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Eulenfalter

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Tierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Noctuidae (Familie)
  • Ordnung: Lepidoptera (Schmetterlinge)
  • Überfamilie: Noctuoidea
  • Familie: Noctuidae
  • Anzahl der Arten: Weltweit über 35.000 beschriebene Arten, davon rund 600 in Mitteleuropa
  • Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Agrarlandschaften, Feuchtgebiete, Steppen – nahezu alle terrestrischen Biotope
  • Flügelspannweite: Je nach Art zwischen 15 und 120 mm
  • Gewicht: Artabhängig, meist zwischen 0,1 und 3 g
  • Lebenserwartung: Imagines wenige Wochen bis mehrere Monate; gesamter Lebenszyklus je nach Art ein Jahr oder länger

Aussehen & Merkmale

Die Eulenfalter bilden die artenreichste Familie innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge. Ihr deutscher Name leitet sich von den charakteristischen Augenflecken ab, die bei manchen Arten auf den Vorderflügeln auftreten und an Eulenaugen erinnern. Allerdings besitzen bei weitem nicht alle Vertreter der Noctuidae diese Zeichnung.

Der Körperbau der Eulenfalter ist typischerweise kräftig und gedrungen. Der Thorax trägt dichte Behaarung aus Schuppen und Haarschuppen, die dem Falter ein pelziges Erscheinungsbild verleiht. Die Vorderflügel sind in der Regel schmal und länglich mit einer spitz zulaufenden Flügelspitze. Ihre Färbung ist überwiegend in gedeckten Braun-, Grau- und Ockertönen gehalten – eine wirkungsvolle Tarnung auf Baumrinde, am Boden oder im trockenen Laub. Auf den Vorderflügeln lassen sich bei vielen Arten drei namensgebende Makeln unterscheiden: die Ringmakel, die Nierenmakel und die Zapfenmakel, die für die Artbestimmung von taxonomischer Bedeutung sind.

Die Hinterflügel sind häufig einfarbig grau oder bräunlich, bei einigen Gattungen – etwa den Ordensbändern (Catocala) – jedoch leuchtend rot, gelb oder blau gebändert. Im Ruhezustand werden die Hinterflügel von den Vorderflügeln dachförmig bedeckt. Die Fühler sind bei den Männchen oft bewimpert oder gekämmt, bei den Weibchen fadenförmig. Die Facettenaugen sind groß und häufig von einem feinen Haarring umgeben.

Lebensraum & Verbreitung

Eulenfalter gehören zu den am weitesten verbreiteten Schmetterlingsfamilien der Erde. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die höchste Artendichte findet sich in den Tropen, doch auch in den gemäßigten Breiten Europas ist die Familie mit mehreren hundert Arten vertreten.

Die Habitatansprüche variieren je nach Art erheblich. Einige Vertreter besiedeln ausschließlich feuchte Auenwälder oder Moorgebiete, andere treten vorwiegend in offenen Trockenrasen, Heiden oder Steppen auf. Zahlreiche Arten sind ausgesprochene Kulturfolger und kommen in Gärten, Parks und Agrarlandschaften vor. Die Hausmutter (Noctua pronuba) etwa zählt zu den häufigsten Nachtfaltern Mitteleuropas und wird regelmäßig in Siedlungsgebieten angetroffen. Einige Arten wie der Totenkopfschwärmer-ähnliche Große Windenschwärmer-Noctuide sind Wanderfalter, die im Herbst aus dem Mittelmeerraum nach Nordeuropa einfliegen.

Ernährung

Die ausgewachsenen Falter (Imagines) ernähren sich von Nektar, überreifen Früchten und ausfließenden Baumsäften. Manche Arten nehmen als Imago überhaupt keine Nahrung auf und zehren von den Fettreserven, die sie im Larvenstadium angelegt haben. Einige tropische Vertreter sind als Fruchtstecher bekannt: Mit ihrem verhärteten Saugrüssel durchbohren sie die Schale reifer Früchte.

Die Raupen der Eulenfalter sind überwiegend polyphag oder oligophag, das heißt sie fressen an vielen beziehungsweise einigen wenigen Pflanzenarten. Häufige Futterpflanzen sind Gräser, Kräuter, Sträucher und Laubbäume. Einige Arten – etwa die Wintersaateule (Agrotis segetum) – gelten als bedeutende Agrarschädlinge, da ihre Raupen als sogenannte Erdraupen unterirdisch an Wurzeln und Knollen fressen. Andere Arten ernähren sich von Flechten, Moosen oder abgestorbenem Pflanzenmaterial.

Verhalten & Lebensweise

Die überwiegende Mehrzahl der Eulenfalter ist streng nachtaktiv. Tagsüber ruhen die Tiere an Baumstämmen, Zaunpfählen, Mauern oder in der Laubstreu, wobei die kryptische Flügelfärbung für eine nahezu perfekte Tarnung sorgt. Bei Störung verharren viele Arten regungslos; einige Gattungen wie die Ordensbänder klappen abrupt die Hinterflügel auf und zeigen ihre leuchtenden Farbbänder – ein Schrecksignal, das Fressfeinde kurzzeitig irritiert.

Eulenfalter werden nachts stark von künstlichen Lichtquellen angezogen, weshalb sie regelmäßig an beleuchteten Fenstern, Straßenlaternen und Lichtfallen auftreten. Diese positive Phototaxis wird in der entomologischen Forschung systematisch für Bestandserhebungen genutzt. Die Imagines vieler Arten besitzen ein tympanales Organ am Metathorax, das Ultraschallrufe jagender Fledermäuse wahrnehmen kann. Bei Erkennung eines Fledermausrufs führen die Falter abrupte Ausweichmanöver aus oder lassen sich fallen – eine hochentwickelte Strategie zur Feindvermeidung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung erfolgt in der Regel kurz nach dem Schlüpfen der Imagines. Männchen lokalisieren die Weibchen über artspezifische Sexualpheromone, die auf große Distanz wirken. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in Gelegen an