Zwerghamster
ZTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gattung Phodopus (sowie weitere Gattungen, u. a. Cricetulus)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae), Unterfamilie Hamster (Cricetinae)
- Verbreitungsgebiet: Steppen, Halbwüsten und Graslandschaften Zentralasiens, Sibiriens, der Mongolei und Nordchinas
- Größe: 5–10 cm Körperlänge (je nach Art)
- Gewicht: 20–50 g
- Lebenserwartung: 1,5–3 Jahre in freier Wildbahn; in menschlicher Obhut bis etwa 3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Begriff „Zwerghamster" ist keine einzelne Art, sondern eine zusammenfassende Bezeichnung für mehrere kleinwüchsige Hamsterarten. In der Heimtierhaltung und in der zoologischen Systematik werden vor allem vier Arten unter diesem Namen geführt: der Dsungarische Zwerghamster (Phodopus sungorus), der Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli), der Roborowski-Zwerghamster (Phodopus roborovskii) und der Chinesische Streifenhamster (Cricetulus griseus). Die drei erstgenannten gehören zur Gattung Phodopus, der Chinesische Streifenhamster wird einer eigenen Gattung zugeordnet.
Allen Zwerghamsterarten gemeinsam ist ein kompakter, rundlicher Körperbau mit kurzen Beinen, kleinen abgerundeten Ohren und einem verhältnismäßig kurzen Schwanz. Das Fell ist dicht und weich, die Färbung variiert je nach Art und Unterart von graubraun über sandfarben bis fast weiß. Der Dsungarische Zwerghamster besitzt einen auffälligen dunklen Aalstrich auf dem Rücken, der sich vom Kopf bis zum Schwanzansatz zieht. Die Bauchseite ist bei den meisten Arten deutlich heller – oft reinweiß. Die Sohlen der Hinterfüße sind bei Phodopus-Arten dicht behaart, was als Anpassung an sandige und kalte Böden ihres Habitats gedeutet wird.
Die großen, dunklen Augen ermöglichen eine gute Orientierung bei schlechten Lichtverhältnissen. Wie alle Hamster besitzen Zwerghamster ausgeprägte Backentaschen, die sich bis hinter die Schulterblätter dehnen lassen und dem Transport von Nahrung in den Bau dienen. Das Gebiss umfasst die für Nagetiere typischen, wurzellosen und stetig nachwachsenden Schneidezähne.
Lebensraum & Verbreitung
Zwerghamster bewohnen die trockenen Gras- und Steppenlandschaften Zentralasiens. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Kasachstan über die Mongolei bis nach Nordchina und in die sibirischen Tiefebenen. Das bevorzugte Biotop sind offene, trockene Flächen mit lockeren Böden, in denen die Tiere ihre Baue anlegen können – darunter Halbwüsten, Sandsteppen, Getreidefelder und felsige Bergsteppen bis in Höhenlagen von etwa 3.000 Metern. Der Roborowski-Zwerghamster besiedelt bevorzugt Sanddünengebiete, während der Chinesische Streifenhamster auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten und in der Nähe menschlicher Siedlungen anzutreffen ist.
Die extreme Temperaturamplitude in den zentralasiatischen Steppen – von über 40 °C im Sommer bis unter –40 °C im Winter – hat die Biologie der Zwerghamster nachhaltig geprägt. Der Dsungarische Zwerghamster zeigt einen saisonalen Fellwechsel: Im Herbst ersetzt er sein graubraunes Sommerfell durch ein nahezu weißes Winterfell, das bessere Tarnung im Schnee bietet und zugleich die Wärmeisolation verbessert.
Ernährung
Zwerghamster sind Allesfresser (Omnivoren) mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. In ihrem natürlichen Habitat fressen sie Samen verschiedener Gräser und Kräuter, Getreidekörner, Nüsse, Knollen und Wurzeln. Ergänzt wird die pflanzliche Nahrung durch tierisches Protein in Form von Insekten, Larven, Spinnen und gelegentlich kleinen Wirbellosen. Dieser Anteil an tierischer Nahrung ist saisonal unterschiedlich und steigt im Frühjahr und Sommer, wenn Insekten reichlich verfügbar sind.
Mithilfe ihrer dehnbaren Backentaschen transportieren Zwerghamster große Mengen an Samen und Körnern in ihre unterirdischen Vorratskammern. Diese Vorratshaltung ist überlebenswichtig, da die Tiere keinen echten Winterschlaf halten, sondern auch in den kalten Monaten aktiv bleiben und auf gespeicherte Nahrung angewiesen sind.
Verhalten & Lebensweise
Zwerghamster sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in selbst gegrabenen unterirdischen Bauen, die aus mehreren Kammern bestehen – darunter Schlafkammern, Vorratskammern und Kotkammern. Die Gangsysteme können eine beachtliche Tiefe erreichen und bieten Schutz vor Fressfeinden und extremen Temperaturen.
Im Gegensatz zum Goldhamster (Mesocricetus auratus), der strikt einzelgängerisch lebt, zeigen einige Zwerghamsterarten eine gewisse Soziabilität. Campbell-Zwerghamster können unter günstigen Bedingungen in Familiengruppen zusammenleben. Der Roborowski-Zwerghamster wird in der Natur ebenfalls gelegentlich paarweise oder in kleinen Gruppen beobachtet. Dsungarische Zwerghamster sind dagegen außerhalb der Paarungszeit eher Einzelgänger und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen. Die Revierkennzeichnung erfolgt über Duftdrüsen an der Bauchseite, deren Sekret auf Steinen, Pflanzen und Baugängen abgestreift wird.
Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Greifvögel, Eulen, Füchse, Wiesel und Schlangen. Bei Gefahr flüchten Zwerghamster in ihre Baue oder verharren regungslos, um durch ihre Fellfärbung mit dem Untergrund zu verschmelzen.