Frostspanner
FTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Operophtera brumata (Kleiner Frostspanner); Erannis defoliaria (Großer Frostspanner)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Spanner (Geometridae)
- Gattung: Operophtera bzw. Erannis
- Lebensraum: Laubwälder, Obstgärten, Parks, Heckenlandschaften
- Flügelspannweite (Männchen): 22–30 mm (Kleiner Frostspanner), 35–45 mm (Großer Frostspanner)
- Gewicht: wenige Milligramm (artabhängig)
- Lebenserwartung Imago: wenige Wochen (Oktober bis Dezember)
Aussehen & Merkmale
Unter dem Namen „Frostspanner" werden im deutschsprachigen Raum vor allem zwei Arten zusammengefasst: der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata) und der Große Frostspanner (Erannis defoliaria). Beide gehören zur Familie der Spanner (Geometridae), deren Raupen sich durch den charakteristischen „spannenden" Gang fortbewegen – sie krümmen den Körper bogenförmig und setzen die Nachschieber direkt hinter die Brustbeine, was dem typischen Spannergang seinen Namen gibt.
Beim Kleinen Frostspanner besitzen die Männchen zarte, graubraune Vorderflügel mit undeutlichen, dunkleren Querbinden. Die Hinterflügel sind heller und einfarbig grau. Die Weibchen hingegen sind nahezu flugunfähig: Ihre Flügel sind zu kurzen, funktionslosen Stummeln reduziert. Der Körper ist plump, graubraun und erreicht eine Länge von etwa 6–8 mm.
Beim Großen Frostspanner zeigen die Männchen eine deutlich variablere Zeichnung. Die Vorderflügel tragen ein Muster aus weißlichen, ockerfarbenen und braunen Feldern, durchzogen von kräftigen dunklen Querlinien. Die Weibchen dieser Art sind vollständig flügellos und ähneln auf den ersten Blick eher einer Spinne als einem Schmetterling.
Die Raupen beider Arten sind grün gefärbt, was ihnen zwischen dem frischen Laub eine gute Tarnung verschafft. Die Raupen des Kleinen Frostspanners tragen helle Längsstreifen an den Flanken, während die des Großen Frostspanners zusätzlich eine rötlich-braune Rückenlinie aufweisen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet beider Frostspannerarten erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Sie kommen von Westeuropa über Mittelasien bis nach Japan vor. In Europa besiedeln sie nahezu alle Regionen von Skandinavien bis in den Mittelmeerraum, wobei der Kleine Frostspanner auch nach Nordamerika verschleppt wurde und dort als invasive Art gilt.
Als Habitat bevorzugen Frostspanner Laubwälder und Mischwälder mit hohem Laubholzanteil. Darüber hinaus finden sie sich regelmäßig in Streuobstwiesen, Obstplantagen, Parkanlagen und naturnahen Gärten. Die Bindung an Laubbäume ist eng – Eichen, Buchen, Hainbuchen, Ahorn und diverse Obstgehölze wie Apfel und Kirsche dienen als bevorzugte Wirtspflanzen. Reine Nadelwaldbestände werden gemieden.
Ernährung
Die erwachsenen Falter (Imagines) nehmen keine oder nur sehr geringe Nahrung auf. Ihre Mundwerkzeuge sind zurückgebildet; die kurze Lebensspanne als Falter dient ausschließlich der Fortpflanzung.
Die Raupen hingegen sind ausgesprochen polyphag. Sie fressen an den Blättern und Knospen zahlreicher Laubgehölze. Im Frühjahr bohren sich die frisch geschlüpften Larven zunächst in noch geschlossene Knospen ein und fressen diese von innen aus. Später wechseln sie auf entfaltete Blätter, die sie vom Rand her abnagen oder skelettieren. Bei starkem Befall können ganze Baumkronen kahlgefressen werden, was die Bäume erheblich schwächt. Besonders in der Forstwirtschaft und im Obstbau verursachen Frostspannerraupen daher wirtschaftlich relevante Schäden.
Verhalten & Lebensweise
Frostspanner sind strikt nachtaktiv. Die Männchen fliegen in den späten Abend- und Nachtstunden und werden von künstlichen Lichtquellen angelockt. Ihre Flugzeit fällt in die kalte Jahreszeit – je nach Witterung von Oktober bis Dezember, gelegentlich noch im Januar. Diese ungewöhnlich späte Aktivitätsperiode unterscheidet sie von den meisten anderen mitteleuropäischen Nachtfaltern und hat ihnen den volkstümlichen Namen eingebracht: Sie fliegen erst, wenn der Frost einsetzt.
Die flugunfähigen Weibchen klettern nach dem Schlüpfen aus der im Boden befindlichen Puppe an den Stämmen der Wirtsbäume empor. Dort sondern sie Pheromone ab, um die Männchen anzulocken. Dieses Verhalten nutzt der Mensch seit Langem zur Schädlingsbekämpfung: Leimringe, die im Herbst um die Baumstämme gelegt werden, fangen die aufsteigenden Weibchen ab und unterbinden so die Eiablage in der Krone.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an Knospen, in Rindenritzen oder an Astgabeln ab. Der Kleine Frostspanner legt dabei rund 200–300 Eier, der Große Frostspanner bis zu 500. Die Eier überwintern und sind frostresistent.
Im Frühjahr, synchron mit dem Knospenaustrieb der Wirtsbäume, schlüpfen die Raupen. Dieser Zeitpunkt ist entscheidend: Schlüpfen die Larven zu früh, finden sie noch keine Nahrung; schlüpfen sie zu spät, sind die Blätter bereits zu zäh. Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien über einen Zeitraum von etwa vier bis sechs Wochen. Nach abgeschlossenem Wachstum lassen sie sich an Spinnfäden zu Boden und verpuppen sich einige Zentimeter tief im