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Äskulapnatter

Ä

Tierart – Reptilien > Schlangen – Nattern

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Zamenis longissimus (syn. Elaphe longissima)
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Familie: Nattern (Colubridae)
  • Gattung: Zamenis
  • Lebensraum: Laubmischwälder, Waldränder, Trockenmauern, warme Hanglagen
  • Größe: 120–180 cm, selten bis 200 cm
  • Gewicht: 500–900 g
  • Lebenserwartung: 15–25 Jahre (in Gefangenschaft bis 30 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Die Äskulapnatter zählt zu den größten Schlangenarten Europas. Ihr schlanker, muskulöser Körper ist von glatten, leicht glänzenden Schuppen bedeckt, die ihr ein elegantes Erscheinungsbild verleihen. Die Grundfärbung adulter Tiere variiert zwischen olivbraun, gelbbraun und dunkelbraun, wobei einzelne Schuppen häufig weiße Ränder aufweisen, die bei seitlicher Betrachtung ein feines Streifenmuster erzeugen. Die Bauchseite ist einheitlich hellgelb bis cremefarben.

Der Kopf ist relativ schmal und nur wenig vom Hals abgesetzt – ein typisches Merkmal ungiftiger Nattern. Die großen, runden Augen besitzen eine dunkle Iris mit runder Pupille, was die Äskulapnatter deutlich von Vipern mit ihren schlitzförmigen Pupillen unterscheidet. Jungtiere zeigen eine abweichende Zeichnung: Sie tragen hinter dem Kopf zwei gelbliche Flecken, die an die Kopfzeichnung der Ringelnatter erinnern, mit zunehmendem Alter aber verblassen.

Gelegentlich treten melanistische Exemplare auf, deren gesamter Körper tiefschwarz gefärbt ist. Diese Farbvariante kommt besonders in bestimmten Populationen am Rand des Verbreitungsgebiets vor.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Äskulapnatter erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südosteuropas. Es reicht von Nordspanien und Frankreich über Italien, den Balkan und die Türkei bis in den westlichen Iran. In Mitteleuropa kommt sie nur in klimatisch begünstigten Regionen vor. In Deutschland existieren isolierte Reliktvorkommen im Rheingau (bei Schlangenbad) und an der Donau bei Passau. Auch in Österreich – etwa im Burgenland und in der südlichen Steiermark – sowie in Teilen der Schweiz (Tessin) ist sie verbreitet. Diese nördlichen Vorkommen gelten als Relikte einer nacheiszeitlichen Warmphase, in der die Art weiter nach Norden vordringen konnte.

Als Habitat bevorzugt die Äskulapnatter strukturreiche, warme Landschaften. Sonnige Waldränder, lichte Laubmischwälder, aufgelassene Weinberge, Trockenmauern und südexponierte Hanglagen mit Gebüsch bieten ihr ideale Bedingungen. Entscheidend sind das Vorhandensein von Sonnenplätzen zur Thermoregulation, Versteckmöglichkeiten in Hohlräumen und ein ausreichendes Beuteangebot. In der Nähe menschlicher Siedlungen nutzt sie gelegentlich Komposthaufen, Scheunen und alte Gemäuer.

Ernährung

Die Äskulapnatter ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern wie Mäusen, Wühlmäusen und jungen Ratten. Daneben gehören Eidechsen, nestjunge Vögel und Vogeleier zum Nahrungsspektrum. Jungtiere fressen überwiegend kleine Eidechsen und Insekten, bevor sie mit zunehmender Körpergröße auf Säugetierbeute umsteigen.

Als Würgeschlange tötet die Äskulapnatter ihre Beute durch Umschlingen und Ersticken. Sie ist eine aktive Jägerin, die ihre Beute sowohl am Boden als auch in Büschen und Bäumen aufspürt. Dabei orientiert sie sich stark über ihren Geruchssinn – die gespaltene Zunge nimmt Duftmoleküle auf und leitet sie an das Jacobson-Organ im Gaumen weiter.

Verhalten & Lebensweise

Die Äskulapnatter ist überwiegend tagaktiv, zeigt bei hohen Sommertemperaturen jedoch auch dämmerungsaktive Tendenzen. Sie ist eine hervorragende Kletterin und bewegt sich geschickt in Sträuchern und Bäumen, wobei sie sich mit ihren gekielten Bauchschuppen an Rinde und Astgabelungen verankert. Am Boden bewegt sie sich in der typischen Schlängelbewegung, kann bei langsamer Fortbewegung aber auch ein geradliniges Raupenkriechen zeigen.

Die Art ist einzelgängerisch und nicht territorial im engeren Sinne, nutzt aber bevorzugte Sonnenplätze und Verstecke regelmäßig. Ihr Aktionsraum umfasst je nach Habitatqualität wenige Hektar. In den Wintermonaten – etwa von Oktober bis April – hält sie eine Winterruhe in frostfreien Spalten, Erdlöchern oder Kellern, häufig gemeinsam mit anderen Schlangen und Eidechsen.

Gegenüber dem Menschen verhält sich die Äskulapnatter scheu und flüchtet bei Störung. Sie ist ungiftig und völlig harmlos. Wird sie ergriffen, kann sie aus Kloakendrüsen ein übelriechendes Sekret absondern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate Mai und Juni. Während der Balz verfolgen die Männchen paarungsbereite Weibchen über deren Duftspur. Treffen zwei Männchen aufeinander, kommt es zu ritualisierten Kommentkämpfen: Die Rivalen richten den Vorderkörper auf, umwinden einander und versuchen, den Gegner zu Boden zu drücken. Gebissen wird dabei nicht.

Etwa sechs bis acht Wochen nach der Paarung legt das Weibchen zwischen 5 und 15 weichschalige Eier an feuchtwarmen, geschützten Stellen ab – bevorzugt in morschem Holz, Laubhaufen oder Komposthaufen, deren Verrottungswärme die Entwicklung der Embryonen begünstigt. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von sechs bis zehn Wochen schlüpfen die Jungtiere.