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Gespenstschrecke

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phasmatodea (Ordnung); bekannteste Art: Extatosoma tiaratum (Australische Gespenstschrecke), Phyllium philippinicum (Wandelndes Blatt)
  • Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
  • Familien: ca. 13 Familien, darunter Phasmatidae, Phylliidae (Wandelnde Blätter), Lonchodidae
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, vereinzelt in gemäßigten Zonen
  • Größe: 2 cm bis über 60 cm (Körperlänge); die größte bekannte Art, Phryganistria chinensis, erreicht mit ausgestreckten Beinen über 60 cm
  • Gewicht: Wenige Gramm; große Weibchen bis ca. 65 g
  • Lebenserwartung: 6 Monate bis ca. 2 Jahre, je nach Art und Geschlecht

Aussehen & Merkmale

Gespenstschrecken gehören zu den Meistern der Tarnung im Insektenreich. Ihr Körperbau ist extrem an die jeweilige Umgebung angepasst: Stabschrecken ahmen dürre Zweige nach, Wandelnde Blätter (Phylliidae) imitieren grüne oder welke Laubblätter, und manche Arten gleichen bemooster Rinde oder Flechten. Diese Form der Mimese – die optische Nachahmung unbelebter Objekte – ist bei keiner anderen Insektenordnung so konsequent ausgeprägt.

Der Körper ist langgestreckt und zylindrisch oder abgeflacht, je nach Tarnstrategie. Die Cuticula (Außenskelett) trägt häufig Dornen, Lappen, Leisten oder blattähnliche Erweiterungen an Beinen und Thorax. Die sechs Laufbeine sind oft dünn und stabförmig, bei manchen Arten jedoch mit blattartigen Verbreiterungen (Loben) versehen. Die Antennen können kurz und unscheinbar oder lang und fadenförmig sein.

Viele Arten sind flügellos. Bei geflügelten Formen sind die Vorderflügel (Tegmina) meist stark verkürzt, während die Hinterflügel fächerförmig gefaltet unter ihnen liegen. Männchen sind in der Regel kleiner und schlanker als Weibchen und häufiger flugfähig. Die Färbung reicht von Grün- und Brauntönen bis hin zu Schwarz, oft mit einem matten Farbwechsel, der durch Pigmentverlagerung in den Hautzellen gesteuert wird.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Phasmatodea erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Regionen aller Kontinente, mit einem Diversitätszentrum in Südostasien, Australien und Neuguinea. Einzelne Arten kommen auch in Südeuropa vor, etwa Bacillus rossius im Mittelmeerraum. Ihr bevorzugtes Habitat sind feuchte Regenwälder, Bergnebelwälder und Sekundärwälder, doch einige Arten besiedeln auch Trockenwälder, Buschland und Mangrovengebiete.

Gespenstschrecken leben fast ausschließlich arboreal, also in der Vegetation – auf Bäumen, Sträuchern und krautigen Pflanzen. Tagsüber verharren sie reglos an Ästen oder zwischen Blättern. Bodenlebende Arten sind selten und meist auf Laubstreu spezialisiert.

Ernährung

Alle Gespenstschrecken sind Pflanzenfresser (Phytophage). Sie ernähren sich von den Blättern ihrer jeweiligen Wirtspflanzen, wobei die Nahrungsspezifität je nach Art unterschiedlich ausgeprägt ist. Manche Arten sind polyphag und fressen Blätter verschiedenster Gehölze – in Terrarienhaltung etwa Brombeere, Eiche, Efeu oder Eukalyptus. Andere Arten zeigen eine enge Bindung an bestimmte Wirtspflanzen.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend nachts. Die Mandibeln sind kräftig genug, auch derbe Blätter zu zerkleinern. Gespenstschrecken fressen typischerweise vom Blattrand her und hinterlassen charakteristische, halbmondförmige Fraßspuren.

Verhalten & Lebensweise

Gespenstschrecken sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verharren sie in einer als Thanatose bezeichneten Totstellhaltung: Sie ziehen die Beine eng an den Körper oder strecken sie starr nach vorn und hinten, sodass der gesamte Körper einem Zweig oder Blatt gleicht. Diese kataleptische Starre kann bei Berührung stundenlang beibehalten werden.

Neben der Mimese verfügen einige Arten über weitere Abwehrmechanismen. Anisomorpha buprestoides und verwandte Formen spritzen ein reizendes Wehrsekret aus prothorakalen Drüsen, das die Schleimhäute von Angreifern angreift. Andere Arten zeigen bei Störung plötzlich leuchtend gefärbte Hinterflügel (Schreckfärbung) oder lassen sich einfach fallen und bleiben bewegungslos am Boden liegen.

Eine weitere Besonderheit ist die Fähigkeit zur Autotomie: Vor allem Nymphen können Beine an vorgegebenen Bruchstellen abwerfen, wenn ein Fressfeind sie ergreift. Bei der nächsten Häutung wird das verlorene Bein teilweise regeneriert – eine Fähigkeit, die bei Adulttieren nach der Imaginalhäutung erlischt.

Gespenstschrecken sind Einzelgänger ohne soziale Strukturen. Revierverhalten ist nicht bekannt. In der Natur können jedoch mehrere Individuen an einem günstigen Futterbaum locker aggregiert vorkommen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Geschlechter zeigen bei vielen Arten einen ausgeprägten Sexualdimorphismus: Weibchen sind deutlich größer und schwerer, Männchen schlanker und agiler. Eine Balz im engeren Sinne findet nicht statt; Männchen lokalisieren paarungsbereite Weibchen vermutlich über Pheromone und klettern zur Kopulation auf deren Rücken. Die Paarung kann Stunden bis Tage andauern.

Viele Arten sind zur Parthenogenese befähigt – Weibchen können ohne Befruchtung durch ein Männchen fertile Eier produzieren. Aus parthenogenetisch erzeugten Eiern schlüp