Alpensalamander
ATierart – Amphibien > Schwanzlurche – Salamander & Molche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Salamandra atra
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
- Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
- Gattung: Salamandra
- Lebensraum: Feuchte Bergwälder, alpine Wiesen und Geröllhalden der Alpen, meist zwischen 800 und 2.500 m Höhe
- Größe: 12–16 cm Gesamtlänge
- Gewicht: ca. 8–15 g
- Lebenserwartung: bis zu 15–20 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Alpensalamander ist ein mittelgroßer, gedrungen gebauter Schwanzlurch mit einer gleichmäßig glänzend schwarzen Haut. Im Gegensatz zu seinem nahen Verwandten, dem Feuersalamander (Salamandra salamandra), fehlt ihm jede gelbe oder farbige Zeichnung vollständig. Die Haut ist glatt, feucht und von zahlreichen kleinen Drüsen durchsetzt, die ein leicht giftiges Hautsekret produzieren. Dieses Sekret dient vor allem dem Schutz vor Pilzbefall und Fressfeinden, ist für den Menschen aber ungefährlich.
Der Kopf ist breit und flach mit deutlich hervortretenden Ohrdrüsen (Parotiden), die hinter den Augen als wulstartige Erhebungen erkennbar sind. Die Augen sind dunkel mit runder Pupille. Der Rumpf ist zylindrisch und geht in einen mittellangen, seitlich leicht abgeflachten Schwanz über. An den Flanken verlaufen gut sichtbare Rippenrillen (Costalfalten), die bei erwachsenen Tieren als vertikale Furchen erscheinen. Die vier Gliedmaßen sind kurz und kräftig, die Zehen unbehäutet – Schwimmhäute sind bei dieser terrestrisch lebenden Art nicht ausgebildet.
Männchen und Weibchen lassen sich äußerlich nur schwer unterscheiden. Während der Fortpflanzungszeit ist die Kloakenregion der Männchen etwas stärker angeschwollen. Insgesamt sind Weibchen oft geringfügig größer und schwerer als Männchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Alpensalamanders erstreckt sich über weite Teile der europäischen Alpen – von den französischen Westalpen über die Schweiz, Österreich und Süddeutschland bis in die Ostalpen Sloweniens und den Norden der Dinariden. Isolierte Vorkommen existieren auch in den Julischen Alpen und im nördlichen Apennin.
Das bevorzugte Habitat liegt in der montanen und subalpinen Höhenstufe, typischerweise zwischen 800 und 2.000 Metern. In günstigen Lagen wurden Individuen jedoch auch in Höhen von über 2.500 Metern nachgewiesen, was den Alpensalamander zu einem der am höchsten vorkommenden Amphibien Europas macht. Er besiedelt feuchte Bergmischwälder, Almwiesen, Geröllfelder, Blockhalden und Bachufer. Entscheidend für das Vorkommen ist eine hohe Bodenfeuchtigkeit und das Vorhandensein von Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz oder in Felsspalten. Anders als viele andere Amphibien ist der Alpensalamander nicht auf stehende oder fließende Gewässer als Fortpflanzungsbiotop angewiesen.
Ernährung
Der Alpensalamander ernährt sich ausschließlich carnivor. Sein Nahrungsspektrum umfasst vor allem wirbellose Tiere: Regenwürmer, Nacktschnecken, Käfer, Asseln, Spinnen und verschiedene Insektenlarven stehen auf dem Speiseplan. Die Beute wird durch Sichtjagd auf kurze Distanz erfasst und mit einem schnellen Zuschnappen des Mauls ergriffen. Da die Tiere vorwiegend bei Regen und in der Dämmerung aktiv sind, nutzen sie die erhöhte Aktivität ihrer Beutetiere unter feuchten Bedingungen. In den kalten Monaten – während der langen alpinen Winter – stellt der Alpensalamander die Nahrungsaufnahme vollständig ein.
Verhalten & Lebensweise
Der Alpensalamander ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Einzelgänger. Tagsüber verbirgt er sich in feuchten Verstecken unter Steinen, Baumwurzeln, in Erdlöchern oder Felsspalten. Bei Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit zeigt er sich auch am Tag auf offenen Flächen – diese Eigenschaft hat ihm regional den volkstümlichen Namen „Regenmännchen" oder „Bergmandl" eingebracht.
Die Art hält eine ausgeprägte Winterruhe, die je nach Höhenlage von Oktober bis April oder Mai dauern kann. In Hochlagen kann die aktive Phase des Jahres auf weniger als vier Monate beschränkt sein. Die Überwinterung erfolgt in frostfreien Erdlöchern, Felsspalten oder tiefen Gesteinsritzen, oft in kleinen Gruppen von mehreren Individuen.
Alpensalamander sind standorttreu und bewegen sich in einem kleinen Aktionsradius von wenigen Dutzend Metern. Ein ausgeprägtes Revierverhalten im engeren Sinne ist nicht dokumentiert, doch die Tiere nutzen wiederholt dieselben Tagesverstecke und Wanderrouten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie des Alpensalamanders ist unter den europäischen Amphibien einzigartig. Die Art ist vollständig ovovivipar – die Weibchen bringen fertig entwickelte, lungenatmende Jungtiere zur Welt. Ein Gewässer als Laichhabitat ist nicht erforderlich, was die Besiedlung gewässerferner Hochgebirgslagen überhaupt erst ermöglicht.
Die Paarung findet an Land statt. Nach einer inneren Befruchtung entwickeln sich im Uterus des Weibchens zunächst mehrere Eier, von denen jedoch in der Regel nur zwei Larven – eine pro Uterushorn – bis zur Geburt überleben. Die übrigen Eier dienen als Nähreier (sogenannte Adelphophagie) und werden von den sich entwickelnden Larven im Mutterleib aufgezehrt.
Die Tragzeit ist extrem lang und stark höhenabhängig: In tieferen Lagen beträgt sie etwa zwei Jahre, in Hochlagen über 2.000 Metern kann sie bis zu drei Jahre dauern. Die Jungtiere werden mit einer Länge von etwa 4–5 cm geboren und sind sofort selbstständ