Birkenspinner
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Endromis versicolora (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Birkenspinner (Endromidae)
- Gattung: Endromis
- Lebensraum: Lichte Birken- und Mischwälder, Moorränder, Heiden
- Flügelspannweite: Männchen 50–60 mm, Weibchen 65–80 mm
- Gewicht: ca. 0,5–1,5 g (je nach Geschlecht)
- Lebenserwartung: Imagines wenige Tage bis maximal zwei Wochen; gesamter Lebenszyklus etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Der Birkenspinner ist ein mittelgroßer Nachtfalter mit deutlichem Geschlechtsdimorphismus. Männchen sind kleiner als Weibchen und tragen auffällig gefiederte, breite Fühler (Antennen), die der Wahrnehmung weiblicher Pheromone dienen. Die Weibchen besitzen dagegen deutlich schmalere, nur schwach gezähnte Fühler.
Die Vorderflügel beider Geschlechter zeigen ein komplexes Muster aus braunen, orangebraunen und weißen Zeichnungselementen. Charakteristisch ist eine helle, geschwungene Querbinde, die sich über die Flügelmitte zieht und von dunkleren Feldern eingefasst wird. Die Hinterflügel sind beim Männchen vorwiegend orange bis rotbraun getönt, beim Weibchen heller und stärker weißlich aufgehellt. Die Unterseite der Flügel ist insgesamt blasser gefärbt.
Der Körper ist dicht und pelzig behaart – eine typische Eigenschaft vieler Frühjahrsfalter, die in den noch kühlen Nächten des Vorfrühlings fliegen. Die Behaarung dient der Wärmeisolation und verleiht dem Falter ein gedrungenes, robustes Erscheinungsbild. Die Grundfarbe des Thorax ist braun bis graubraun.
Die Raupen durchlaufen mehrere Häutungsstadien. Junge Raupen sind zunächst dunkel gefärbt, ausgewachsene Exemplare erreichen eine Länge von etwa 50–60 mm und zeigen eine grüne Grundfarbe mit weißlichen Seitenstreifen und diagonalen Schrägstrichen. Auf dem elften Segment tragen sie ein kurzes, spitzes Analhorn – ein Merkmal, das an Schwärmerraupen erinnert, mit denen sie jedoch nicht näher verwandt sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Endromis versicolora erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa reicht es von Nordspanien und Frankreich über Mitteleuropa bis nach Skandinavien und Osteuropa. Östlich schließt sich ein Areal über Russland, Sibirien bis nach Japan und Korea an. In den Alpen kommt die Art bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern vor.
Der Birkenspinner besiedelt bevorzugt lichte Laubwälder und Mischwälder mit hohem Birkenanteil. Typische Habitate sind Birkenbrüche an Moorrändern, aufgelichtete Waldränder, Heideflächen mit Birkenaufwuchs sowie junge Pionierwaldstadien. Die Art meidet geschlossene, schattige Hochwälder und kommt in reinen Nadelforsten nur dann vor, wenn eingestreute Birken vorhanden sind. Entscheidend für die Habitateignung ist das Vorkommen von Birken (Betula) als Hauptnahrungspflanze der Raupen.
Ernährung
Die adulten Falter (Imagines) nehmen keine Nahrung auf. Ihr Mundwerkzeug – der Saugrüssel – ist verkümmert. Sie zehren ausschließlich von den Fettreserven, die sie im Raupenstadium angelegt haben. Entsprechend kurz ist ihre Lebensdauer als Falter.
Die Raupen ernähren sich oligophag, das heißt, sie nutzen nur eine begrenzte Anzahl verwandter Futterpflanzen. Hauptnahrungsquelle sind die Blätter verschiedener Birkenarten, insbesondere der Hänge-Birke (Betula pendula) und der Moor-Birke (Betula pubescens). Daneben werden gelegentlich auch Blätter von Erlen (Alnus), Linden (Tilia), Hainbuchen (Carpinus betulus) und Haselnuss (Corylus avellana) angenommen. Die Raupen fressen vor allem nachts und ruhen tagsüber auf der Blattunterseite oder an Zweigen, wo sie durch ihre grüne Färbung gut getarnt sind.
Verhalten & Lebensweise
Der Birkenspinner gehört zu den ersten Nachtfalterarten, die im Frühjahr erscheinen. Die Flugzeit erstreckt sich von Ende März bis Anfang Mai, wobei regionale und witterungsbedingte Schwankungen auftreten. Die Männchen fliegen bereits an warmen Nachmittagen in schnellem, zickzackförmigem Suchflug durch die Birkenbestände – ein ungewöhnliches Verhalten für einen Nachtfalter. In der Dämmerung und nachts verstärkt sich die Flugaktivität. Die Weibchen sind weniger flugaktiv und verharren häufig an Baumstämmen, wo sie über Pheromone die Männchen anlocken.
Die Falter kommen ans Licht, werden aber nicht so regelmäßig an künstlichen Lichtquellen beobachtet wie viele andere Nachtfalterarten. Die Männchen lassen sich durch weibliche Pheromonpräparate gezielt anlocken, was in der Freilandforschung als Nachweismethode genutzt wird.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier in kleinen Gruppen oder einzeln an dünne Zweige und Knospen der Futterpflanzen. Die Eier sind anfangs grünlich und verfärben sich mit der Zeit bräunlich. Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen und beginnen sofort mit der Nahrungsaufnahme an den sich entfaltenden Blättern.
Die Raupenentwicklung erstreckt sich über mehrere Wochen und umfasst fünf Larvenstadien. Im Juni oder Juli sind die Raupen ausgewachsen und verpuppen sich im Erdboden in einem lockeren Gespinst, das mit Erdpartikeln vermischt ist. Die Puppe überdauert den Winter und bildet damit das Überwinterungsstadium. Unter ung