Bambuslemur
BTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hapalemur (Gattung); bekannteste Art: Grauer Bambuslemur (Hapalemur griseus)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
- Familie: Lemuren (Lemuridae)
- Gattung: Hapalemur (Bambuslemuren) sowie Prolemur (Großer Bambuslemur)
- Lebensraum: Tropische Regen- und Bergwälder Madagaskars
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 26–45 cm, Schwanzlänge 25–50 cm (je nach Art)
- Gewicht: 0,7–2,5 kg (Hapalemur); bis 2,5 kg beim Großen Bambuslemur (Prolemur simus)
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis etwa 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Bambuslemuren sind mittelgroße Lemuren mit einem kompakten, gedrungenen Körperbau. Ihr dichtes, weiches Fell variiert je nach Art von graubraun über olivgrün bis hin zu rötlich-gold. Die Bauchseite ist in der Regel heller gefärbt als der Rücken. Das Gesicht ist rundlich mit einer kurzen Schnauze, großen, nach vorn gerichteten Augen und relativ kleinen, abgerundeten Ohren, die teilweise im Fell verborgen liegen.
Der Schwanz ist lang und buschig, dient jedoch – anders als bei einigen anderen Primaten – nicht als Greiforgan. Die Hände und Füße sind kräftig mit gut ausgebildeten Greifzehen, die das Klettern an Bambushalmen und dünnen Ästen erleichtern. Ein artspezifisches Merkmal ist die leicht vergrößerte, kräftige Daumenpartie, die beim Festhalten von Bambusrohren hilft. Bambuslemuren besitzen ein spezialisiertes Gebiss: Die Prämolaren sind breit und robust, was ihnen das Aufbrechen harter Bambusschalen ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bambuslemuren beschränkt sich ausschließlich auf Madagaskar. Sie sind damit – wie alle Lemuren – endemisch auf dieser Insel vor der Südostküste Afrikas. Ihr Habitat umfasst tropische Tieflandregenwälder, Bergregenwälder in Höhen bis über 2.400 Meter sowie sumpfige Waldgebiete und Bambusbestände.
Der Graue Bambuslemur (Hapalemur griseus) besiedelt vor allem die Regenwälder der Ostküste. Der Goldene Bambuslemur (Hapalemur aureus), erst 1987 wissenschaftlich beschrieben, kommt nur in einem eng begrenzten Areal im Südosten der Insel vor, insbesondere im Nationalpark Ranomafana. Der Große Bambuslemur (Prolemur simus) war einst weiter verbreitet, ist heute aber auf wenige isolierte Waldgebiete im Osten Madagaskars beschränkt. Diese fragmentierte Verbreitung macht die Populationen besonders anfällig gegenüber Lebensraumveränderungen.
Ernährung
Wie der Name verrät, bildet Bambus die Hauptnahrung dieser Primaten. Je nach Art werden unterschiedliche Teile der Bambuspflanze bevorzugt: Der Graue Bambuslemur frisst vorwiegend junge Triebe und Blätter, der Goldene Bambuslemur spezialisiert sich auf die Sprosse der Bambusart Cephalostachyum viguieri, und der Große Bambuslemur konsumiert vor allem das Mark der harten Bambushalme.
Eine physiologisch beachtliche Eigenschaft des Goldenen Bambuslemurs ist seine Fähigkeit, große Mengen Cyanid (Blausäure) zu tolerieren. Die von ihm bevorzugten Bambussprossen enthalten hohe Konzentrationen dieser Verbindung – täglich nimmt ein Tier eine Dosis auf, die für die meisten Säugetiere vergleichbarer Größe tödlich wäre. Der genaue Entgiftungsmechanismus ist bislang nicht vollständig geklärt und Gegenstand laufender Forschung. Ergänzend zum Bambus fressen Bambuslemuren in geringem Umfang auch Früchte, Blüten und Blätter anderer Pflanzen.
Verhalten & Lebensweise
Bambuslemuren leben in kleinen Gruppen von zwei bis sechs Tieren, die sich aus einem Paar und dessen Nachwuchs zusammensetzen. Diese Familienverbände bewohnen feste Reviere, die durch Duftmarkierungen abgegrenzt werden. Zur Markierung nutzen die Tiere Drüsensekrete, die sie an Ästen und Bambushalmen hinterlassen.
Die Aktivitätsmuster unterscheiden sich je nach Art. Der Graue Bambuslemur ist überwiegend kathemeral, also sowohl tag- als auch nachtaktiv, wobei das Verhältnis saisonal schwankt. Der Große Bambuslemur zeigt eine stärker tagaktive Tendenz. Die Tiere bewegen sich geschickt kletternd und springend durch das Geäst und die Bambusbestände. Ihre Fortbewegung wird als vertikales Klettern und Springen beschrieben – sie umgreifen Bambushalme und stoßen sich mit den Hinterbeinen ab, um zum nächsten Halm zu gelangen.
Die Kommunikation erfolgt über ein Repertoire aus Rufen, die der Kontaktpflege innerhalb der Gruppe und der Revierverteidigung dienen. Grunzlaute und leise Schnurrgeräusche halten den Zusammenhalt der Gruppe aufrecht, während laute, bellende Rufe vor Fressfeinden wie der Fossa (Cryptoprocta ferox) oder Greifvögeln warnen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt bei den meisten Bambuslemur-Arten in die Monate Mai bis Juni, also in den beginnenden madagassischen Winter. Nach einer Tragzeit von rund 135 bis 150 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten. Die Geburten fallen damit in die wärmere Jahreszeit zwischen September und November, wenn das Nahrungsangebot günstiger ist.
Die Neugeborenen wiegen je nach Art zwischen