Zikade
ZTierart – Insekten > Wanzen, Zikaden & Läuse
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Auchenorrhyncha (Unterordnung)
- Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
- Wichtige Familien: Singzikaden (Cicadidae), Schaumzikaden (Cercopidae), Zwergzikaden (Cicadellidae), Spornzikaden (Delphacidae), Buckelzikaden (Membracidae)
- Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Buschland, mediterrane und tropische Biotope
- Größe: 2 mm (Zwergzikaden) bis über 70 mm (tropische Singzikaden)
- Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 8–10 g bei großen Arten
- Lebenserwartung: wenige Monate (Imagines) bis zu 17 Jahre (Larvenstadium bei Periodischen Zikaden, Gattung Magicicada)
Aussehen & Merkmale
Zikaden sind Insekten mit einem kompakten, meist leicht abgeflachten Körper. Der Kopf trägt zwei große Facettenaugen und bei vielen Arten zusätzlich drei Punktaugen (Ocelli) auf der Scheitelfläche. Die Fühler sind kurz und borstenartig. Das Mundwerkzeug besteht aus einem stechend-saugenden Rüssel, der an der Unterseite des Kopfes entspringt – ein typisches Merkmal der Schnabelkerfe.
Beide Flügelpaare sind häutig, wobei die Vorderflügel bei manchen Gruppen leicht verdickt sein können. In Ruhestellung werden die Flügel meist dachartig über dem Hinterleib zusammengelegt, was Zikaden von den nahe verwandten Wanzen unterscheidet. Die Hinterbeine sind bei vielen Arten als Sprungbeine ausgebildet – besonders ausgeprägt bei den Schaumzikaden und Zwergzikaden, die sich mit einem kräftigen Sprung in die Luft katapultieren können.
Die Körperfärbung variiert stark: Von unauffälligem Grün oder Braun bei heimischen Wiesenzikaden bis hin zu leuchtend gefärbten tropischen Arten. Buckelzikaden fallen durch bizarre Auswüchse des Halsschildes auf, die an Dornen, Blätter oder sogar Ameisen erinnern und der Tarnung dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Zikaden kommen weltweit vor und besiedeln nahezu alle terrestrischen Lebensräume – von tropischen Regenwäldern über gemäßigte Laubwälder bis hin zu Trockensteppen und alpinen Matten. Das Verbreitungsgebiet der Unterordnung umfasst alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die größte Artenvielfalt findet sich in den Tropen und Subtropen.
In Mitteleuropa sind rund 1.000 Zikadenarten nachgewiesen, darunter die Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata), die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) und als einzige einheimische Singzikade die Bergzikade (Cicadetta montana). Im Mittelmeerraum treten die großen Singzikaden der Gattungen Cicada und Lyristes zahlreich auf. Ihr Habitat umfasst dort lichte Wälder, Olivenhaine und Macchie-Vegetation.
Viele Arten sind eng an bestimmte Pflanzenarten oder Biotope gebunden, was sie zu empfindlichen Bioindikatoren für den Zustand eines Ökosystems macht. Trockenrasen, Feuchtwiesen und naturnahe Waldränder zählen zu den artenreichsten Zikadenhabitaten in Deutschland.
Ernährung
Alle Zikaden ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften. Mit ihrem Stechrüssel durchstoßen sie das Pflanzengewebe und zapfen entweder das Phloem (Siebrohr-Saft) oder das Xylem (Leitungsbahn-Wasser) an. Singzikaden und Schaumzikaden saugen bevorzugt am nährstoffarmen Xylem, was bedeutet, dass sie große Mengen Flüssigkeit aufnehmen müssen, um ihren Bedarf zu decken.
Die Larven der Schaumzikaden erzeugen aus dem überschüssigen Pflanzensaft die charakteristischen Schaumhüllen – im Volksmund als „Kuckucksspeichel" bekannt –, die sie vor Austrocknung und Fressfeinden schützen. Zwergzikaden und Blattzikaden saugen hingegen am zuckerreichen Phloemsaft und scheiden als Stoffwechselprodukt Honigtau aus, der wiederum Ameisen und andere Insekten anlockt.
Verhalten & Lebensweise
Zikaden sind überwiegend tagaktiv. Die meisten Arten leben einzelgängerisch, treten aber auf geeigneten Wirtspflanzen oft in hoher Dichte auf. Ihre primäre Verteidigungsstrategie besteht in der Flucht: Kleine Arten springen bei Bedrohung explosionsartig davon, größere Singzikaden fliegen auf.
Das auffälligste Verhalten zeigen die Singzikaden. Die Männchen erzeugen laute, arttypische Gesänge mithilfe spezieller Trommelorgane, der sogenannten Tymbale, die sich seitlich am ersten Hinterleibssegment befinden. Durch schnelles Einbeulen und Zurückschnappen dieser Membranen entstehen Klicklaute, die durch Luftkammern im Hinterleib verstärkt werden. Manche Arten erreichen dabei Lautstärken von über 100 Dezibel – sie gehören damit zu den lautesten Insekten der Welt. Der Gesang dient der Balz und der Anlockung von Weibchen.
Auch viele kleinere Zikadenarten kommunizieren akustisch, allerdings über Substratvibrationen: Sie erzeugen Schwingungen, die sich durch Pflanzenstängel und Blätter ausbreiten und nur mit speziellen Geräten wahrnehmbar sind.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier mit einem Legebohrer in Pflanzengewebe, Rindenspalten oder in den Boden ab. Die Entwicklung verläuft über eine unvollständige Metamorphose (Hemimetabolie): Aus den Eiern schlüpfen Larven (Nymphen), die den adulten Tieren bereits ähneln, aber noch keine funktionsfähigen Flügel besitzen. Nach mehreren Häut