Brombeerspinner
BTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Macrothylacia rubi
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Glucken (Lasiocampidae)
- Gattung: Macrothylacia
- Flügelspannweite: 45–70 mm (Weibchen größer als Männchen)
- Gewicht: ca. 0,5–1,5 g
- Lebensraum: Heiden, Moorränder, Waldlichtungen, Wegränder, Brachen
- Verbreitungsgebiet: Europa und gemäßigtes Asien
- Lebenserwartung Imago: wenige Wochen (Falter nehmen keine Nahrung auf)
- Flugzeit: Mai bis Juli
Aussehen & Merkmale
Der Brombeerspinner zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus. Die Männchen besitzen eine Flügelspannweite von etwa 45–55 mm und sind einheitlich dunkelbraun bis rotbraun gefärbt. Ihre Vorderflügel tragen zwei schwach ausgeprägte, hellere Querlinien, die je nach Individuum mehr oder weniger deutlich hervortreten. Die Weibchen werden mit 55–70 mm Spannweite deutlich größer und sind blasser gefärbt – ihr Farbton reicht von gelbbraun bis graubraun.
Der Körper beider Geschlechter ist dicht mit pelzartig wirkenden Schuppen besetzt, was der gesamten Familie der Glucken ein charakteristisches, plüschiges Erscheinungsbild verleiht. Die Fühler der Männchen sind breit doppelt gekämmt, was ihnen eine große Oberfläche verschafft, um die Pheromone der Weibchen über weite Distanzen wahrzunehmen. Die Fühler der Weibchen sind deutlich schmaler und nur schwach gesägt.
Die Raupe des Brombeerspinners ist auffälliger als der Falter selbst. Sie wird bis zu 80 mm lang und ist dicht mit samtig schwarzen und fuchsroten Haaren bedeckt. Die seitlichen Haarbüschel stehen in klar abgegrenzten Segmentringen. Charakteristisch sind die leuchtend orangebraunen Haarbänder, die sich mit dunkelbraunen bis schwarzen Abschnitten abwechseln. Bei Berührung rollt sich die Raupe zu einer engen Spirale zusammen – ein typisches Abwehrverhalten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Macrothylacia rubi erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis in den Ural und darüber hinaus bis nach Zentralasien vor. In den Alpen wurde der Brombeerspinner bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern nachgewiesen.
Als Habitat bevorzugt die Art offene bis halboffene Landschaften. Typische Biotope sind Heideflächen, Moorränder, sonnige Waldränder, Kahlschläge, verbuschte Brachen und Wegränder. Entscheidend für das Vorkommen ist ein ausreichendes Angebot an niedrigwachsenden Sträuchern und krautigen Pflanzen, die den Raupen als Nahrung dienen. In intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften fehlt die Art weitgehend.
Ernährung
Die adulten Falter besitzen nur rudimentär ausgebildete Mundwerkzeuge und nehmen keinerlei Nahrung auf. Ihre gesamte Energie beziehen sie aus den Fettreserven, die während des Raupenstadiums angelegt wurden.
Die Raupen sind polyphag und fressen an einer Vielzahl von Pflanzen. Trotz des deutschen Namens beschränkt sich ihre Nahrung keineswegs auf die Brombeere (Rubus fruticosus). Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Besenginster (Cytisus scoparius), Schlehe (Prunus spinosa), Himbeere (Rubus idaeus) sowie verschiedene Klee- und Wickenarten. Auch an Gräsern und weiteren krautigen Pflanzen wurden fressende Raupen beobachtet. Diese breite Nahrungspalette ist einer der Gründe für die weite Verbreitung der Art.
Verhalten & Lebensweise
Der Brombeerspinner ist nachtaktiv. Die Männchen fliegen in den Abend- und Nachtstunden aktiv umher und suchen mithilfe ihrer stark gekämmten Fühler nach paarungsbereiten Weibchen. Sie lassen sich regelmäßig von künstlichen Lichtquellen anlocken und gehören in geeigneten Lebensräumen zu den häufigeren Nachtfaltern am Licht. Die Weibchen sind weniger flugfreudig und verhalten sich eher stationär.
Die Raupen sind vorwiegend nachtaktiv, lassen sich aber an warmen Tagen regelmäßig beim Sonnenbaden auf Wegen und offenen Flächen beobachten – besonders im Herbst, bevor sie ihre Überwinterungsquartiere aufsuchen. Die dichte Behaarung dient sowohl der Thermoregulation als auch als mechanischer Schutz vor Fressfeinden. Die Haare können bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen, sind aber nicht mit den Brennhaaren von Prozessionsspinnern vergleichbar.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich von Mai bis Juli. Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier in kleinen Gruppen an die Blätter und Stängel geeigneter Futterpflanzen ab. Ein Gelege umfasst insgesamt mehrere hundert Eier.
Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und durchlaufen mehrere Häutungsstadien. Im Spätherbst, nach intensiver Nahrungsaufnahme, suchen sie sich ein geschütztes Winterquartier – häufig unter dichter Bodenvegetation, in Laubstreu oder unter Moospolstern. Die Überwinterung erfolgt als nahezu ausgewachsene Raupe. Im folgenden Frühjahr nehmen sie nochmals kurz Nahrung auf und verpuppen sich anschließend in einem dichten, länglich-ovalen Gespinstkokon zwischen Pflanzenteilen am Boden. Der Kokon ist mit Raupenhaaren durchsetzt. Nach einer Puppenruhe von wenigen Wochen schlüpft der Falter. Die gesamte Entwicklungsdauer beträgt somit rund ein Jahr – es wird eine Generation pro Jahr ausgebildet (univol