Fadenmolch
FTierart – Amphibien > Schwanzlurche – Salamander & Molche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lissotriton helveticus (Razoumowsky, 1789)
- Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
- Familie: Echte Salamander und Molche (Salamandridae)
- Gattung: Kleine Wassermolche (Lissotriton)
- Lebensraum: Laubwälder, Feuchtwiesen, Gewässerränder; bevorzugt hügeliges bis montanes Gelände
- Größe: 7–9,5 cm (Gesamtlänge einschließlich Schwanz)
- Gewicht: 1–3 g
- Lebenserwartung: bis etwa 12 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Fadenmolch gehört zu den kleinsten Molcharten Europas. Sein Körper ist schlank und zierlich gebaut, die Haut glatt und im Vergleich zu anderen Molchen nur schwach strukturiert. Die Grundfärbung der Oberseite variiert von olivbraun über gelbbraun bis hin zu einem hellen Bronzeton. Die Flanken sind etwas heller und tragen häufig vereinzelte dunkle Flecken. Die Unterseite fällt durch eine blasse, gelblich bis orangefarbene Tönung auf, die im Gegensatz zu verwandten Arten wie dem Teichmolch (Lissotriton vulgaris) meist keine ausgeprägte Fleckung zeigt.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich in der Landtracht nur geringfügig. In der Wassertracht jedoch entwickeln die Männchen ein auffälliges Merkmal, das der Art ihren deutschen Namen gibt: Am Ende des Schwanzes bildet sich ein feiner, fadenartiger Fortsatz von bis zu 8 mm Länge. Dieser Schwanzfaden ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal und dient während der Balz als optisches Signal. Zusätzlich entwickeln die Männchen in der Wassertracht niedrige, glatte Hautsäume entlang des Rückens und dunkle Schwimmhäute an den Hinterfüßen. Die Hinterfüße wirken dadurch vergrößert und paddelartig – ein weiteres sicheres Erkennungsmerkmal gegenüber ähnlichen Arten.
Der Kopf ist flach, die Schnauze abgerundet. Die Augen sind relativ groß und seitlich gestellt. An beiden Kopfseiten verlaufen von der Schnauze bis hinter das Auge dunkle Längsstreifen, die besonders bei Weibchen und Jungtieren gut sichtbar sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Fadenmolchs erstreckt sich über West- und Mitteleuropa. Der Schwerpunkt liegt in Frankreich, den Benelux-Staaten, der Schweiz und den westlichen Teilen Deutschlands. In Deutschland kommt die Art vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Niedersachsen vor. Östlich der Weser wird der Fadenmolch zunehmend seltener; in Ostdeutschland fehlt er weitgehend. Weitere Vorkommen existieren auf den Britischen Inseln und im nördlichen Spanien.
Als Habitat bevorzugt der Fadenmolch strukturreiche Laub- und Mischwälder mit hoher Bodenfeuchtigkeit. Besonders typisch sind bewaldete Hänge und Bachtäler im Hügel- und Bergland. Seine Laichgewässer sind überwiegend klein und schattig: Waldtümpel, Quellbecken, wassergefüllte Wagenspuren, Gräben und kleine Teiche. Im Gegensatz zum Teichmolch oder Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) meidet der Fadenmolch eher offene, stark besonnte Gewässer. An das Landbiotop stellt die Art hohe Anforderungen hinsichtlich Feuchtigkeit und Strukturreichtum – Totholz, Laubstreu und Moospolster dienen als Verstecke.
Ernährung
Der Fadenmolch ernährt sich wie alle heimischen Molche rein karnivor. An Land nimmt er kleine Wirbellose auf: Springschwänze, Milben, winzige Käfer und Schnecken gehören zum Nahrungsspektrum. Im Wasser frisst er Kleinkrebse (Wasserflöhe, Hüpferlinge), Mückenlarven und andere aquatische Invertebraten. Aufgrund seiner geringen Körpergröße beschränkt sich die Beute auf sehr kleine Organismen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Zuschnappen; die Beute wird dabei mit den kleinen Kieferzähnen festgehalten und im Ganzen verschluckt.
Verhalten & Lebensweise
Der Fadenmolch ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in feuchten Verstecken unter Steinen, Totholz oder in Laubschichten. Im Frühjahr – je nach Witterung zwischen Februar und April – wandern die Tiere zu ihren Laichgewässern, wobei die Wanderstrecken selten mehr als einige hundert Meter betragen. Die aquatische Phase dauert mehrere Wochen bis Monate; danach kehren die adulten Tiere an Land zurück.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit lebt der Fadenmolch einzelgängerisch und territorial im engeren Sinne kaum, da er keine Reviere verteidigt. Die Überwinterung findet an Land statt, meist in frostfreien Hohlräumen, unter Baumwurzeln, in Gesteinsspalten oder in Kleinsäugerbauten. In milden Wintern können einzelne Tiere auch im Gewässer überwintern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist an das Wasser gebunden. Nach der Frühjahrswanderung beginnt die Balz im Laichgewässer. Das Männchen positioniert sich vor dem Weibchen und schlägt rhythmisch mit dem Schwanz, wobei der charakteristische Schwanzfaden gut sichtbar wird. Dieser Balztanz dient dazu, Duftstoffe (Pheromone) aus Drüsen an der Kloake zum Weibchen zu fächeln.
Nach erfolgreicher Balz setzt das Männchen eine Spermatophore – ein gestieltes Samenpaket – auf dem Gewässerboden ab, die das Weibchen mit der Kloake aufnimmt (innere Befruchtung). Die Eiablage erfolgt einzeln: Jedes Ei wird sorgfältig in ein Blatt einer Wasserpflanze eingewickelt, indem das Weibchen das Blatt mit den Hinterbeinen umknickt. Ein Weibchen legt während einer Saison zwischen