Amerikanische Schabe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Periplaneta americana
- Ordnung: Blattodea (Schaben)
- Familie: Blattidae (Großschaben)
- Gattung: Periplaneta
- Lebensraum: Tropische und subtropische Gebiete weltweit; in gemäßigten Zonen synanthrop in beheizten Gebäuden
- Größe: 28–44 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 0,8–1,2 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre (Adulttiere ca. 12–15 Monate)
Aussehen & Merkmale
Die Amerikanische Schabe ist die größte der häufig in menschlicher Umgebung vorkommenden Schabenarten. Ihr Körper ist dorsoventral abgeflacht, rotbraun bis kastanienbraun gefärbt und weist einen seidigen Glanz auf. Das Pronotum – der schildartige Abschnitt des Halsschildes – trägt eine charakteristische hellgelbe bis ockerfarbene Randzeichnung, die eine Art Rahmen bildet und als sicheres Erkennungsmerkmal gegenüber verwandten Arten wie der Deutschen Schabe (Blattella germanica) oder der Orientalischen Schabe (Blatta orientalis) dient.
Beide Geschlechter besitzen voll ausgebildete Flügel, die den Hinterleib überragen. Die Männchen haben etwas längere Flügel als die Weibchen. Trotz des gut entwickelten Flügelpaares fliegt die Art selten und bevorzugt schnelles Laufen als Fortbewegung. Die langen, peitschenförmigen Antennen erreichen oft die gesamte Körperlänge und dienen als hochempfindliche Sinnesorgane für Gerüche, Luftströmungen und Berührungsreize. Am Hinterleibsende sitzen zwei deutlich sichtbare Cerci – fadenförmige Anhänge, die feinste Luftbewegungen registrieren und eine blitzschnelle Fluchtreaktion auslösen können.
Die sechs Beine sind mit Dornen besetzt und enden in Haftlappen (Arolien) sowie Klauen, die dem Tier das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen. Nymphen ähneln den Adulttieren in der Grundfärbung, sind jedoch flügellos und durchlaufen im Laufe ihrer Entwicklung bis zu 13 Häutungen.
Lebensraum & Verbreitung
Entgegen dem irreführenden deutschen Namen stammt Periplaneta americana ursprünglich nicht aus Nordamerika, sondern aus den tropischen Regionen Afrikas. Durch den Schiffshandel gelangte die Art bereits im 17. Jahrhundert nach Amerika und verbreitete sich in der Folge weltweit. Heute ist sie kosmopolitisch verbreitet und kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind warme, feuchte Biotope. In tropischen und subtropischen Regionen lebt sie sowohl im Freiland – etwa in Laubstreu, unter Baumrinde und in Kanalisationssystemen – als auch in Gebäuden. In gemäßigten Klimazonen wie Mitteleuropa ist sie auf beheizte Innenräume angewiesen und besiedelt vorwiegend Keller, Großküchen, Bäckereien, Krankenhäuser, Gewächshäuser und das Abwassersystem. Temperaturen unter 15 °C verlangsamen ihre Aktivität erheblich; Frost ist tödlich. Das Verbreitungsgebiet in Europa beschränkt sich daher auf synanthrope Populationen in städtischen Wärmeinseln.
Ernährung
Die Amerikanische Schabe ist ein ausgesprochener Omnivore. Ihr Nahrungsspektrum umfasst pflanzliche und tierische Stoffe gleichermaßen: Lebensmittelreste, Obst, Brot, Fleisch, Käse, Leder, Papier, Bucheinbände, Tapetenkleister, Haare, Hautschuppen und sogar Seife werden aufgenommen. In Extremsituationen frisst sie tote Artgenossen (Nekrophagie) oder nagt an schlafenden Menschen Hautpartikel ab.
Der Verdauungstrakt beherbergt eine spezialisierte Darmflora, darunter Bakterien und Protozoen, die beim Aufschluss schwer verdaulicher Substanzen wie Zellulose helfen. Wasser ist für das Überleben entscheidender als feste Nahrung – ohne Trinkwasser überlebt ein Adulttier nur etwa eine Woche, ohne Nahrung dagegen bis zu einem Monat.
Verhalten & Lebensweise
Periplaneta americana ist überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbirgt sie sich in engen Spalten, Ritzen und dunklen Hohlräumen, wobei sie den engen Kontakt zu Oberflächen (Thigmotaxis) bevorzugt. Bei Einbruch der Dunkelheit verlässt sie ihre Verstecke zur Nahrungssuche.
Die Art lebt gesellig, ohne jedoch ein echtes Sozialverhalten im engeren Sinne zu zeigen. Aggregationen entstehen durch Aggregationspheromone, die im Kot enthalten sind und Artgenossen anlocken. Diese chemische Kommunikation führt dazu, dass sich große Gruppen in gemeinsamen Verstecken einfinden. Werden die Tiere gestört, reagieren sie mit extremer Fluchtgeschwindigkeit – gemessen wurden Sprintgeschwindigkeiten von bis zu 5,4 km/h, was sie relativ zu ihrer Körpergröße zu einem der schnellsten laufenden Insekten macht.
Gelegentlich nutzen die Tiere ihre Flügel für kurze Gleitflüge, besonders bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Gerichteter Aktivflug kommt hingegen selten vor.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird durch Sexualpheromone eingeleitet, die das Weibchen über spezielle Drüsen absondert. Bei der Balz hebt das Männchen die Flügel an und bietet dem Weibchen Sekrete aus einer Tergaldrüse auf dem Rücken an. Während das Weibchen dieses Sekret aufnimmt, erfolgt die Kopulation.
Das Weibchen bildet nach der Befruchtung eine Oothek – eine schützende Eikapsel von etwa 8 mm Länge und dunkelbrauner Färbung. Jede Oothek enthält durchschnittlich 14–16 Eier. Das Weibchen trägt die Oothek zunächst wenige Tage am Hinterleib und klebt sie dann an eine geschützte Stelle. Im Lau