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Deutsche Schabe

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Blattella germanica
  • Ordnung: Blattodea (Schaben)
  • Familie: Ectobiidae (Waldschaben)
  • Gattung: Blattella
  • Lebensraum: Synanthrop; Gebäude, Großküchen, Bäckereien, Krankenhäuser, Wohnungen
  • Größe: 10–16 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 0,1–0,2 g
  • Lebenserwartung: ca. 100–200 Tage (adulte Tiere)

Aussehen & Merkmale

Die Deutsche Schabe ist ein relativ kleines, dorsoventral abgeflachtes Insekt mit einer Körperlänge von 10 bis 16 Millimetern. Die Grundfärbung des Chitinpanzers reicht von hellbraun bis gelbbraun. Besonders auffällig sind zwei dunkle, parallel verlaufende Längsstreifen auf dem Pronotum (Halsschild), die als sicherstes Erkennungsmerkmal gegenüber verwandten Arten dienen. Beide Geschlechter besitzen voll ausgebildete, den Hinterleib bedeckende Flügel, die jedoch kaum zum aktiven Flug genutzt werden. Im Bedarfsfall gleiten die Tiere allenfalls kurze Strecken.

Der Kopf ist relativ klein und wird vom breit ausladenden Halsschild teilweise verdeckt. Die Mundwerkzeuge sind vom kauend-beißenden Typ und ermöglichen die Verwertung eines extrem breiten Nahrungsspektrums. Die langen, fadenförmigen Antennen bestehen aus zahlreichen Gliedern und dienen der Chemo- und Mechanorezeption. Die sechs Laufbeine tragen Haftpolster (Arolien) und Klauen, die ein schnelles Laufen auf glatten und vertikalen Oberflächen ermöglichen. Die Cerci am Hinterleibsende reagieren empfindlich auf Luftströmungen und lösen die charakteristische Fluchtreaktion aus.

Lebensraum & Verbreitung

Trotz ihres deutschen Namens liegt der Ursprung von Blattella germanica vermutlich in Südostasien. Die Art wurde durch den weltweiten Handel und Warenverkehr auf alle Kontinente verschleppt und gilt heute als kosmopolitisch verbreiteter Kulturfolger. In tropischen Regionen kann sie auch im Freien überleben, während sie in gemäßigten Breiten ausschließlich in beheizten Innenräumen vorkommt und damit obligat synanthrop lebt.

Bevorzugte Habitate sind warme, feuchte Bereiche mit Zugang zu Nahrung und Wasser. Das Verbreitungsgebiet innerhalb eines Gebäudes konzentriert sich daher auf Küchen, Backstuben, Kantinen, Lebensmittellager, Heizungskeller und sanitäre Anlagen. Auch in Krankenhäusern, Hotels und gastronomischen Betrieben tritt die Art regelmäßig auf. Die ideale Umgebungstemperatur liegt zwischen 25 und 30 °C; unterhalb von 5 °C sterben die Tiere nach kurzer Zeit ab.

Ernährung

Die Deutsche Schabe ist ein ausgesprochener Omnivore. Sie verwertet praktisch jedes organische Material: Lebensmittelreste, Brotkrümel, Fette, Zucker, Fleisch, Obst, Papier, Buchbinderleim, Seifenreste, Hautschuppen und sogar Haare. Bei Nahrungsmangel kommt es zu Kannibalismus, wobei vor allem geschwächte Artgenossen, Nymphen oder frisch gehäutete Individuen gefressen werden. Wasser ist ein limitierender Faktor – ohne Zugang zu Feuchtigkeit überleben adulte Tiere nur wenige Tage, während sie ohne feste Nahrung mehrere Wochen auskommen können.

Verhalten & Lebensweise

Die Deutsche Schabe ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbergen sich die Tiere in engen Spalten, hinter Verkleidungen, in Hohlräumen von Geräten und in anderen dunklen Rückzugsorten. Sie leben in Aggregationen, die durch ein im Kot enthaltenes Aggregationspheromon zusammengehalten werden. Dieses Pheromon signalisiert gleichzeitig einen geeigneten Aufenthaltsort mit Nahrung und Schutz. Werden tagsüber einzelne Individuen offen beobachtet, deutet dies auf einen starken Befallsdruck hin, bei dem die Versteckkapazität nicht mehr ausreicht.

Die Fortbewegung erfolgt ausschließlich laufend. Die Tiere sind ausgesprochen schnell und reagieren auf Erschütterungen und Lichtreize mit sofortiger Flucht – eine Eigenschaft, die die Bekämpfung erschwert. Zwischen verschiedenen Räumen und Stockwerken breiten sich Populationen über Leitungsschächte, Kabelkanäle und andere bauliche Verbindungen aus.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung wird durch flüchtige Sexualpheromone des Weibchens eingeleitet. Nach der Kopulation bildet das Weibchen eine Oothek (Eipaket), die etwa 30 bis 40 Eier enthält. Anders als bei vielen anderen Schabenarten trägt das Weibchen die Oothek bis kurz vor dem Schlupf der Nymphen an der Hinterleibsspitze mit sich. Diese Brutfürsorge erhöht die Überlebensrate der Eier erheblich, da sie vor Austrocknung und Parasiten geschützt sind.

Die Nymphen schlüpfen nach einer Entwicklungszeit von etwa 28 Tagen und durchlaufen sechs bis sieben Häutungsstadien (Instars), bevor sie nach rund 40 bis 60 Tagen die Geschlechtsreife erreichen. Frisch gehäutete Nymphen sind zunächst weiß und dunkeln innerhalb weniger Stunden nach. Ein Weibchen kann im Lauf seines Lebens vier bis acht Ootheken produzieren, sodass eine einzige weibliche Schabe theoretisch für Hunderte von Nachkommen verantwortlich ist. Unter optimalen Bedingungen kann eine Population innerhalb weniger Monate exponentiell anwachsen.

Bedrohung & Schutzstatus

Die Deutsche Schabe ist weder bedroht noch geschützt. Eine Einstufung durch die IUCN besteht nicht. Im Gegenteil zählt Blattella germanica zu den weltweit häufigsten und erfolgreichsten Schadinsekten. Sie gilt als Hygieneschädling, da sie Krankheitserreger wie Salmonellen, Escherichia coli und verschiedene Schimmelpil