Berggorilla
BTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gorilla beringei beringei
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Menschenaffen (Hominidae)
- Gattung: Gorilla
- Lebensraum: Tropische Bergwälder Zentralafrikas, in Höhenlagen zwischen 2.200 und 4.300 Metern
- Größe: Männchen bis 175 cm (aufrecht), Weibchen bis 150 cm
- Gewicht: Männchen 150–220 kg, Weibchen 70–100 kg
- Lebenserwartung: 35–40 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Berggorilla ist die größte Unterart des Östlichen Gorillas (Gorilla beringei) und zählt zu den massigsten lebenden Primaten. Sein Körperbau ist gedrungen und muskulös, mit breitem Brustkorb, kräftigen Armen und vergleichsweise kurzen Beinen. Die Arme sind deutlich länger als die Beine – ein typisches Merkmal der Menschenaffen, das mit ihrer teilweise arborealen Lebensweise zusammenhängt, auch wenn Berggorillas überwiegend am Boden leben.
Das Fell ist im Vergleich zu den im Flachland lebenden Verwandten – dem Westlichen Gorilla (Gorilla gorilla) und dem Östlichen Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri) – dichter und länger. Diese Anpassung schützt die Tiere gegen die kühlen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit in ihrem Habitat. Die Fellfarbe ist überwiegend schwarz bis dunkelbraun. Erwachsene Männchen entwickeln ab einem Alter von etwa zwölf Jahren eine silbergraue Sattelzeichnung auf dem Rücken, weshalb sie als Silberrücken bezeichnet werden. Diese Zeichnung signalisiert die körperliche und soziale Reife des Tieres.
Der Schädel der Berggorillas zeichnet sich durch einen ausgeprägten Scheitelkamm (Sagittalkamm) aus, insbesondere bei den Männchen. Dieser knöcherne Kamm dient als Ansatzfläche für die starke Kaumuskulatur. Das Gesicht ist haarlos, schwarz pigmentiert und individuell so einzigartig wie ein Fingerabdruck – ein Merkmal, das Forschern die Identifikation einzelner Tiere ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Berggorillas beschränkt sich auf zwei isolierte Populationen in Zentralafrika. Die eine lebt in den Virunga-Vulkanbergen an der Grenze von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Dieses Gebiet umfasst den Volcanoes-Nationalpark (Ruanda), den Virunga-Nationalpark (DR Kongo) und den Mgahinga-Gorilla-Nationalpark (Uganda). Die zweite Population bewohnt den Bwindi-Impenetrable-Nationalpark im Südwesten Ugandas.
Das bevorzugte Biotop sind tropische Bergnebelwälder und subalpine Vegetationszonen. In diesen Höhenlagen herrschen Durchschnittstemperaturen zwischen 5 und 20 °C, und die Vegetation ist dicht und niederschlagsreich. Die Gorillas nutzen verschiedene Höhenstufen je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit, wobei sie gelegentlich bis in die Hagenia-Hypericum-Zone auf über 3.800 Meter aufsteigen.
Ernährung
Berggorillas sind überwiegend Pflanzenfresser (Herbivore). Ihre Nahrung besteht zu rund 85 Prozent aus Blättern, Trieben und Stängeln verschiedener krautiger Pflanzen. Dazu kommen Rinde, Wurzeln, Blüten und in geringem Umfang auch Früchte, wobei letztere in ihrem Habitat deutlich seltener verfügbar sind als in den Tieflandregenwäldern der Flachlandgorillas. Gelegentlich fressen Berggorillas Ameisen, Larven und Schnecken, die als Proteinquelle dienen.
Ein ausgewachsener Silberrücken nimmt täglich etwa 30 Kilogramm pflanzliche Nahrung zu sich. Die Tiere verbringen einen erheblichen Teil des Tages mit der Nahrungssuche und dem Fressen – im Schnitt sechs bis acht Stunden. Da ihre Nahrung wasserreich ist, trinken Berggorillas selten direkt aus Gewässern.
Verhalten & Lebensweise
Berggorillas sind tagaktiv. Ihr Tagesrhythmus folgt einem festen Muster: Morgens wird gefressen, die Mittagszeit dient der Ruhe und sozialen Interaktion, und am Nachmittag folgt eine zweite Fressphase. Vor Einbruch der Dämmerung bauen die Tiere Schlafnester aus Ästen und Blättern, die sie jeweils nur eine Nacht nutzen.
Die Tiere leben in stabilen Gruppen von durchschnittlich zehn bis zwölf Individuen, gelegentlich bis zu 30 Tieren. Eine Gruppe besteht typischerweise aus einem dominanten Silberrücken, mehreren erwachsenen Weibchen, deren Jungtieren und manchmal einem oder mehreren untergeordneten Männchen. Der Silberrücken trifft alle wesentlichen Entscheidungen – er bestimmt die Wanderroute, die Fressplätze und verteidigt die Gruppe gegen Gefahren.
Die Kommunikation ist vielschichtig und umfasst über 25 verschiedene Lautäußerungen, darunter tiefe Grummellaute zur Kontaktpflege, Bellen als Warnsignal und laute Brülllaute in Konfliktsituationen. Imponier- und Drohverhalten schließt das charakteristische Brusttrommeln mit offenen Händen ein, das bis zu zwei Kilometer weit hörbar ist. Das Revier einer Gruppe überschneidet sich häufig mit dem anderer Gruppen; direkte Konfrontationen verlaufen meist ritualisiert und selten tödlich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Berggorillas haben keine feste Paarungszeit. Weibchen werden mit etwa acht Jahren geschlechtsreif, Männchen mit elf bis zwölf Jahren, übernehmen aber meist erst mit 13 bis 15 Jahren eine Führungsrolle. Die Weibchen zeigen keinen auffälligen Östrus; die Paarungsinitiative geht häufig von ihnen aus.
Die Tragzeit beträgt rund 8,5 Monate. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillingsgeburten sind extrem selten. Das Neugeborene wiegt etwa 1,8 Kilogramm und ist in den ersten