Blutbär
BTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tyria jacobaeae (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bärenspinner (Erebidae, Unterfamilie Arctiinae)
- Gattung: Tyria
- Synonyme/Volksnamen: Jakobskrautbär, Karminbär, Blutbärchen
- Lebensraum: Trockenrasen, Brachflächen, Wegränder, Ruderalfluren, Bahndämme
- Flügelspannweite: 32–42 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
- Lebenserwartung Imago: ca. 2–4 Wochen
- Entwicklungsdauer (gesamt): etwa ein Jahr (eine Generation pro Jahr)
Aussehen & Merkmale
Der Blutbär gehört zu den wenigen einheimischen Nachtfaltern, die auch tagsüber sofort ins Auge fallen. Die Vorderflügel sind schwarzgrau gefärbt und tragen zwei markante karminrote Längsstreifen sowie einen ebenso gefärbten Fleck am Vorderrand nahe der Flügelspitze. Die Hinterflügel leuchten durchgehend karminrot mit einem schmalen schwarzen Saum. Diese kontrastreiche Färbung – Schwarz und Rot – ist ein klassisches Beispiel für aposematische Warnfärbung, die Fressfeinden signalisiert, dass das Tier ungenießbar oder giftig ist.
Der Körper ist schlank und ebenfalls überwiegend schwarz, wobei am Hinterleib und an den Schulterdecken (Tegulae) rötliche Bereiche auftreten können. Die fadenförmigen Fühler sind bei beiden Geschlechtern ähnlich gebaut und nicht gefiedert, was den Blutbär von vielen anderen Bärenspinnern unterscheidet. Die Beine sind lang und dünn, typisch für einen Falter, der häufig zwischen Pflanzenstängeln umherklettert.
Die Raupe ist ebenso auffällig: Sie trägt eine leuchtend schwarz-gelb geringelte Zeichnung und wird bis zu 30 mm lang. Auch diese Warnfärbung verweist auf die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden aus der Futterpflanze, die sowohl die Raupe als auch den späteren Falter für viele Prädatoren ungenießbar machen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Blutbären erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis Zentralasien vor. In Mitteleuropa ist der Falter weit verbreitet, tritt aber nicht überall häufig auf. Darüber hinaus wurde Tyria jacobaeae gezielt in Australien, Neuseeland und Nordamerika eingeführt, um dort das invasive Jakobs-Greiskraut biologisch zu bekämpfen.
Als Habitat bevorzugt der Blutbär offene, trockene bis mäßig feuchte Biotope mit ausreichendem Bestand an Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) oder verwandten Greiskraut-Arten. Typische Fundorte sind Magerrasen, Brachflächen, Wegränder, Bahndämme, Küstendünen und lichte Waldränder. Entscheidend für ein stabiles Vorkommen ist weniger der Bodentyp als vielmehr das Vorhandensein der Futterpflanze in ausreichender Dichte.
Ernährung
Die Raupen des Blutbären sind weitgehend auf Greiskraut-Arten (Gattung Senecio) spezialisiert. Hauptfutterpflanze ist das Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea), von dem sich sowohl der deutsche Artname „Jakobskrautbär" als auch der wissenschaftliche Name „jacobaeae" ableiten. Daneben werden gelegentlich Gemeines Greiskraut (Senecio vulgaris), Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens) und weitere Senecio-Arten angenommen.
Die in diesen Pflanzen enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide sind für die meisten Wirbeltiere giftig. Die Raupen sequestrieren diese Substanzen, lagern sie im Körper ein und transportieren sie über das Puppenstadium hinweg bis in den adulten Falter. Dadurch sind alle Lebensstadien chemisch geschützt. Die Imagines nehmen in der Regel keine oder nur minimal Nahrung auf; ihre Mundwerkzeuge sind zwar funktionsfähig, aber die adulte Lebensphase dient primär der Fortpflanzung.
Verhalten & Lebensweise
Obwohl der Blutbär systematisch zu den Nachtfaltern gezählt wird, ist er überwiegend tagaktiv. Er fliegt bei Sonnenschein in niedrigem, eher trägem Flug über offene Vegetation. Nachts ruht er an Pflanzenstängeln. Eine Revierbildung im eigentlichen Sinne findet nicht statt; die Männchen suchen aktiv nach Weibchen, indem sie geeignete Habitate patrouillieren.
Die Raupen leben gesellig und treten häufig in größeren Gruppen an einer Futterpflanze auf. Bei starkem Befall können sie ein Jakobs-Greiskraut vollständig kahl fressen und dann zu benachbarten Pflanzen abwandern. Dieses Massenauftreten macht sie zu einem der wirksamsten natürlichen Gegenspieler des Jakobs-Greiskrauts.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in Mitteleuropa von Ende Mai bis Juli. Die Art ist univoltin, bringt also eine Generation pro Jahr hervor. Nach der Paarung legt das Weibchen seine gelben, ovalen Eier in Gelegen von 30 bis 60 Stück an die Blattunterseiten oder Stängel der Futterpflanzen ab. Pro Weibchen können insgesamt bis zu 300 Eier produziert werden.
Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und durchlaufen fünf Larvenstadien. Anfangs fressen sie an der Blattunterseite, später verzehren sie Blätter, Blüten und Stängel vollständig. Nach einer Entwicklungszeit von vier bis sechs Wochen verpuppen sich die ausgewachsenen Raupen in einem lockeren Gespinst am Boden, häufig unter der Laubstreu oder in den oberen Bodenschichten. Die Puppe überwintert, und der Falter schlüpft im