sechs Enden insgesamt
- Achtender (Achter) – acht Enden
- Zehnender (Zehner) – zehn Enden
- Zwölfender (Zwölfer) – zwölf Enden
- Vierzehnender – vierzehn Enden
- Kronenhirsch – Hirsch mit mindestens drei Enden an der Krone je Stange
Der Zehnender steht in dieser Reihe an einer mittleren Position. Ein junger Hirsch bildet in seinen ersten Lebensjahren zunächst einfache Spieße, dann Gabler und Sechsergeweihe aus. Mit zunehmendem Alter und guter körperlicher Konstitution steigt die Endenzahl in der Regel an. Ein Zehnender ist daher häufig ein Hirsch im mittleren Alter, etwa zwischen dem fünften und achten Lebensjahr, abhängig von Genetik, Ernährungszustand und Lebensraum.
Alter, Entwicklung und Geweihaufbau
Die Endenzahl allein erlaubt keinen sicheren Rückschluss auf das Alter eines Hirsches. Ein genetisch benachteiligter oder in einem nahrungsarmen Revier lebender Hirsch kann zeitlebens ein Zehnender bleiben, während ein gut veranlagter Hirsch bereits als Fünfjähriger ein Zwölfer- oder Vierzehnendergeweih schieben kann. Die Geweihentwicklung hängt von mehreren Faktoren ab:
- Genetische Veranlagung – bestimmt das grundsätzliche Potenzial der Geweihbildung
- Ernährung und Lebensraum – mineralstoffreiche Äsung fördert starke Geweihbildung
- Gesundheitszustand – Krankheiten oder Verletzungen können die Geweihentwicklung hemmen
- Alter – die stärksten Geweihe bilden Hirsche meist zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr
Ein Hirsch, der seinen Lebenshöhepunkt überschritten hat, kann im Alter wieder zurücksetzen und erneut zum Zehnender werden, obwohl er in seinen besten Jahren ein stärkeres Geweih getragen hat. Diesen Vorgang nennt man in der Jägersprache Zurücksetzen.
Bedeutung für die jagdliche Praxis
Die Ansprache eines Hirsches als Zehnender spielt bei der Jagdplanung und der Abschussfreigabe eine wesentliche Rolle. In vielen Revieren und nach den Richtlinien zahlreicher Hegegemeinschaften werden Hirsche anhand ihrer Geweihstärke in Alters- und Güteklassen eingeteilt. Ein Zehnender kann – je nach Gesamterscheinung und geschätztem Alter – als Mittelalthirsch eingestuft oder als reifer Hirsch zum Abschuss freigegeben werden.
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