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Gottesanbeterin

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Mantis religiosa
  • Ordnung: Fangschrecken (Mantodea)
  • Familie: Mantidae (Gottesanbeterinnen)
  • Gattung: Mantis
  • Lebensraum: Trockenwarme Graslandschaften, Buschland, Brachen, Gartenränder
  • Größe: 50–75 mm (Weibchen), 40–65 mm (Männchen)
  • Gewicht: ca. 3–7 g
  • Lebenserwartung: etwa 6–8 Monate (nach dem Schlupf bis zum Herbst/Winter)

Aussehen & Merkmale

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist ein mittelgroßes Insekt mit einem langgestreckten, schlanken Körperbau. Auffälligstes Merkmal sind die zu Fangbeinen umgebildeten Vorderbeine, die in Ruhestellung angewinkelt vor dem Körper gehalten werden – eine Haltung, die an eine betende Person erinnert und dem Tier seinen Namen gab. Die Fangbeine tragen an Femur und Tibia kräftige Dornenreihen, mit denen Beutetiere blitzschnell gegriffen und festgeklemmt werden.

Der dreieckige, sehr bewegliche Kopf sitzt auf einem verlängerten Prothorax (Halsschild) und lässt sich um fast 180 Grad drehen. Die großen Komplexaugen ermöglichen ein hervorragendes räumliches Sehen – eine bei Insekten seltene Eigenschaft. Zwischen den Facettenaugen befinden sich drei kleine Punktaugen (Ocellen).

Die Körperfarbe variiert stark und reicht von hellem Grasgrün über Gelbgrün bis hin zu Brauntönen. Diese Farbvarianz ist nicht genetisch fixiert, sondern wird maßgeblich von der Umgebung während der letzten Häutungen beeinflusst. Beide Geschlechter besitzen zwei Flügelpaare: die ledrigen, schmaleren Vorderflügel (Tegmina) und die breiten, häutigen Hinterflügel. Männchen sind insgesamt schlanker, besitzen längere Flügel und sind deutlich flugfähiger als die schwereren, vollbepackten Weibchen.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Mantis religiosa erstreckt sich von Südeuropa und Nordafrika über Vorderasien bis nach Zentralasien. Die Art wurde im 19. Jahrhundert nach Nordamerika eingeschleppt und hat sich dort dauerhaft etabliert. In Mitteleuropa galt die Gottesanbeterin lange als selten und war auf wärmebegünstigte Standorte beschränkt. In Deutschland kam sie historisch fast ausschließlich am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg vor. Infolge des Klimawandels breitet sich die Art seit den 1990er-Jahren deutlich nach Norden aus und besiedelt inzwischen weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands, Teile Österreichs und der Schweiz.

Als Habitat bevorzugt die Gottesanbeterin trockenwarme, sonnige Biotope mit niedriger bis halbhoher Vegetation: Magerrasen, Trockenbrachen, Weinbergsränder, Ruderalflächen und extensiv genutzte Wiesen. Entscheidend sind ein ausreichendes Angebot an Beuteinsekten und offene, wärmespeichernde Strukturen. Dichte, hohe Vegetation wird gemieden.

Ernährung

Die Gottesanbeterin ist eine rein carnivor lebende Lauerjägerin. Sie verharrt über Stunden bewegungslos auf Grashalmen, Ästen oder Blütenständen und wartet, bis ein Beutetier in Reichweite ihrer Fangbeine gelangt. Der Fangschlag erfolgt in weniger als 100 Millisekunden und gehört zu den schnellsten Bewegungen im Tierreich.

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Heuschrecken, Fliegen, Schmetterlingen, Bienen, Wespen und anderen Insekten. Gelegentlich werden auch kleine Spinnen erbeutet. Große Weibchen können in Einzelfällen sogar kleine Eidechsen oder junge Frösche überwältigen. Die Beute wird stets lebend verzehrt – die Gottesanbeterin beginnt in der Regel am Kopf oder Thorax zu fressen.

Verhalten & Lebensweise

Gottesanbeterinnen sind tagaktive Einzelgänger, die kein Revier im klassischen Sinne verteidigen, aber standorttreu an günstigen Lauerpositionen verweilen. Sie sind keine sozialen Insekten; Artgenossen werden außerhalb der Paarungszeit ignoriert oder – bei Größenunterschied – als Beute behandelt.

Die Fortbewegung erfolgt langsam und bedächtig schreitend. Nur bei Störung oder auf der Suche nach Paarungspartnern legen die Tiere größere Strecken zurück. Männchen fliegen in warmen Nächten aktiv umher, um Weibchen zu finden – sie werden dabei häufig von künstlichen Lichtquellen angelockt. Bei Bedrohung nimmt die Gottesanbeterin eine typische Drohstellung ein: Sie richtet den Oberkörper auf, spreizt die Fangbeine und fächert die Hinterflügel auf, um möglichst groß zu wirken. Auf den Innenseiten der Fangbeine befinden sich dabei auffällige dunkle Flecken (Augenflecke), die potenzielle Fressfeinde abschrecken sollen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in Mitteleuropa auf die Monate August und September. Das Männchen nähert sich dem Weibchen äußerst vorsichtig in langsamen, ruckartigen Bewegungen – eine Art Balzverhalten, das verhindern soll, als Beute wahrgenommen zu werden. Die Kopulation kann mehrere Stunden dauern. Der vielzitierte sexuelle Kannibalismus, bei dem das Weibchen den Kopf des Männchens während oder nach der Paarung frisst, kommt tatsächlich vor, ist aber nicht die Regel. Studien zeigen, dass dies in freier Natur deutlich seltener geschieht als unter Laborbedingungen, wo die Tiere keinen Fluchtweg haben.

Nach der Befruchtung legt das Weibchen eine Oothek ab – ein schaumiges Eipaket, das an Pflanzenstängeln, Steinen oder Mauern befestigt wird und beim Aushärten eine pergamentartige Schutzhülle bildet. Eine Oothek enthält je nach Ernähr