Kornnatter
KTierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pantherophis guttatus (ehemals Elaphe guttata)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Pantherophis
- Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, Grasland, landwirtschaftliche Flächen, felsige Hänge im südöstlichen Nordamerika
- Größe: 80–150 cm, selten bis 180 cm Gesamtlänge
- Gewicht: 200–800 g, je nach Alter und Ernährungszustand
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 23 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Kornnatter ist eine mittelgroße, schlanke Schlange mit einem deutlich vom Körper abgesetzten Kopf und runden Pupillen – ein typisches Merkmal ungiftiger Nattern. Die Grundfärbung der glatten Schuppen variiert von orangerot über gelbbraun bis hin zu grau. Auf dem Rücken verlaufen große, rotbraune bis dunkelrote Sattelflecken, die schwarz umrandet sind. An den Flanken finden sich kleinere, ebenfalls dunkle Fleckenmuster. Die Bauchseite zeigt ein schachbrettartiges Muster aus weißen und schwarzen Feldern.
Der Kopf weist auf der Oberseite eine charakteristische pfeilförmige Zeichnung auf, die nach hinten zeigt. Vom Auge zieht sich ein dunkler Streifen schräg zum Mundwinkel. Die Rostralschuppe (Schnauzenschild) ist vergrößert und leicht nach oben gewölbt, was der Kornnatter beim Graben in lockeren Substraten hilft.
Durch die seit Jahrzehnten betriebene Zucht in Gefangenschaft existieren heute über hundert verschiedene Farbmorphen. Darunter finden sich amelanistische (rote, gelblose), anerythristische (schwarz-graue, rotlose) und albino Varianten. Diese Zuchtformen kommen in der Natur nicht vor und haben keinen Einfluss auf die Wildpopulationen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Kornnatter erstreckt sich über den Südosten der Vereinigten Staaten. Es reicht von New Jersey entlang der Atlantikküste südwärts durch die gesamte Halbinsel Florida und westwärts bis nach Louisiana und Teile von Tennessee. Einzelne Populationen wurden auch in Kentucky und an der Golfküste nachgewiesen.
Die Art besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten. Bevorzugt werden lichte Kiefernwälder, Eichenmischwälder, Gebüschlandschaften und Waldränder. Auch in Kulturlandschaften fühlt sich die Kornnatter wohl: Maisfelder, Scheunen und verlassene Gebäude bieten ihr Deckung und ein reiches Nahrungsangebot. Der englische Name „Corn Snake" leitet sich vermutlich von ihrem häufigen Auftreten in der Nähe von Kornlagern und Maisfeldern ab, wo sie Nagetiere erbeutet. Eine alternative Erklärung verweist auf das maiskolbenähnliche Bauchmuster.
Die Kornnatter ist bodenbewohnend, kann aber durchaus klettern und wird gelegentlich in Büschen und auf niedrigen Bäumen angetroffen. Als Verstecke dienen Felsspalten, Hohlräume unter Baumstämmen, verlassene Nagetierbauten und lockeres Gestein.
Ernährung
Kornnattern sind Lauerjäger und ernähren sich ausschließlich von tierischer Beute. Zum Nahrungsspektrum gehören vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, Ratten und junge Kaninchen. Daneben werden Eidechsen, Frösche, kleine Vögel und deren Eier erbeutet. Jungtiere fressen vorwiegend Echsen und Laubfrösche, bevor sie mit zunehmender Größe auf Nagetiere umsteigen.
Als Würgeschlange umschlingt die Kornnatter ihre Beute nach dem Zupacken mit mehreren Körperschlingen und übt so lange Druck aus, bis das Beutetier durch Kreislaufversagen verendet. Die Beute wird anschließend mit dem Kopf voran im Ganzen verschlungen. Der dehnbare Kiefer, dessen linke und rechte Hälften durch ein elastisches Band verbunden sind, erlaubt das Schlucken von Tieren, die deutlich größer als der eigene Kopfdurchmesser sind. Je nach Beutegröße frisst eine adulte Kornnatter etwa alle 5 bis 14 Tage.
Verhalten & Lebensweise
Die Kornnatter lebt einzelgängerisch und zeigt kein Territorialverhalten im engeren Sinne. Sie ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, besonders in den warmen Sommermonaten. Im Frühjahr und Herbst kann sie auch tagsüber aktiv sein, um sich an Sonnenplätzen aufzuwärmen – ein für wechselwarme (ektotherme) Tiere typisches Verhalten.
In den nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets hält die Kornnatter eine Winterruhe (Brumation), die je nach Klima von November bis März dauern kann. Dazu zieht sie sich in frostfreie Verstecke wie Felsspalten, Erdlöcher oder Kellerräume zurück. Die Körperfunktionen sind während dieser Phase stark herabgesetzt, die Tiere nehmen keine Nahrung zu sich.
Bei Bedrohung zeigt die Kornnatter ein defensives Verhalten: Sie vibriert mit der Schwanzspitze, was auf trockenem Laub ein rasselndes Geräusch erzeugt und Fressfeinde an eine Klapperschlange erinnern kann. Zudem kann sie die vordere Körperhälfte in eine S-Form aufstellen und Scheinangriffe ausführen. Tatsächliche Bisse gegenüber Menschen sind selten und harmlos, da die Art keine Giftzähne besitzt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe, in der Regel zwischen März und Mai. Die Männchen folgen den Duftspuren (Pheromonen) paarungsbereiter Weibchen. Bei Rivalenkämpfen versuchen Männchen, den Konkurrenten mit dem eigenen Körper zu Boden zu drücken – es kommt nicht zu Bissen.