Bärenspinner
BTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arctiinae (Unterfamilie); zahlreiche Gattungen, u. a. Arctia, Spilosoma, Phragmatobia, Callimorpha
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Überfamilie: Noctuoidea
- Familie: Erebidae (früher als eigenständige Familie Arctiidae geführt)
- Unterfamilie: Arctiinae
- Lebensraum: Wälder, Wiesen, Heiden, Gärten, Feuchtgebiete – weltweit verbreitet
- Flügelspannweite: je nach Art 25–80 mm
- Gewicht: artabhängig, meist zwischen 0,2 und 1,5 g
- Lebenserwartung: Imagines wenige Tage bis Wochen; gesamter Lebenszyklus (Ei bis Imago) etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Bärenspinner verdanken ihren deutschen Namen den Raupen: Diese sind dicht mit langen, borstenartigen Haaren besetzt, die an ein Bärenfell erinnern. Die erwachsenen Falter (Imagines) zeigen ein breites Spektrum an Flügelfärbungen. Viele Arten tragen kontrastreiche Warnfarben – Kombinationen aus Schwarz, Weiß, Rot, Orange und Gelb. Ein bekanntes Beispiel ist der Brauner Bär (Arctia caja), dessen Vorderflügel ein unregelmäßiges weißes und braunes Netzmuster zeigen, während die Hinterflügel leuchtend orange mit großen blauen, schwarz gerandeten Augenflecken gefärbt sind.
Der Körper der Bärenspinner ist kräftig und pelzig beschuppt. Die Fühler sind bei den Männchen häufig gekämmt (pectiniert), bei den Weibchen fadenförmig. Die Flügelschuppen sitzen dicht und geben den Tieren ein samtiges Erscheinungsbild. Die Raupen besitzen je nach Art schwarze, braune, rötliche oder gemischte Borstenhaare, die in Büscheln an Körperwarzen (Verrucae) entspringen. Bei Berührung können diese Haare bei empfindlichen Personen Hautreizungen auslösen.
Lebensraum & Verbreitung
Die Unterfamilie Arctiinae umfasst weltweit rund 11.000 beschriebene Arten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die größte Artendichte findet sich in den Tropen, doch auch in der gemäßigten Zone Europas sind zahlreiche Vertreter heimisch. In Mitteleuropa kommen etwa 60 Arten vor.
Die Habitatansprüche variieren stark. Der Wegerichbär (Parasemia plantaginis) besiedelt alpine Magerrasen und Heiden, der Schönbär (Callimorpha dominula) bevorzugt feuchte Laubwälder und bachbegleitende Hochstaudenfluren, während der Zimtbär (Phragmatobia fuliginosa) als Kulturfolger in Gärten, an Wegrändern und auf Ruderalflächen auftritt. Generell nutzen Bärenspinner Biotope mit einem reichhaltigen Angebot an krautigen Pflanzen, da die Raupen polyphag leben.
Ernährung
Die Raupen der meisten Bärenspinner-Arten sind ausgesprochen polyphag, das heißt sie fressen an einer Vielzahl verschiedener Pflanzen. Zu den Nahrungspflanzen gehören Löwenzahn, Brennnessel, Wegerich, Ampfer, Salweide, Brombeere und zahlreiche weitere krautige Gewächse sowie Sträucher. Einige Arten nehmen gezielt Pflanzen mit Pyrrolizidinalkaloiden auf – etwa Greiskraut (Senecio) oder Borretschgewächse. Die Raupen speichern diese Giftstoffe im Körper und geben sie an die Puppe und den späteren Falter weiter, was ihnen einen wirksamen chemischen Schutz vor Fressfeinden verleiht.
Die adulten Falter nehmen bei vielen Arten keine oder nur wenig Nahrung auf. Einige Vertreter, darunter der Schönbär, besuchen Blüten und trinken Nektar. Männchen bestimmter Gattungen lecken an verwelkenden Pflanzenteilen, um Pyrrolizidinalkaloide aufzunehmen, die sie als Vorstufe für Sexualpheromone benötigen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Bärenspinner sind nachtaktiv und werden von künstlichen Lichtquellen angezogen, was sie zu häufigen Gästen an Leuchttürmen, Straßenlaternen und beleuchteten Fenstern macht. Einige Arten wie der Schönbär oder der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) fliegen dagegen auch tagsüber.
Werden Bärenspinner von Fressfeinden bedroht, setzen sie ein mehrstufiges Abwehrverhalten ein. Viele Arten entfalten bei Störung schlagartig die Hinterflügel und präsentieren ihre grellen Warnfarben (Aposematismus). Gleichzeitig können sie aus Drüsen an Thorax und Hinterleib gelbliche, alkaloidhaltige Hämolymphe absondern, die bitter schmeckt und toxisch wirkt. Einige Bärenspinner erzeugen außerdem Ultraschallklicks mit speziellen Tymbalorganen am Metathorax. Diese Laute dienen zum einen der akustischen Warnung gegenüber echoortenden Fledermäusen, zum anderen können sie das Sonar der Fledermäuse stören.
Die Raupen rollen sich bei Gefahr zusammen und stellen ihre Borstenhaare auf. Durch ihre dichte Behaarung sind sie für viele Vögel und andere Prädatoren schwer zu verschlucken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird durch Pheromone eingeleitet, die das Weibchen aus einer Drüse am Hinterleibsende abgibt. Männchen können diese Duftstoffe mit ihren gekämmten Fühlern über große Entfernungen wahrnehmen. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in Gelegen oder einzeln an geeigneten Nahrungspflanzen ab. Ein Gelege umfasst je nach Art zwischen 100 und über 1.000