Brauner Bär
BTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arctia caja
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Bärenspinner (Erebidae, Unterfamilie Arctiinae)
- Gattung: Arctia
- Lebensraum: Lichte Wälder, Hecken, Gärten, Feuchtwiesen, Ruderalflächen
- Flügelspannweite: 45–65 mm
- Gewicht: ca. 0,5–1,5 g
- Lebenserwartung: Etwa ein Jahr (gesamter Lebenszyklus); Falter leben nur wenige Wochen
Aussehen & Merkmale
Der Braune Bär gehört zu den auffälligsten Nachtfaltern Mitteleuropas. Die Vorderflügel tragen ein unregelmäßiges Netzmuster aus weißen Linien auf dunkelbraunem Grund. Diese Zeichnung variiert stark von Individuum zu Individuum – kaum zwei Falter gleichen einander vollständig. Die Hinterflügel sind leuchtend orangerot bis zinnoberrot gefärbt und mit mehreren blauschwarzen Flecken versehen. Im Ruhezustand werden die Hinterflügel unter den Vorderflügeln verborgen, sodass der Falter durch seine kryptische Oberseite auf Baumrinde und trockenen Blättern gut getarnt ist.
Der Körper (Thorax und Abdomen) ist kräftig gebaut und dicht behaart. Der Thorax trägt eine braune Behaarung, die an das Fell eines Bären erinnert – daher der deutsche Name. Das Abdomen ist orangerot mit schwarzen Querbändern. Die Fühler sind bei den Männchen deutlich gekämmt (pektiniert), bei den Weibchen hingegen fadenförmig. Diese Unterschiede in der Fühlerform dienen der Unterscheidung der Geschlechter und ermöglichen es dem Männchen, die Pheromone des Weibchens über weite Distanzen wahrzunehmen.
Die Raupe des Braunen Bären ist ebenfalls unverwechselbar. Sie wird bis zu 60 mm lang und ist dicht mit langen, schwarzbraunen und rotbraunen Haaren bedeckt. Aufgrund dieser Behaarung wird sie im Volksmund häufig als „Bärenraupe" bezeichnet. Die Haare können bei empfindlichen Personen Hautreizungen auslösen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Arctia caja erstreckt sich über die gesamte Paläarktis und Teile der Nearktis. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien und ostwärts bis nach Japan vor. In Nordamerika besiedelt der Braune Bär Kanada und den Norden der USA. Die Art bevorzugt als Habitat offene bis halboffene Landschaften: Waldränder, naturnahe Gärten, Heckenlandschaften, Feuchtwiesen und Auen. Auch in Siedlungsnähe tritt der Falter auf, sofern ausreichend Nahrungspflanzen für die Raupen vorhanden sind.
In den letzten Jahrzehnten sind die Bestände in Teilen Westeuropas, insbesondere in Großbritannien und den Niederlanden, deutlich zurückgegangen. In Mitteleuropa ist der Braune Bär zwar noch weit verbreitet, wird jedoch in vielen Regionen seltener. Der Verlust strukturreicher Biotope durch intensive Landwirtschaft und Flurbereinigung gilt als wesentlicher Rückgangsgrund.
Ernährung
Die Raupen des Braunen Bären sind ausgesprochen polyphag. Sie fressen an einer Vielzahl krautiger Pflanzen und Sträucher. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Brennnessel (Urtica dioica), Löwenzahn (Taraxacum), Wegerich (Plantago), Brombeere (Rubus), Salweide (Salix caprea) und Himbeere. Die Raupe nimmt gelegentlich auch welkes Laub an, was in der Natur unter Nachtfalterraupen eher ungewöhnlich ist.
Die adulten Falter nehmen kaum oder gar keine Nahrung auf. Ihr Saugrüssel ist zwar vorhanden, aber verkümmert. Die während des Raupenstadiums aufgebauten Energiereserven reichen für die wenigen Wochen des Falterlebens aus, in denen Paarung und Eiablage im Vordergrund stehen.
Verhalten & Lebensweise
Arctia caja ist überwiegend nachtaktiv. Die Falter fliegen in einer Generation pro Jahr, meist von Juni bis August. Sie lassen sich von künstlichen Lichtquellen anlocken und werden daher regelmäßig an Leuchtfallen und beleuchteten Fenstern beobachtet. Tagsüber ruhen die Falter mit zusammengefalteten Flügeln an Baumstämmen, Zäunen oder in der Vegetation.
Bei Störung zeigt der Braune Bär ein charakteristisches Abwehrverhalten: Er spreizt die Vorderflügel ab und präsentiert die leuchtend roten Hinterflügel mit ihren schwarzen Flecken. Diese sogenannte Schrecktracht (Aposematismus) signalisiert potenziellen Fressfeinden Ungenießbarkeit. Tatsächlich kann der Falter aus Drüsen am Thorax ein übel riechendes, alkaloidhaltiges Sekret absondern. Die Raupen rollen sich bei Berührung zusammen und nutzen ihre dichte Behaarung als mechanischen Schutz.
Die Raupen überwintern als Jungraupen in der Bodenstreu und unter loser Rinde. Nach der Überwinterung fressen sie im Frühjahr intensiv und erreichen bis Mai oder Juni ihre volle Größe.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz und Paarung finden in den Nachtstunden statt. Das Weibchen lockt das Männchen durch die Abgabe von Pheromonen an, die das Männchen mit seinen gekämmten Fühlern über Entfernungen von mehreren hundert Metern detektieren kann. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in Gruppen an die Unterseite von Blättern geeigneter Futterpflanzen. Ein Gelege umfasst je nach Individuum zwischen 100 und über 1.000 Eier.
Die Eier sind anfangs weißlich und verfärben sich vor dem Schlupf grau. Die Jungraupen schlüpfen nach etwa zwei Wochen und fressen zunächst gesellig. Mit zunehmendem Alter leben sie einzelgängerisch. Nach der Überwinterung und einer intensiven Fressphase im Frühj