Erdnatter
ETierart – Reptilien > Schlangen – Nattern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pantherophis obsoletus (ehemals Elaphe obsoleta)
- Ordnung: Schuppenkriechende (Squamata)
- Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
- Familie: Nattern (Colubridae)
- Gattung: Pantherophis
- Lebensraum: Laubwälder, Waldränder, Kulturland, Felslandschaften, Scheunen und Farmgebäude in Nordamerika
- Größe: 100–180 cm, selten bis 250 cm Gesamtlänge
- Gewicht: 500–1.500 g (adulte Tiere)
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Erdnatter ist eine kräftig gebaute, mittelgroße bis große Natter mit einem relativ schlanken Kopf, der sich nur wenig vom Hals absetzt. Die Grundfärbung variiert je nach Unterart und Verbreitungsgebiet erheblich. Typisch ist eine Oberseite in Schwarz, Dunkelbraun oder Grau, wobei jüngere Tiere ein deutlich kontrastreicheres Zeichnungsmuster aufweisen als adulte Exemplare. Jungtiere zeigen häufig dunkelbraune oder rötliche Sattelflecken auf hellgrauem Grund, die mit zunehmendem Alter verblassen und bei einigen Populationen vollständig in eine einheitlich schwarze Färbung übergehen.
Die Bauchseite ist in der Regel heller gefärbt – weißlich bis gelblich, oft mit unregelmäßigen dunklen Flecken oder einem schachbrettartigen Muster. Die Schuppen sind schwach gekielt, was der Schlange eine leicht matte Oberfläche verleiht und sie von glatteren Natterarten unterscheidet. Die Pupillen sind rund, was sie als ungiftige Art kennzeichnet. Der Körperquerschnitt ähnelt einer Brotlaibform – flach an der Unterseite und gewölbt an der Oberseite –, was der Erdnatter beim Klettern an Baumstämmen und Felswänden zugutekommt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Erdnatter erstreckt sich über weite Teile des östlichen Nordamerikas, von Neuengland und dem südlichen Ontario in Kanada südwärts bis nach Florida und westwärts bis Texas und Nebraska. Die Art besiedelt ein breites Spektrum an Habitaten. Bevorzugt werden Laubmischwälder, Waldlichtungen, felsige Hügellandschaften und Flussauen. Häufig trifft man die Erdnatter auch in der Nähe menschlicher Siedlungen an – in Scheunen, alten Gebäuden, Steinhaufen und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, wo sie reichlich Beutetiere findet.
Innerhalb dieses großen Verbreitungsgebietes wurden mehrere Unterarten beschrieben, deren taxonomischer Status allerdings seit der Revision der Gattung Pantherophis diskutiert wird. Die bekanntesten Formen sind die Schwarze Erdnatter (P. obsoletus obsoletus), die Gelbe Erdnatter (P. obsoletus quadrivittatus, heute oft als P. alleghaniensis geführt) und die Texas-Erdnatter (P. obsoletus lindheimeri, heute P. lindheimeri). Molekulargenetische Untersuchungen haben dazu geführt, dass einige dieser Unterarten inzwischen als eigenständige Arten anerkannt werden.
Ernährung
Die Erdnatter ist eine Würgeschlange. Sie ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern wie Mäusen, Ratten, Wühlmäusen und jungen Kaninchen. Daneben stehen Vögel und deren Eier auf dem Speiseplan, wobei die Schlange dank ihrer Kletterfähigkeit auch Nester in Bäumen und Sträuchern erreicht. Jüngere Tiere fressen zusätzlich Eidechsen und Frösche.
Die Beute wird durch schnelles Zupacken ergriffen und mit mehreren Körperschlingen umschlungen. Durch Konstriktion wird der Blutkreislauf des Beutetiers unterbrochen, was innerhalb weniger Minuten zum Tod führt. Anschließend wird die Beute in der Regel mit dem Kopf voran verschlungen. In der Nähe landwirtschaftlicher Betriebe gilt die Erdnatter als nützlicher Schädlingsbekämpfer, da sie erhebliche Mengen an Nagern vertilgt.
Verhalten & Lebensweise
Die Erdnatter ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt sich in den kühleren Monaten des Frühjahrs und Herbstes jedoch auch tagsüber. Sie lebt einzelgängerisch und beansprucht ein lockeres Revier, das sie je nach Nahrungsangebot durchstreift. Gegenüber Artgenossen verhält sie sich außerhalb der Paarungszeit weitgehend gleichgültig.
Als semi-arboreal lebende Art klettert die Erdnatter geschickt an Baumstämmen, Felsen und sogar senkrechten Mauern empor. Dabei nutzt sie die kantigen Bauchschuppen, um sich an Unebenheiten der Oberfläche zu verankern. Bei Bedrohung nimmt sie gelegentlich eine S-förmige Drohstellung ein, vibriert mit dem Schwanz – was auf trockenem Laub ein klapperndes Geräusch erzeugt und gelegentlich mit einer Klapperschlange verwechselt wird – und kann bei Ergreifen ein übelriechendes Sekret aus den Analdrüsen absondern. Trotz dieses Abwehrverhaltens gilt sie als vergleichsweise ruhige Art, die sich rasch an den Umgang mit Menschen gewöhnt.
In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebietes hält die Erdnatter eine Winterruhe, die sie bevorzugt in Felsspalten, verlassenen Kleinsäugerbauten oder Kellerräumen verbringt. Nicht selten überwintern mehrere Individuen gemeinsam, gelegentlich auch zusammen mit anderen Schlangenarten wie Klapperschlangen oder Kupferköpfen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate April bis Juni. Männchen suchen paarungsbereite Weibchen anhand von Pheromonen auf, die über die Haut abgegeben werden. Zwischen rivalisierenden Männchen kommt es zu