Fangschrecke
FTierart – Insekten > Geradflügler & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mantodea (Ordnung)
- Ordnung: Mantodea (Fangschrecken)
- Familien: ca. 15 Familien, darunter Mantidae (Echte Fangschrecken), Empusidae (Empusen), Hymenopodidae (Blütenmantiden)
- Artenvielfalt: über 2.400 beschriebene Arten weltweit
- Lebensraum: tropische und subtropische Regionen, vereinzelt in gemäßigten Breiten; Wiesen, Sträucher, Baumkronen, Trockenrasen
- Größe: 10 mm (kleinste Arten) bis über 170 mm (z. B. Ischnomantis gigas)
- Gewicht: je nach Art zwischen 0,1 g und ca. 9 g
- Lebenserwartung: 6–12 Monate (adulte Tiere), selten bis 18 Monate in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Fangschrecken, umgangssprachlich auch Gottesanbeterinnen genannt, gehören zu den morphologisch auffälligsten Insektenordnungen. Ihr Körperbau ist langgestreckt und seitlich leicht abgeflacht. Der dreieckige, äußerst bewegliche Kopf sitzt auf einem verlängerten Prothorax (Halsschild) und kann als einziger unter den Insekten um fast 180 Grad gedreht werden. Die großen Komplexaugen stehen seitlich ab und ermöglichen räumliches Sehen – eine Seltenheit bei Insekten, die für die Entfernungseinschätzung beim Beutefang entscheidend ist. Zwischen den Facettenaugen liegen drei Punktaugen (Ocellen), die der Lichtwahrnehmung dienen.
Das namensgebende Merkmal der Ordnung sind die zu Fangbeinen umgebildeten Vorderbeine. Diese Raptorialextremitäten bestehen aus einem verdickten Femur (Oberschenkel) und einer einklappbaren Tibia (Schiene), die beide mit Dornenreihen besetzt sind. Die Fangbewegung dauert zwischen 30 und 70 Millisekunden und gehört damit zu den schnellsten Bewegungsabläufen im Tierreich. Die beiden hinteren Beinpaare dienen der Fortbewegung.
Die meisten Arten besitzen zwei Flügelpaare. Die Vorderflügel sind als schmale, leicht ledrige Tegmina ausgebildet und schützen die darunter liegenden, häutigen Hinterflügel. Einige Arten, besonders unter den Weibchen, sind flügelreduziert oder flugunfähig. Die Körperfärbung variiert je nach Habitat stark: Von Blattgrün über Rindenbraun bis hin zu leuchtenden Blütenfarben bei Arten wie der Orchideenmantis (Hymenopus coronatus) reicht das Spektrum der Tarn- und Mimikrymuster.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Fangschrecken erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis, wobei die höchste Artendiversität in den Tropen und Subtropen liegt. Afrika und Südostasien gelten als Zentren der Artenvielfalt. In Europa kommen rund 40 Arten vor. Die bekannteste europäische Vertreterin ist die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa), deren Verbreitungsgebiet von Südeuropa bis nach Mittelasien reicht und sich durch klimatische Veränderungen zunehmend nach Norden ausdehnt. In Deutschland wurde Mantis religiosa vor allem am Kaiserstuhl und in der Oberrheinebene nachgewiesen, breitet sich jedoch in wärmebegünstigten Biotopen weiter aus.
Je nach Art besiedeln Fangschrecken unterschiedliche Habitate: Trockenrasen, Buschland, Regenwälder, Savannen und sogar Wüstenränder. Einige Arten leben bodennah in der Krautschicht, andere bevorzugen Sträucher und Baumkronen. Die Habitatwahl hängt eng mit der jeweiligen Tarnstrategie zusammen.
Ernährung
Fangschrecken sind ausnahmslos räuberisch lebende Insekten. Sie ernähren sich von einer breiten Palette an Beutetieren, vor allem von anderen Insekten wie Fliegen, Heuschrecken, Schmetterlingen, Grillen und Käfern. Größere Arten erbeuten gelegentlich auch kleine Wirbeltiere – darunter Eidechsen, Frösche, kleine Schlangen und Kolibris. Kannibalismus innerhalb der eigenen Art kommt vor, besonders bei Nahrungsknappheit und während der Paarung.
Die Jagdstrategie ist überwiegend die eines Lauerjägers. Fangschrecken verharren regungslos in ihrer Tarnhaltung, bis ein Beutetier in Reichweite der Fangbeine gelangt. Der Zugriff erfolgt in Bruchteilen einer Sekunde. Einige wenige Arten zeigen auch ein aktives Jagdverhalten und pirschen sich langsam an ihre Beute heran. Die Nahrungsaufnahme beginnt typischerweise am Kopf des Beutetiers.
Verhalten & Lebensweise
Fangschrecken sind überwiegend tagaktive Einzelgänger, die kein Revier im engeren Sinne verteidigen, jedoch ortstreue Lauerjäger sind. Nachtaktive Arten existieren ebenfalls, vor allem unter den flugfähigen Männchen, die nach Einbruch der Dunkelheit auf Partnersuche gehen. Dabei nutzen sie ein einzelnes Ohr, das sich als sogenanntes Cyclopean-Ohr zwischen den Hinterbeinen befindet und Ultraschallrufe von Fledermäusen wahrnehmen kann – eine Anpassung zur Feindvermeidung im Flug.
Bei Bedrohung zeigen viele Fangschrecken ein ausgeprägtes Drohverhalten (Deimatik): Sie spreizen die Fangbeine, richten den Oberkörper auf, entfalten die Flügel und präsentieren häufig auffällig gefärbte Innenseiten der Vorderbeine oder Flügel. Dieses Imponiergehabe soll potenzielle Fressfeinde wie Vögel oder Eidechsen abschrecken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz bei Fangschrecken ist ein risikoreicher Vorgang – vor allem für das Männchen. Die Paarung wird durch visuelle Reize und bei einigen Arten durch Pheromone des We