Zwergspitzmaus
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sorex minutus
- Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
- Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
- Gattung: Rotzahnspitzmäuse (Sorex)
- Lebensraum: Feuchte Wiesen, Moorgebiete, Laubwälder, Heckenlandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 4–6 cm, Schwanzlänge 3–4,5 cm
- Gewicht: 2,5–6 g
- Lebenserwartung: 12–16 Monate in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Zwergspitzmaus (Sorex minutus) zählt zu den kleinsten Säugetieren Europas und ist nach der Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus) das zweitkleinste Säugetier des Kontinents. Mit einem Körpergewicht von durchschnittlich 3 bis 5 Gramm ist sie kaum schwerer als ein Zuckerwürfel. Ihr Körperbau ist schlank und langgestreckt, der Kopf läuft in eine auffallend spitze, rüsselartig verlängerte Schnauze aus – ein typisches Merkmal aller Spitzmäuse.
Das Fell ist auf der Oberseite dunkelbraun bis graubraun gefärbt und geht an den Flanken in einen helleren Ton über. Die Unterseite zeigt sich grau bis silbrigweiß, wobei der Übergang zwischen Ober- und Unterseite meist fließend verläuft. Der relativ lange Schwanz, der etwa zwei Drittel der Kopf-Rumpf-Länge erreicht, ist dicht mit kurzen Haaren besetzt. Die Augen sind sehr klein und kaum sichtbar, die Ohren ragen nur wenig aus dem Fell hervor. Wie alle Vertreter der Gattung Sorex besitzt die Zwergspitzmaus rotbraun pigmentierte Zahnspitzen – ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Weißzahnspitzmäusen (Crocidurinae), deren Zähne vollständig weiß sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zwergspitzmaus erstreckt sich von Westeuropa über Skandinavien bis nach Sibirien. In Mitteleuropa kommt sie flächendeckend vor, fehlt jedoch auf den meisten Mittelmeerinseln sowie in Island. In den Alpen besiedelt sie Höhenlagen bis etwa 2.500 Meter.
Als Habitat bevorzugt die Zwergspitzmaus feuchte, deckungsreiche Biotope. Typische Lebensräume sind Feuchtwiesen, Hochmoore, Bruchlandschaften, Waldränder und naturnahe Heckenstrukturen mit dichter Kraut- und Moosschicht. Die Art ist auf eine gut entwickelte Bodenstreu angewiesen, in der sie Nahrung findet und Schutz vor Fressfeinden erhält. Trockene, offene Standorte werden gemieden. In Kulturlandschaften nutzt sie gelegentlich Gärten, Komposthaufen und Scheunen, insbesondere während der kalten Jahreszeit.
Ernährung
Die Zwergspitzmaus ernährt sich fast ausschließlich von wirbellosen Tieren. Auf ihrem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen, Asseln, kleine Käfer, Larven und Regenwürmer. Aufgrund ihres extrem hohen Stoffwechsels muss sie täglich das 1,25- bis 1,5-Fache ihres eigenen Körpergewichts an Nahrung aufnehmen. Schon wenige Stunden ohne Nahrung können für das Tier lebensbedrohlich werden.
Die Beute wird mit der empfindlichen Schnauze aufgespürt. Der Tastsinn und vermutlich auch der Geruchssinn spielen bei der Nahrungssuche eine zentrale Rolle. Die winzigen Augen liefern dagegen nur ein sehr eingeschränktes Sehvermögen. Pflanzliche Nahrung nimmt die Zwergspitzmaus nur in Ausnahmefällen auf, etwa Samen oder Beeren in Zeiten extremen Nahrungsmangels.
Verhalten & Lebensweise
Die Zwergspitzmaus ist überwiegend tag- und nachtaktiv, wobei sich Aktivitäts- und Ruhephasen in kurzen Intervallen von etwa zwei bis drei Stunden abwechseln. Dieses Verhaltensmuster ist unmittelbar an den hohen Energiebedarf gekoppelt: Das Tier kann es sich schlicht nicht leisten, längere Ruhepausen einzulegen.
Die Art lebt einzelgängerisch und beansprucht ein kleines Revier, das gegen Artgenossen verteidigt wird. Begegnungen zwischen Individuen führen häufig zu aggressiven Auseinandersetzungen, begleitet von hochfrequenten Lautäußerungen. Die Zwergspitzmaus nutzt Laufgänge anderer Kleinsäuger, etwa von Wühlmäusen, oder bewegt sich in natürlichen Hohlräumen unter der Laubstreu und zwischen Wurzelwerk. Eigene Grabaktivitäten sind aufgrund der geringen Körpergröße selten. Nester werden aus trockenen Gräsern, Blättern und Moos in geschützten Hohlräumen angelegt.
Zu den natürlichen Fressfeinden gehören Eulen – insbesondere die Schleiereule –, Hermeline, Mauswiesel, Füchse und gelegentlich Hauskatzen. In Gewöllen von Eulen lassen sich Überreste von Zwergspitzmäusen regelmäßig nachweisen, was auch für die Bestandserfassung der Art genutzt wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit der Zwergspitzmaus erstreckt sich in Mitteleuropa von April bis September. Nach einer Tragzeit von etwa 22 Tagen bringt das Weibchen vier bis acht Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen weniger als ein Gramm. Sie entwickeln sich rasch: Nach etwa 22 Tagen werden die Jungen entwöhnt, und mit rund vier Wochen verlassen sie das Nest.
Pro Jahr sind zwei, selten drei Würfe möglich. Die Aufzucht erfolgt ausschließlich durch das Weibchen. Typisch für Spitzmäuse ist das sogenannte Karawanenverhalten der Jungen: Die Jungtiere beißen sich am Schwanz der Mutter oder des vorauslaufenden Geschwisters fest und bilden so eine Kette, die sich gemeinsam fortbewegt. Dieses Verhalten dient dem Zusammenhalt der Familie während der