Borneo-Orang-Utan
BTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pongo pygmaeus
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Menschenaffen (Hominidae)
- Gattung: Orang-Utans (Pongo)
- Unterarten: P. p. pygmaeus (Nordwest-Borneo), P. p. wurmbii (Zentral-Borneo), P. p. morio (Nordost-Borneo)
- Lebensraum: Tropische Tiefland- und Bergregenwälder auf Borneo
- Größe: Männchen ca. 97 cm (Kopf-Rumpf-Länge), Weibchen ca. 78 cm
- Gewicht: Männchen 50–100 kg, Weibchen 30–50 kg
- Lebenserwartung: 35–45 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Borneo-Orang-Utan ist nach den beiden afrikanischen Gorilla-Arten der drittgrößte lebende Primat. Sein Körperbau ist stämmig und kräftig, mit langen, muskulösen Armen, die eine Spannweite von über zwei Metern erreichen können. Die Beine sind im Vergleich dazu kurz und relativ schwach ausgebildet – eine Anpassung an das Leben in den Baumkronen.
Das Fell ist lang, zottelig und variiert in der Färbung von dunkelbraun bis rötlich-orange. Im Vergleich zum Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) wirkt das Fell des Borneo-Orang-Utans dunkler, und das Gesicht ist breiter. Ausgewachsene dominante Männchen – sogenannte flanschtragende Männchen – entwickeln auffällige Backenwülste aus Fett und Bindegewebe, die als Flansche bezeichnet werden. Diese Wangenscheiben verbreitern das Gesicht erheblich und gelten als sekundäres Geschlechtsmerkmal. Zusätzlich bilden diese Männchen einen Kehlsack aus, der als Resonanzkörper für weittragende Rufe dient.
Die Hände und Füße sind als Greiforgane ausgebildet: Lange, gebogene Finger ermöglichen einen sicheren Hakegriff an Ästen. Die Daumen sind im Verhältnis zu den übrigen Fingern kurz, was das Greifen dünner Zweige erleichtert. Die Fußsohlen sind breit und flexibel, die Großzehe ist opponierbar – der Fuß funktioniert somit wie eine zweite Hand.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Borneo-Orang-Utans beschränkt sich auf die Insel Borneo, die politisch zu Indonesien (Kalimantan), Malaysia (Sabah, Sarawak) und Brunei gehört. Historisch besiedelten Orang-Utans weite Teile Südostasiens, doch heute sind die verbliebenen Populationen stark fragmentiert.
Als Habitat dienen in erster Linie tropische Tieflandregenwälder bis in Höhen von etwa 1.500 Metern. Die Tiere bevorzugen Torfmoor- und Dipterocarpaceenwälder, in denen das Nahrungsangebot besonders reichhaltig ist. Sekundärwälder und degradierte Waldflächen werden ebenfalls genutzt, bieten aber in der Regel geringere Nahrungsressourcen. Das Biotop muss vor allem einen ausreichenden Baumbestand aufweisen, da Borneo-Orang-Utans den Großteil ihres Lebens im Kronendach verbringen, auch wenn sie häufiger auf dem Boden beobachtet werden als ihre Verwandten auf Sumatra.
Ernährung
Borneo-Orang-Utans sind Allesfresser mit einem starken Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Früchte machen den größten Anteil der Nahrung aus – in Zeiten reichhaltigen Fruchtangebots bis zu 60 Prozent der täglichen Aufnahme. Bevorzugt werden energiereiche Früchte wie Durian, Feigen, Litschi und Jackfruit.
In fruchtarmen Perioden weichen die Tiere auf Rinde, junge Blätter, Knospen, Blüten und Mark aus. Ergänzend nehmen sie Insekten wie Termiten und Ameisen, gelegentlich Vogeleier und in seltenen Fällen kleine Wirbeltiere auf. Borneo-Orang-Utans wurden zudem beim Verzehr von Erde beobachtet – ein Verhalten, das als Geophagie bezeichnet wird und vermutlich der Mineralstoffversorgung oder der Neutralisierung pflanzlicher Toxine dient.
Ein Großteil des Wasserbedarfs wird über die Nahrung gedeckt. Zusätzlich trinken die Tiere Regenwasser, das sich in Baumhöhlen und auf Blättern sammelt.
Verhalten & Lebensweise
Borneo-Orang-Utans sind tagaktiv. Ihre Aktivitätsphase beginnt kurz nach Sonnenaufgang und endet am späten Nachmittag mit dem Bau eines Schlafnests. Diese Nester werden täglich neu aus Ästen und Blättern in den Baumkronen errichtet, gelegentlich auch mit einem Dach gegen Regen versehen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Primaten leben Orang-Utans überwiegend solitär. Es gibt keine dauerhaften Gruppen oder Rudel. Erwachsene Männchen sind Einzelgänger, deren Reviere sich mit denen mehrerer Weibchen überlappen. Flanschtragende Männchen verteidigen ihre Streifgebiete mit sogenannten Long Calls – tiefen, weitreichenden Rufen, die über einen Kilometer weit hörbar sind und sowohl Rivalen warnen als auch Weibchen anlocken sollen.
Weibchen sind gelegentlich mit ihren Jungtieren und manchmal in lockeren Verbänden mit anderen Weibchen anzutreffen, insbesondere an ergiebigen Futterbäumen. Die Fortbewegung erfolgt vorwiegend kletternd und hangelnd im Geäst (Brachiation). An den Boden begeben sich Borneo-Orang-Utans häufiger als Sumatra-Orang-Utans, was unter anderem damit zusammenhängt, dass auf Borneo der Sumatra-Tiger als Bodenprädator fehlt.
Werkzeuggebrauch ist bei Borneo-Orang-Utans dokumentiert, kommt aber seltener vor als bei der Sumatra-Population. Beobachtet wurde unter anderem die Verwendung von Stöcken zur Nahrungsgewinnung und von Blättern als Handschutz oder Reg